Rohstoffe, Halbfertigprodukte und Fertigprodukte gelangen auf den vielfältigen Transportwegen nach Europa und nach Deutschland. Aber auch für den Transport illegaler Drogen nutzen kriminelle Netzwerke die kommerziellen Transportwege – auch in Post- und Paketsendungen.
Kriminelle Netzwerke nutzen die kommerziellen Transportwege nach Deutschland
Besonders im Fokus stehen aber die Seehäfen: Laut dem europäischen Drogenbericht 2025 wird ein erheblicher Teil der in der EU sichergestellten Gesamtmenge von Drogen von den Zoll- und Strafverfolgungsbehörden in Seehäfen entdeckt. Die Unterwanderung von Lieferketten und die Instrumentalisierung von Mitarbeitern in Schlüsselpositionen – sowohl im Hafen als auch in Speditionen und bei Logistikdienstleistern – durch Einschüchterung und Korruption sind demnach in Europa mittlerweile gut dokumentiert. Die organisierte Kriminalität diversifiziere aber ihre Schmuggelrouten und Verschleierungsmethoden, nachdem die Polizei ihre Fahndungsanstrengungen in den großen europäischen Häfen intensiviert hat. „Sie weichen auf kleinere Häfen aus und entwickeln ausgefeiltere Verstecke“, so der Bericht.
Schmuggelrouten im Wandel: Ausweichmanöver nach Spanien und Frankreich
Auch das Bundeskriminalamt (BKA) konstatiert in seinem Lagebild 2024, dass kriminelle Gruppierungen legale Warenströme und komplexe Schmuggelmethoden nutzen, um etwa Kokain nach Europa zu bringen. Dabei bestätigt das BKA die erwähnten Routenänderungen: Demzufolge wechseln die Haupteinfuhrhäfen zunehmend von Belgien und den Niederlanden nach Spanien und Frankreich. Besonders häufig wird die Ware über Containerschiffe aus Brasilien und Ecuador eingeführt, wobei unterschiedliche Versteckmethoden zum Einsatz kommen.Rip-on/Rip-off, Drop-on/Drop-off oder die Nutzung sogenannter Seekästen sind demnach die gängigen Modi Operandi: Beim Rip-on/Rip-off ist das Kokain eine Beiladung eines Containers, der legale Waren transportiert. Hier werden meist mit Rauschgift gefüllte Taschen hinter der Tür des Containers versteckt, wo sie von der Transportfirma nicht bemerkt werden und schnell von den Tätern wieder abgegriffen werden können. Beim Drop-off werden hingegen wasserdichte Behälter, oft mit Peilsendern versehen, über Bord geworfen, während beim Seekasten ein Hohlraum im Rumpf als Versteck genutzt wird.
Versteckt in der Kühlung: die logistisch aufwändigen Methoden der Kartelle
Eine Sprecherin der Generalzolldirektion in Bonn ergänzt auf Anfrage von trans aktuell, dass zu den vielfältigen Schmuggelmethoden für Kokain neben den klassischen Verstecken in Legal-Ladungen wie in Bananen Kartons auch logistisch aufwändigere Methoden wie das Verbergen von Kokain in Containerstrukturen gehören, etwa doppelten Böden oder im Kühlaggregat. Zudem werden verschiedene Verfahren zur chemischen Veränderung des Kokains angewandt. Während der Handel mit größeren Drogenlieferungen vor allem also auf dem Seeweg erfolgt, gib es auch eine Reihe anderer Methoden auf dem Land- und Luftweg, etwa über private, aber auch kommerzielle Beförderungsmethoden wie Briefe und Pakete. Die Sicherstellungen erfolgen dann über den Post-, Kurier- und (Luft-)-Frachtverkehr sowie im Straßenverkehr etwa in Kraftfahrzeugen mit professionell nachgerüsteten Schmuggelverstecken wie doppelten Böden oder Hohlräumen.
Cannabis neben Zitrusfrüchten aus Spanien
Beim Lkw werden die Drogen oft hinter Reihen mit Legalware versteckt. So wurden in letzter Zeit signifikante Funde verzeichnet, so die Aussagen des Zolls. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: Bei einem Anfang 2025 auf der Autobahn A3 in Höhe Idstein verunglückten Lkw aus Spanien entdeckten die Polizeibeamten neben der eigentlichen Fracht – Zitrusfrüchten aus Spanien – auch verbotenes Cannabiskraut. Die illegale Beiladung war in Sporttaschen verstaut und unter den 26 Tonnen Mandarinen versteckt. Insgesamt 51 Kilogramm Marihuana stellten die Behörden sicher. „In den meisten Fällen ist Deutschland jedoch nur ein Durchfuhrland und das Rauschgift für Empfänger außerhalb Deutschlands bestimmt“, so die Sprecherin aus Bonn.
Mobile Zollkontrollen auf dem Landweg
Für Kontrollen auf dem Landweg setzt der Zoll vor allem mobile Kontrolleinheiten ein. Sie spielen eine zentrale Rolle in der operativen Bekämpfung des Drogen- und Waffenschmuggels sowie der Einfuhr von verbotenen oder nicht angemeldeten Waren, sowohl im gewerblichen Güterverkehr als auch bei Privatpersonen. Vor allem bei ersterem kommen auch mobile Röntgenanlagen zum Einsatz. Mit einer solchen Anlage kann ein kompletter Sattelzug samt Fahrerkabine in wenigen Minuten durchleuchtet werden, ohne dass etwa der Trailer geöffnet werden muss. Die KI-gestützte Röntgenbilderkennung gilt daher in der gesamten EU als wichtiges strategisches Ziel zur Erhöhung der Kontrolleffizienz beziehungsweise zur Bekämpfung illegaler Aktivitäten im grenzüberschreitenden Warenverkehr.Die EU will auch mit einem neuen Aktionsplan die Bekämpfung des Drogenhandels vorantreiben.
Viermal mehr Marihuana sichergestellt
Der Plan sieht insgesamt 19 operative Schlüsselmaßnahmen in sechs prioritären Bereichen vor. Darunter auch eine stärkere Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor, um insbesondere die Aufdeckung von Drogen zu verbessern, die über Post- und Paketdienste in die EU geschmuggelt werden. Ein Trend, der den Behörden zufolge weiter stark zunimmt. Im Rahmen einer Kleinen Anfrage im Bundestag konstatiert die Bundesregierung, dass beispielsweise die Einfuhr von Cannabis in Post- und Paketsendungen inzwischen ein bekanntes Phänomen sei, das durch den Zoll an den entsprechenden Logistikzentren und Umschlagstellen bekämpft werde. Die statistisch erfassten Sicherstellungszahlen für Cannabis, vorwiegend Marihuana, sind demnach im Jahr 2025 um das Vierfache und damit im Vergleich zu den Vorjahren erheblich angestiegen: 2025 wurden 54.277 Kilogramm entdeckt, noch 2022 lediglich 8.372 Kilogramm. Auch die illegalen Stoffe suchen sich also ihren Weg über die globalen Lieferketten.





