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Foto: Ilona Jüngst

170.000 Quadratmeter als Drehkreuz für den Norden

Zusammen stark

DSV bündelt Standorte der Geschäftsbereiche. Krefeld ist weltweit die zweitgrößte Anlage des Unternehmens.

Dass das Arbeiten in einem dänischen Konzern ein bisschen anders sein kann, zeigt sich bei DSV bei einem Blick in die Telefonliste: Die ist alphabetisch geordnet – allerdings nach Vornamen. Auch beim Neubau des Logistikdienstleisters in Krefeld liegt ob der transparenten Architektur des Bürokomplexes ein skandinavischer Einfluss nahe. Mit dem Bau des Logistikstandorts – nach Unternehmensangaben der zweitgrößte von DSV weltweit – hat sich der Konzern eine große Schnittstelle im Norden Deutschlands geschaffen.

Vorher waren die DSV-Geschäftsbereiche in Nordrhein-Westfalen auf verschiedene Standorte verteilt: DSV Road in Neuss, DSV Solutions ebenfalls in Neuss sowie in Nettetal, DSV Air & Sea in Düsseldorf sowie ein Shared-Service-Center in Willich. In Krefeld-Fichtenhain finden sich seit August vergangenen Jahres alle Bereiche auf einem Gelände mit einer Gesamtgröße von rund 170.000 Quadratmetern ein.

Das Bündeln der Standorte ist Teil einer globalen Strategie bei DSV, die Aktivitäten der einzelnen Divisionen wieder näher zusammenzubringen. "Die Konsolidierung aller Standorte aus NRW hat die interne Zusammenarbeit deutlich verbessert", sagt Regional Logistik-Manager Klaus Fuchs von DSV Solutions, dem Bereich Kontraktlogistik des Konzerns. Kein Wunder: Die Kontraktlogistik ist räumlich gesehen nur noch einen Steinwurf von der Umschlaghalle des Bereichs Landverkehr getrennt.

Kürzere Wegstrecken

DSV Road hat hier rund 12.000 Quadratmeter für den Sendungsumschlag zu Verfügung. Der Clou ist eine eingebaute Flurförderkette, die Paletten auf Hubwagen durch die Halle befördert und den Mitarbeitern lange Wegstrecken erspart.
Der Bereich Air & Sea ist vornehmlich im Bürotrakt zu finden, Kuriersendungen werden aber vor Ort in einer 700 Quadratmeter großen Lagerhalle bearbeitet. Rund 8.000 Sendungen Luftfracht, mehr als 7.500 Sendungen Seefracht und 327.500 Express-Sendungen bringt die Sparte von Krefeld aus auf den Weg.

Nicht nur im Operativen stieg die Effizienz, sondern auch im Verkauf: "Jetzt sitzen alle Vertriebsmitarbeiter zusammen, sagt Dirk Heiertz, Business Development Manager bei DSV Solutions, mit Blick auf den neuen Bürokomplex. Vorteil: eine sehr kurze Kommunikation. "Wir können uns über anstehende Projekte viel leichter austauschen. Das schafft die Gegebenheit, die Bedürfnisse der Kunden ganz anders zu erfüllen." Laut Heiertz ist damit das Cross-Selling zugunsten der anderen Geschäftsbereiche viel einfacher geworden. Zudem wurde der Umzug vergangenes Jahr genutzt, um die von DSV inzwischen global genutzte IT Cargowrite einzuführen.

Regionalleiter Fuchs ist von den Vorteilen der Zusammenlegung überzeugt. "Selbst für die Mitarbeiter war das unkritisch, weil die meisten davon sogar Wegevorteile hatten", sagt er. Profitiert haben jedoch vor allem die Kunden: "Wir können somit die Dienstleistungen wirklich aus einer Hand anbieten und an einem Standort die komplette Supply-Chain abbilden", sagt er.

Mehrere Läger zusammengefasst

Vorher betrieb Solutions nicht nur zwei Läger an verschiedenen Standorten, sondern für seine Kunden auch noch diverse Satellitenläger. "Den Umzug haben wir Schritt für Schritt geplant und umgesetzt", sagt Fuchs. Während die anderen Hallenabschnitte noch im Bau waren, wurden die ersten beiden fertiggestellten Lagerabschnitte bereits zum Juni mit Waren befüllt, unter anderem aus drei von Wettbewerben betriebenen regionalen Satellitenlägern.

"Allein aus dem Bestandsgeschäft in Neuss haben wir insgesamt 12.000 Paletten umgefahren – und das bei laufendem Geschäft", erzählt Fuchs. Zuerst die Langsamdreher, dann C-, B- und schließlich A-Artikel. "Unsere Kunden mussten nur über eine kurze Zeit einen Nachteil in Kauf nehmen. Gleichzeitig haben wir in Zusammenarbeit mit unserem Bereich Luft & See die Umschlagmengen so gesteuert, dass sie zum Umzugstermin möglichst gering waren. Zusammen mit uns ist auch der Bereich Road am neuen Standort gestartet, um die Prozesswege vom Lager in den Transport einzuhalten."

Kontraktlogistik hat mehr als 50.000 Quadratmeter

Insgesamt verfügt Solutions an dem neuen Standort über einen Lagerstandort mit insgesamt 50.000 Quadratmeter Fläche und 65.000 Palettenstellplätze. Drei Hallen sind regaliert, zwei sind auf Wunsch eines Kunden als Blocklager eingerichtet. Der Multi-User-Standort ist fast voll: "Für das Kompartiment A, das sich auch für die Lagerung wassergefährdender Stoffe eignet, suchen wir noch einen geeigneten, langfristigen Kunden – etwa aus der Chemiebranche oder aus dem Bereich Granulate“, sagt Fuchs."“, sagt Fuchs.

