CO 2 -Bepreisung im Blick

Steuersenkung für Diesel
Rettet das die Branche?

Die Branchenverbände begrüßen die Energiesteuersenkung, halten sie aber für zu kurz gefasst, um die Unternehmen zu entlasten. Besonders die Umzugsspeditionen sind von den hohen Dieselpreisen hart getroffen. Der Fokus der Verbände liegt auf dem Ende der CO2-Doppelbelastung.

Rettet das die Branche?

Dieselpreis-Hoch bringt Spedition in Nöte

Das anhaltende Hoch beim Dieselpreis als Folge des Nahostkonfliktes bringt die Branchenunternehmen in die Bredouille. Die befristete Steuersenkung der Regierungskoalition wird daran langfristig nichts ändern, so der Tenor der Branchenverbände. Das zeigt die Möbellogistik.

Offener Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz

In einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz hatten die Verbände nach Ostern Maßnahmen gefordert, um die Bedrohung für die Unternehmen der Verkehrsbranche abzuwenden: Die Absenkung der Energie- und Stromsteuern auf das europäische Mindestmaß und die Umsetzung bereits vereinbarter Maßnahmen wie der Abschaffung der CO2-Doppelbesteuerung. Außerdem eine temporäre Preisdeckelung "wie bei unseren europäischen Nachbarn" oder alternativ Direktrückzahlungen über das Bundesministerium für Finanzen (BMF) an die betroffenen Unternehmen. Und nicht zuletzt die Absenkung der Stromsteuer, um die Antriebswende zu beschleunigen. Die Unterzeichner: der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), Bundesverband Paket- und Expresslogistik (BPEX), der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik und der Bundesverband Taxi und Mietwagen.

17 Cent weniger pro Liter

SPD und CDU/CSU haben zwischenzeitlich reagiert und unter der Überschrift "Energiesofortprogramm" einen Entwurf für ein 2. Energiesteuersenkungsgesetz geliefert. Im Rahmen dessen sollen die Energiesteuern auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent je Liter gesenkt werden. Einschließlich des darauf entfallenden Anteils an der Umsatzsteuer ergibt sich daraus eine Senkung von rund 17 Cent pro Liter. Allerdings begrenzt auf zwei Monate, von 1. Mai bis 30. Juni. 1,6 Milliarden Euro lässt sich die Bundesregierung diese Maßnahme kosten, die mit der Erwartung verbunden ist, dass die Mineralölbranche die Entlastung an die Kunden weitergibt. Die Steuerausfälle sollen durch abgesicherte Maßnahmen gegenüber den Mineralölwirtschaftsunternehmen gegenfinanziert werden. Dieser Schritt werde "sehr schnell die Lage für die Autofahrer und für die Betriebe im Land verbessern und vor allem für diejenigen, die aus beruflichen Gründen sehr viel mit dem Auto unterwegs sind", so Bundeskanzler Friedrich Merz.

Wichtiges Signal der Politik, aber zu kurz gedacht

Entspricht der Entwurf den Wünschen der Branche? "Die angekündigte Senkung der Kraftstoffsteuer ist ein wichtiges Signal und zeigt, dass der Druck aus der Transport- und Logistikbranche bei der Bundesregierung angekommen ist", begrüßte der Vorsitzende des Bundesverbandes Paket- und Expresslogistik (BPEX), Marten Bosselmann, die Nachricht in einer ersten Reaktion. Auch Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV), lobte die geplante Senkung der Energiesteuer umgehend. "Angesichts ihrer Befristung wird der Speditionsmarkt hiervon allerdings zu wenig profitieren", schränkte der Verbandsvertreter aber ein.

Tramsportverbände verlangen tragfähiges Gesamtkonzept

In einer gemeinsamen Antwort bekräftigen die Verbände daher, dass es jetzt entscheidend sei, die eingeleiteten Maßnahmen in ein langfristig tragfähiges Gesamtkonzept zu überführen und die weiteren Entlastungsvorschläge der Branche umzusetzen. Es brauche verlässlichere Rahmenbedingungen, insbesondere im Energie- und Kraftstoffbereich, "Die Verkehrs- und Logistikunternehmen benötigen klare politische Signale, die über kurzfristige Eingriffe hinausgehen", so die gemeinsame Antwort.

