28 Drohnensichtungen in nur sechs Monaten, sieben Unterbrechungen des Flugverkehrs: Der BER war im ersten Halbjahr 2026 stärker von gemeldeten Drohnen betroffen als jeder andere deutsche Flughafen. Nun nimmt die Deutsche Flugsicherung ein neues Detektionssystem in Betrieb. Es soll Drohnen im An- und Abflugbereich frühzeitig erkennen – unschädlich machen kann es sie allerdings nicht.
Drohnen werden an Flughäfen zunehmend zum Problem
Drohnen werden für den Luftverkehr zunehmend zum Problem. Besonders deutlich zeigt sich das am Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Allein im ersten Halbjahr 2026 registrierte die Deutsche Flugsicherung (DFS) dort 28 Drohnensichtungen. Damit lag der Hauptstadtflughafen bundesweit an der Spitze, knapp vor Frankfurt mit 27 Fällen. Siebenmal musste der Flugverkehr am BER wegen einer Drohnensichtung vorübergehend unterbrochen werden. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 waren am BER und in dessen Großraum lediglich acht Drohnensichtungen registriert worden. Nun soll zusätzliche Technik helfen, solche Flugobjekte früher zu erkennen.
DFS nimmt neue Drohnendetektion am BER in Betrieb
Die Deutsche Flugsicherung hat am BER ein neues System zur Drohnendetektion in Betrieb genommen. Es überwacht den für die Flugsicherung besonders relevanten An- und Abflugbereich. Wird dort eine Drohne erkannt, kann die DFS die zuständigen Stellen über eine mögliche Gefährdung des Luftverkehrs informieren. Dadurch sollen schneller belastbare Informationen zur Verfügung stehen und die Lage zügiger bewertet werden können. Das System ist damit vor allem ein zusätzliches Frühwarninstrument. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger sieht die Technik als wichtigen Baustein für die Sicherheit des Luftverkehrs. Insbesondere an großen internationalen Flughäfen müssten Drohnen möglichst früh erkannt werden, damit Flugsicherung und Sicherheitsbehörden schnell reagieren könnten.
Erst vor wenigen Tagen stand der BER wieder still
Wie schnell eine einzelne Sichtung den Flughafenbetrieb beeinträchtigen kann, zeigte sich erst am 23. September 2026. Gegen 20 Uhr wurde am BER eine Drohne gemeldet. Zunächst wurde die Nordpiste gesperrt, später kamen auch auf der Südpiste Starts und Landungen zum Erliegen. Rund 45 Minuten lang war der Flugbetrieb vollständig eingestellt. Mindestens zwei Maschinen wurden nach Angaben des rbb (Rundfunk Berlin-Brandenburg) umgeleitet.
Tatsächliche Gefährdungsabsicht unklar
Welche Drohne dort tatsächlich unterwegs war und wer sie gesteuert hatte, blieb zunächst unklar. Die Polizei konnte das Fluggerät nach eigenen Angaben nicht auffinden. Genau hier liegt eine Schwierigkeit bei solchen Vorfällen: Eine Sichtung allein sagt noch nichts über Betreiber, Motivation oder tatsächliche Gefährdungsabsicht aus. Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach warnt deshalb davor, aus der Zahl registrierter Drohnenereignisse unmittelbar Rückschlüsse auf eine konkrete Bedrohungslage zu ziehen.
Detektion bedeutet noch keine Drohnenabwehr
Das neue System löst allerdings nur einen Teil des Problems. Die DFS übernimmt die technische Detektion im An- und Abflugbereich und stellt die gewonnenen Informationen für die weitere Lagebewertung bereit. Über mögliche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr entscheiden dagegen die jeweils zuständigen Sicherheitsbehörden. Das Detektionssystem selbst holt also keine Drohne vom Himmel und übernimmt auch nicht deren Neutralisierung. Das Bundesverkehrsministerium stimmt dafür gemeinsam mit der DFS technische Schnittstellen sowie Melde- und Informationswege mit dem Bundesinnenministerium und den Sicherheitsbehörden ab. Ziel ist vor allem, die Zeit zwischen Erkennung, Bewertung und möglicher Reaktion zu verkürzen.
BER ist kein Einzelfall
Das Problem beschränkt sich nicht auf Berlin. An den 15 internationalen deutschen Verkehrsflughäfen wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 166 Drohnenereignisse gemeldet. Im Vergleichszeitraum 2025 waren es 101. Die meisten Meldungen betrafen den Großraum der jeweiligen Flughäfen. Allerdings bedeutet eine steigende Zahl registrierter Ereignisse nicht zwangsläufig, dass entsprechend mehr Drohnen unterwegs sind. Auch verbesserte Detektion kann dazu führen, dass mehr Flugobjekte entdeckt werden.
Weiterer Baustein der Überwachung
Gerade für den BER wurde bereits vor der aktuellen Ankündigung über zusätzliche Detektionstechnik berichtet. Die DFS hatte im August darauf hingewiesen, dass ein von der Bundespolizei eingesetztes System Drohnen besser und schneller erkennen könne. Die jetzt vom Bundesverkehrsministerium angekündigte DFS-Detektion ist deshalb als weiterer Baustein der Überwachung des Flughafenbereichs einzuordnen. Weitere deutsche Flughäfen sollen folgen
Beim BER soll es nicht bleiben.
Das Bundesverkehrsministerium will die Drohnendetektion im Laufe des Jahres 2026 schrittweise an weiteren internationalen deutschen Verkehrsflughäfen ausbauen. Welche Airports wann folgen und wie viele Systeme insgesamt vorgesehen sind, nennt das Ministerium bisher allerdings nicht. Damit entsteht schrittweise eine zusätzliche technische Sicherheitsebene rund um die großen deutschen Flughäfen. Die Herausforderung bleibt jedoch dieselbe: Eine Drohne möglichst früh zu entdecken ist der erste Schritt. Entscheidend ist anschließend, schnell zu klären, ob tatsächlich Gefahr besteht – und gegebenenfalls rechtzeitig zu reagieren.
In Kürze: die Key Facts
- Standort: Flughafen Berlin Brandenburg (BER)
- Neues System: technische Drohnendetektion der Deutschen Flugsicherung (DFS)
- Inbetriebnahme: Ende September 2026
- Überwachter Bereich: An- und Abflugbereich des BER
- Aufgabe: Drohnen frühzeitig erkennen und Informationen für die Lagebewertung bereitstellen
- Drohnensichtungen am BER: 28 im ersten Halbjahr 2026
- Betriebsunterbrechungen: sieben im ersten Halbjahr 2026
- Deutschlandweiter Vergleich: BER hatte im ersten Halbjahr die meisten gemeldeten Drohnensichtungen an einem deutschen Flughafen
- Frankfurt: 27 Sichtungen im selben Zeitraum
- Deutsche Verkehrsflughäfen: 166 gemeldete Drohnenereignisse im ersten Halbjahr 2026
- Vergleich 2025: 101 Ereignisse im ersten Halbjahr
- Jüngster BER-Vorfall: Drohnensichtung am 23. September 2026
- Folge: kompletter Flugstopp für rund 45 Minuten
- Wichtig: Das DFS-System dient der Detektion, nicht der aktiven Drohnenabwehr
- Gefahrenabwehr: bleibt Aufgabe der zuständigen Sicherheitsbehörden
- Koordination: BMV und DFS stimmen Schnittstellen und Meldewege mit Bundesinnenministerium und Sicherheitsbehörden ab
- Weitere Flughäfen: zusätzliche internationale deutsche Verkehrsflughäfen sollen 2026 mit entsprechender Detektionstechnik ausgestattet werden