Durch die lichte Höhe von zwölf Metern war zusätzlich eine Mezzaninebene möglich, die weitere 1.000 Quadratmeter Fläche bietet, etwa für Fachbodenregale. "Oder für Merchandise-Leistungen", sagt Fuchs: Die Solutions-Mitarbeiter werden hier künftig unter anderem T-Shirts eines "Erstligisten im Fußball aus der Region" beflocken – mehr will Fuchs mit Rücksicht auf den Kunden nicht sagen. Für einen weiteren Kunden aus dem Baumarktbereich übernimmt Solutions am Standort Krefeld nicht nur den Empfang der Waren aus Asien, die Lagerung, Kommissionierung und die Distribution. Die Mitarbeiter führen bei elektrischen Geräten, die zum ersten Mal in den europäischen Markt eingeführt werden, auch die Qualitätsprüfung nach genauen Angaben des Kunden durch. Am augenfälligsten sind jedoch in einem Lager tausende gefüllte Bananenkisten in den Regalen: Ein Vermarkter aus Dänemark fasst hier Remittenden eines Verlages zusammen, die von DSV-Mitarbeitern kommissioniert und teils zu neuen Sortimenten für den Zweitmarkt zusammengefügt sowie distribuiert werden.

Mehr Möglichkeiten durch neuen Standort

Fuchs und Heiertz sehen durch den neuen Standort mehr Möglichkeiten, weitere Marktsegmente abzudecken. Deswegen steht sowohl der Ausbau des Bestandskundengeschäfts im Fokus, als auch die Neuakquise – etwa von mittelständischen Kunden aus der Region, gleich welcher Branche.

"Unsere Strategie ist ein gesunder Mix aus beidem – große Kunden als auch kleine und mittelständische", sagt Heiertz. Dabei spiele die DSV-Strategie in Europa mit ein, dass nicht unbedingt dort, wo der Kunde sitzt, auch das Geschäft abgewickelt werden müsse. "Daher prüfen wir meist schon im Rahmen des Tenderprozesses, welcher Standort für den Auftrag den meisten Sinn macht."
Krefeld, so Klaus Fuchs, biete den Kunden da große Vorteile: Die Nähe zu den Seehäfen im Norden und die Anbindung an Duisburg für die Prozesskette aus Asien, für die Luftfracht den Flughafen Düsseldorf vor der Nase und auf der Straße Distributionsmöglichkeiten europaweit – alle Vorteile in einem Standort vereint.

Drei Fragen an ....Bart Peeters, Geschäftsführer von DSV Solutions Deutschland


 
trans aktuell: "Herr Peeters, welche Ziele verfolgt DSV mit der Konsolidierung der Standorte wie in Krefeld?"

Peeters: "Eine sinnvolle Zusammenlegung kleiner Standorte schafft Synergien, insbesondere wenn die drei DSV Divisionen Solutions, Air & Sea und Road zusammen in einer Niederlassung arbeiten. Für die gemeinsame Kundenentwicklung bringt das große Vorteile, denn wir können übergreifend alle Services aus einer Hand anbieten und das auf kurzem Dienstweg. Unsere Kunden profitieren von dieser unkomplizierten Teamstruktur. DSV in Krefeld ist das beste Beispiel dafür, dass divisionsübergreifende Großstandorte sehr gut funktionieren." 
 
"Auch Mittelständler sind inzwischen attraktive Kunden für Unternehmen der Größe von DSV. Wie kommt’s? Treten Sie da nicht in Konkurrenz zu den mittelständischen Logistikern?"
 
"Im Grunde hat DSV schon immer beide Seiten bedient und sowohl auf mittelständische Kunden als auch auf große Projekte gesetzt. Aufgrund unserer „One DSV“ Strategie gewinnen wir natürlich auch kleinere Kunden dazu. Das Thema Cross-Selling spielt hier eine große Rolle. Wenn sich ein Kunde von DSV Solutions über die Kontraktlogistik hinaus auch für Landtransporte interessiert, können wir ganz unkompliziert vermitteln. Dadurch ergibt sich generell mehr Potenzial."    
 
"Welche Trends sehen Sie als besonders wichtig für die Kontraktlogistik?"
 
"Die Entwicklung geht momentan dahin, dass Kunden auf kürzere Vertragsbedingungen drängen, was es schwieriger macht, in einen eigenen Lagerbetrieb zu investieren. Auf der anderen Seite bietet E-Commerce all denjenigen eine große Chance, die die Logistik all dieser Online-Käufe physisch abwickeln. Der Prozess, der hinter dem Senden eines einzelnen Artikels zu einer Person steckt, ist spezifischer und teurer als die Abwicklung großer Aufträge. Die einwandfreie Kundenbelieferung spielt für Online-Shops eine immer größere strategische Rolle und macht uns zu einem zunehmend wichtigeren Partner. Ein Trend, der sich auf die Kontraktlogistik eher negativ auswirken könnte, ist der 3D-Druck. Langfristig werden hier Bereiche unseres Geschäfts beeinflusst, wie zum Beispiel die Abwicklung von Ersatzteilen. Allerdings erwarten wir von dieser Technologie auch definitiv neue Möglichkeiten in Bezug auf die Rohstofflogistik."
 
 

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Ilona Jüngst

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Datum

6. Juni 2016
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