Forderung nach dauerhafter Steuer- und Abgabensenkung

Neben Maßnahmen zur Reduzierung der extremen Volatilität der Energiepreise wird eine dauerhafte Absenkung der Steuern und Abgaben und die zügige Umsetzung bereits angekündigter Reformen – etwa der CO2-Bepreisung – gefordert. Zudem eine engere Abstimmung zwischen den zuständigen Ressorts des Bundes, um widersprüchliche Regelungen in Zukunft zu vermeiden.

Umzugsspedition und Möbellogistik besonders betroffen

Welche Auswirkungen die Rekord-Dieselpreise haben, zeigt ein Blick auf die Branche der Umzugsunternehmen und Möbellogistiker. Wie Unternehmerin Susanne von Verschuer sowie Andreas Eichinger, Vorstand des Bundesverbands Möbelspedition und Logistik (AMÖ), berichten, sind vor allem diejenigen Unternehmen betroffen, die Fernverkehre durchführen und Rahmenverträge haben: Neumöbellogistiker, die im Streckengeschäft aktiv sind und Möbel von der Möbelindustrie zum Möbelhandel bringen, oder Umzugs- und Speziallogistiker, die auf Fernverkehrsrelationen aktiv sind.

Keine Dieselfloater in Rahmenverträgen

"Das betrifft zum Beispiel Umzugsspediteure, die für Bundeswehr und Auswärtiges Amt Umzüge durchführen. Die Rahmenvereinbarungen in diesem Segment beinhalten keine Dieselfloater" sagt Eichinger auf Anfrage von trans aktuell. "Nicht erst jetzt fordern wir die Aufnahme von Dieselfloatern in Rahmenvereinbarungen. Die extreme Volatilität mancher Kostenbestandteile macht Preise unkalkulierbar und führt damit zu wirtschaftlichen Risiken für unsere Mitgliedsunternehmen."

Hoher bürokratischer Aufwand für Unternehmen

Susanne von Verschuer findet die von der Koalition geplante Steuersenkung zu zögerlich. Sechs Wochen habe die Politik für diese Maßnahmen gebraucht – während die Branchenunternehmen immer schnell reagieren müssten. "Für eine Steuersenkung in dieser geringen Höhe und für nur zwei Monate ist der bürokratische Aufwand in den Unternehmen viel zu hoch".

Kostensprünge in der Umzuglogistik

Laut Susanne von Verschuer, Geschäftsführerin des Unternehmens Frankfurter Aero Express und des Frankfurter Umzugsdienstleisters Fermont, sind Dieselfloater in der Branche nicht einheitlich vorhanden. „Das handhaben die Unternehmen ganz unterschiedlich“, sagt sie auf Anfrage von trans aktuell. Nicht mit allen Kunden lasse sich so etwas vereinbaren: „Viele Kollegen mit großen Rahmenverträgen haben das aktuell versucht, einige Kunden winken leider gleich ab“. Da viele Umzugsunternehmen keine Betriebstankstelle haben, werde über Tankkarte abgerechnet.

Preise für Seecontainer verteuert

Das Familienunternehmen Fermont hat nicht nur den Aufschlag an den Tankstellen im Blick, sondern musste aktuell seine Kalkulation auch für das internationale Geschäft ändern. Jetzt werden die Zuschläge der Reeder tagesaktuell hinzugefügt. Denn allein im März hat sich etwa der Transport eines 40-Fuß-Umzugcontainers nach New York um 400 Euro verteuert.

Ein Container mit Ziel Australien sei wegen der Sperrung der Straße von Hormus aus dem Deutschen Hafen wieder zurückgekommen. „Das führt leider auch zur Belastung der Kunden, die so schon bei einem Umzug nicht unerheblich ist. Für einen im Januar vereinbarten internationalen Umzug müssen diese jetzt im April deutlich mehr zahlen.“