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24 plus - Online Systemlogistik: "Unsere Denke ist sehr ähnlich"

24 plus und Online Systemlogistik wollen enger zusammenarbeiten. Was konkret geplant ist, erläutern Sandra Bugiel, Geschäftsführerin von Online Systemlogistik, und Peter Baumann, Chef von 24 plus.

Der wachsende Druck im Stückgutmarkt lässt Unternehmen schon lange in Kooperationen zusammenarbeiten. Zwei dieser Netzwerke – Online Systemlogistik und 24 plus – haben nun ihrerseits angekündigt, sich gegenseitig zu unterstützen. Was das den Mitgliedern bringt und in welchen Bereichen die Netzwerke Synergien nutzen wollen, verraten Geschäftsführerin Sandra Bugiel (Online) und Geschäftsführer Peter Baumann (24 plus) im trans aktuell-Redaktionsgespräch.

trans aktuell: Frau Bugiel, Herr Baumann, wie haben Sie mit Ihren Kooperationen Online Systemlogistik beziehungsweise 24 plus das Jahr 2014 abgeschlossen?

Bugiel: Mit 2014 sind wir sehr zufrieden, wir hatten ein Wachstum von rund drei Prozent. Wir haben unser Netzwerk weiter ausgebaut von 75 Partnern im Januar auf heute 78.
Baumann: Wir kommen 2014 wohl bei einer guten Nullnummer heraus, was mit verschiedenen Neustrukturierungen zusammenhängt. Das Netzwerk ist dennoch stabil, die Veränderungen konnten wir gut auffangen. Wir haben allerdings auch eine andere Struktur als Online – mit 47 Depots in Deutschland.

Und wie sind Sie ins Jahr 2015 gestartet?

Bugiel: 2015 sind wir gut gestartet. Im ersten Halbjahr wollen wir uns in Deutschland weiter verdichten und uns international weiter orientieren.
Baumann: 2015 hat gut angefangen, das Geschäft läuft auf sehr hohem Niveau weiter. Es könnte ein gutes, mengenstabiles Stückgutjahr werden, das hoffentlich preistechnisch auch umgesetzt werden kann. Hier gibt es noch Nachholbedarf, auch durch das Mindestlohngesetz.

Sie haben angekündigt, kooperieren zu wollen. Wer hat den ersten Schritt gemacht?

Bugiel: Bei uns war eine Kooperation aus strategischen Gründen schon länger im Gespräch. 24 plus war der Wunschkandidat. Dann haben wir angerufen.
Baumann: Wir sind eine sehr offene Kooperation. Wir wollten vor dem Hintergrund veränderter Marktplayer unser Netzwerk zukunftssicher ausrichten. Immer mehr Übernahmen lassen regionale Player stärker werden, die Teilmärkte werden so neu gemischt. Das lässt sich mit einem Partner, der ähnlich gestrickt ist, besser umsetzen.

Wieso passen denn Ihrer Meinung nach die Netzwerke von 24 plus und Online so gut zusammen?

Bugiel: Wir sind beide sehr lange am Markt und haben stabile, hochwertige Netzwerke aus fast ausschließlich Mittelständlern. Unsere Denke ist sehr ähnlich, was wichtig ist, weil wir uns gegenseitig sehr tief in die Karten schauen. Das braucht Vertrauen. Wir können also miteinander wachsen.

Herr Baumann, ist Online hier auf Augenhöhe mit 24 plus? Sie sind doch deutlich größer.

Baumann: Durchaus. Wir haben kleinere und größere Partner, wie Online auch. Wir haben mehr Direktverkehre, Online mehr Hubverkehre. Doch die Situation ist im Wandel, neue Produkte verlangen neue Prozesse und auch neue Kooperationen. Nach einem halben Jahr waren wir uns einig – das passt. 

Und dann?

Baumann: In einem White Paper haben wir zusammengefasst, wie weit wir gehen können. Das geht bis hin zu neuen Produkten und einem Austausch im Back Office. Es ist ein Experiment und die Hauptarbeit liegt noch vor uns. Unsere Partner leben ihre Welt – und diese Welten sind sehr verschieden. Diese zusammenzubringen ist jetzt unsere Ausgabe. Was am Ende steht, wissen wir noch nicht, wir gehen das Thema offen an und gehen vertrauensvoll voran. Die Aufsichtsgremien und Partner sind natürlich eng eingebunden.

Haben Sie basisdemokratisch entschieden?

Baumann: Wir haben in der Gesellschafterversammlung das Konzept neu vorgestellt. Nach kurzer Diskussion hat sie mutig und zügig zugestimmt. 
Bugiel: Unsere Gesellschafter und unser Beirat haben die Entscheidung einstimmig getroffen. Und nachdem wir auch von 24 plus das Go per SMS hatten, haben wir alle Partner per Rundschreiben informiert und die Reaktionen waren sehr positiv. Die Kooperation birgt Chancen der Zusammenarbeit, des Wachstums, aber auch der Sicherheit. Für uns ist es der richtige Weg.

Gibt es einen Vertrag?

Baumann: Es gibt einen Vertrag auf Handschlag, mehr nicht. Wir stehen ganz am Anfang. Und jetzt müssen auch die Partner anfangen, miteinander zu reden. Die Netze bleiben, es gibt nur ein neues Miteinander.

Für gemeinsame Investitionen werden Sie aber auch Verträge benötigen. Wie ist hier Ihr Zeitplan?

Bugiel: Da reden wir in einem Jahr nochmal. Jetzt schaffen wir erst einmal die Grundlagen für unsere Zusammenarbeit.
Baumann: Wir wollen die Dynamik bei den Partnern nutzen. Den Aufwand können wir im Moment noch nicht einschätzen, das erarbeiten wir in Workshops im nächsten halben Jahr. Das darf keine Eintagsfliege werden. Wir müssen die Partner begeistern, damit sie mitgehen, auch wenn es erst mal Arbeit macht.

