Die Bundesregierung reagiert auf steigende Energiekosten – doch in der Logistikbranche kommt die Entlastung nur bedingt an. Die geplante Senkung der Energiesteuer auf Diesel um 17 Cent wird zwar grundsätzlich begrüßt, stößt aber gleichzeitig auf deutliche Kritik: Zu kurz, zu unsicher, zu wenig Wirkung.
17 Cent weniger – aber nur für kurze Zeit
„Die Regierungskoalition hat den Ernst der Lage endlich erkannt“, sagt Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik. Die Senkung der Energiesteuer sei ein „richtiges Signal“, um die Wirtschaft kurzfristig zu entlasten. Doch genau hier liegt das Problem: Die Maßnahme ist zeitlich befristet. Für viele Speditionen bringt das kaum Planungssicherheit – im Gegenteil. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass mit dem Auslaufen der Regelung die nächste Preisrunde droht. Der Bundeskanzler habe selbst darauf hingewiesen, dass nach der temporären Entlastung wieder höhere Preise folgen könnten. Für die Branche bedeutet das: kurzfristige Entlastung, langfristige Unsicherheit.
Speditionen fordern dauerhafte Lösung
Aus Sicht des DSLV reicht das nicht aus. Die Branche brauche stabile Rahmenbedingungen, keine kurzfristigen Eingriffe mit anschließendem Rückpralleffekt. „Die Speditionshäuser brauchen Planungssicherheit“, betont Huster. Der Gesetzgeber müsse dazu beitragen, Preisschwankungen zu glätten, statt neue Ausschläge zu erzeugen. Konkret fordert der Verband eine dauerhafte Senkung der Energiesteuer auf das europarechtlich zulässige Mindestniveau. Nur so ließen sich Kosten kalkulierbar halten und Wettbewerbsnachteile vermeiden.
Diesel bleibt Risiko – Alternativen im Fokus
Parallel rückt ein strukturelles Problem stärker in den Fokus: die Abhängigkeit vom Diesel. Der DSLV sieht hier politischen Handlungsbedarf. Ein klarer regulatorischer Rahmen müsse alternative Antriebe stärker fördern und die Transformation beschleunigen. Positiv bewertet der Verband, dass sich die Bundesregierung auf EU-Ebene dafür einsetzen will, Fahrzeuge mit erneuerbaren Kraftstoffen, etwa Biokraftstoffe, als Nullemissionsfahrzeuge anzurechnen. Doch auch hier bleibt aus Sicht der Branche eine zentrale Baustelle: die Energiepolitik insgesamt.
Stromsteuer als nächster Kostentreiber
Mit Blick auf die Elektrifizierung der Flotten warnt der DSLV vor einem neuen Problem: steigenden Stromkosten. Wenn der Umstieg auf alternative Antriebe gelingen soll, müsse auch hier nachjustiert werden. Eine Absenkung der Stromsteuer wäre aus Sicht der Branche ein wichtiger Hebel, um die Transformation wirtschaftlich tragfähig zu machen.
Zwischen Entlastung und Unsicherheit
Unterm Strich bleibt ein ambivalentes Bild: Die Politik sendet ein Signal, doch für viele Unternehmen reicht das nicht aus. Die kurzfristige Steuersenkung verschafft zwar Luft, löst aber nicht die grundlegenden Probleme. Stattdessen droht sie, neue Unsicherheiten zu schaffen. Oder anders gesagt: Die Logistik bekommt eine Atempause – aber keine echte Perspektive.