Wie war denn die Reaktion Ihrer Mitgliedsunternehmen auf die Kooperation?

Bugiel: Unsere Partner haben das durchweg als Chance gesehen.
Baumann: Eine ganze Reihe von Kontakten hat sich neu gefunden, das ist spannend. Es gab Vorbehalte, aber alle haben zugestimmt. Wir stellen quasi die Spielwiese zur Verfügung, auf der es jetzt mehr Möglichkeiten gibt. Gestalten müssen wir aber zusammen – und das wollen wir mit IT, Infrastruktur, und damit, Prozesse zu fördern und erleichtern.

Was kann man in einer Kooperation denn besser stemmen?

Baumann: Im Stückgutbereich braucht man zwingend eine Kooperation, ob Mittelständler oder Großunternehmen. Ich muss jede Postleitzahl in gleicher Qualität und Leistung erreichen können. Der Markt wird sich verändern, auch durch das veränderte Kaufverhalten. Die Frage für kleinere Kooperationen wird sein, ob sie aufgrund der Veränderungen kritische Mengen in bestimmten Segmenten noch erreichen.
Bugiel: Es gibt neben den Prozessen viele Bereiche, wo sich eine Zusammenarbeit anbietet, von gemeinsamen Produkten, über Einkauf bis zu Schulungen.

Und bei den Verkehren?

Baumann: Wir wollen eine technische Basis schaffen, damit die Partner die Mengenströme sehen und prüfen können, wo sie vielleicht andocken können, wo sie neue Verkehrswege finden und Verbindungen herstellen können.

Ist das Ziel denn, mehr Direktverkehre zu fahren?

Bugiel: Das ist durchaus das Ziel. Wir haben heute 15 Prozent Direktverkehre, dort wachsen die Partner auch. Und die Hubstruktur gibt ihnen die Möglichkeit, in Direktverkehre hineinzuwachsen. Die Hubs werden unsere Partner weiter fordern, weil sie nicht in jede Region einen wirtschaftlich betriebenen Direktverkehr fahren können.

Und gemeinsame Hubs?

Bugiel: Das ist nicht ausgeschlossen.
Baumann: Sogar absolut naheliegend. Beim Regionalhub Nord etwa sehen wir von beiden Seiten einen Bedarf. Doch erst müssen wir die Prozesse anpassen. Die Regionalhubs sind bisher bei Partnern untergebracht – gemeinsam könnte man dagegen schon ein richtig großes Hub betreiben.

Sitzen die Systemzentralen denn bei allen künftigen Kooperationsaktivitäten der Mitglieder mit am Tisch?

Baumann: Wir wollen natürlich gerne darüber informiert werden, was läuft. Aber letztlich haben wir es mit gestandenen Unternehmern zu tun, die machen das schon selbst. Aber die Ansage ist: Wenn ihr mit jemanden spricht, dann bitte zuerst mit einem Kollegen von der Online. Ist es mit diesem nicht möglich, dann schaut euch am Markt um.
Bugiel: Ich denke, dass die Partner sicher auf uns zukommen werden mit Forderungen wie "Zieht mal die Prozesse dahinter nach, in der Administration, an den Schnittstellen."

Profitieren auch Ihre ausländischen Partner?

Bugiel: Mit Jet in Belgien sitzt ja der erste Pilotpartner sogar im Ausland. Auch der zweite wird wohl dort sein.
Baumann: Das ist gut gelaufen trotz neuer Prozesse und IT. Bei Jet kommen die Mengen jetzt von 24 plus und Online zusammen, müssen aber wieder getrennt und auf die jeweiligen Lkw verteilt werden. Künftig soll das noch einfacher laufen.




Die Kooperationen

24 plus Logistics Network ist eine Stückgutkooperation mit 65 Systempartnern, davon 47 Partner in Deutschland und 19 in Europa. Rund 80 Prozent der Sendungsmengen werden im Direktverkehr transportiert, 20 Prozent über die Hubs Hauneck, Garbsen (Nord) und Ludwigsburg (Süd).

Online Systemlogistik: In der Online Systemlogistik sind 78 mittelständische Systempartner vereinigt, davon  21 außerhalb Deutschlands. Das Netzwerk verfügt über eine Flotte von rund 1.250 Lkw. Die Verkehre werden hauptsächlich über die Hubs Paderborn (Nord), Nördlingen (Süd) sowie die zwei Zentralhubs in Schlitz abgewickelt, rund 15 Prozent laufen über Direktverkehre.

Die Personen

Sandra Bugiel, Jahrgang 1967, ist seit 1997 bei der Stückgutkooperation Online Systemlogistik in Paderborn tätig, zunächst als Assistentin der Geschäftsführung, dann als Prokuristin, seit 1999 als Geschäftsführerin. IT, Personalmanagement, Finanzen und Controlling sowie der Bereich Marketing gehören neben dem Netzwerkausbau zu ihren Schwerpunktaufgaben. Die Diplom-Kauffrau studierte Betriebswirtschaftslehre an den Universitäten in Köln und Clermont-Ferrand. Vor ihrer Tätigkeit für die Online Systemlogistik absolvierte sie ein Trainee-Programm in der Industrie.

Peter Baumann, Jahrgang 1957, ist seit 1999 Geschäftsführer der Stückgutkooperation 24 plus Systemverkehre in Hauneck-Unterhaun. Baumann ist gelernter Speditionskaufmann. Vor seiner Tätigkeit bei 24 plus leitete er bei Schenker die Abteilung Systemverkehre.

Portrait

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24plus

Datum

5. März 2015
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