Waberer’s steigert im ersten Halbjahr 2026 seinen Konzernumsatz um 9,4 Prozent auf 435 Millionen Euro. Hinter dem Wachstum verbirgt sich allerdings ein deutlich schwächeres Logistikergebnis. Vor allem hohe Kraftstoffkosten, fehlende Lagerprojekte und ein schwaches erstes Quartal drücken auf die Profitabilität.
Operative Entwicklung bei Waberer’s fällt weniger positiv aus
Waberer’s Group ist im ersten Halbjahr 2026 beim Umsatz kräftig gewachsen. Der Konzern steigerte seine Erlöse um 9,4 Prozent auf 435 Millionen Euro. Im zweiten Quartal lag der Umsatz sogar 11,8 Prozent über dem Vorjahr bei 227 Millionen Euro. Beim operativen Ergebnis sieht die Entwicklung jedoch deutlich weniger positiv aus: Das Konzern-EBIT sank im Halbjahr um 8,4 Prozent auf 26,6 Millionen Euro. Noch stärker fällt der Rückgang im eigentlichen Logistikgeschäft aus. Dort sank das EBIT im ersten Halbjahr von 8,5 auf 5,9 Millionen Euro – ein Minus von 29,7 Prozent. Im zweiten Quartal lag das Logistik-EBIT mit 4,4 Millionen Euro sogar 37,9 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Internationale Transporte im Halbjahr noch in den roten Zahlen
Ein genauer Blick in den Finanzbericht zeigt, wo die Probleme liegen. Die internationalen Transporte belasteten das Ergebnis insbesondere zu Jahresbeginn. Für das erste Halbjahr weist Waberer’s in diesem Bereich ein EBIT von minus 1,4 Millionen Euro aus. Die Contract Logistics steuerte dagegen 7,3 Millionen Euro bei. Hauptursache waren laut Unternehmen die zeitweise außergewöhnlich hohen Kraftstoffpreise. Sie konnten im ersten Quartal noch nicht vollständig über vertragliche Zuschläge weitergegeben werden. Im Verlauf des zweiten Quartals griffen die automatischen Kraftstoffklauseln stärker, gleichzeitig konnten bei wichtigen Kunden höhere Frachtraten durchgesetzt werden. Bis zum letzten Monat des Halbjahres sei der Transport mit eigener Flotte dadurch wieder profitabel geworden. Auch höhere Fahrerkosten belasteten. Die direkten Kosten im Logistiksegment stiegen im zweiten Quartal um 11,2 Prozent und im ersten Halbjahr um 5,7 Prozent.
Umsatzplus ist nicht gleich Gewinnplus
Der Umsatz im Logistiksegment entwickelte sich dagegen deutlich besser. Er stieg im ersten Halbjahr um 6,8 Prozent auf 341,6 Millionen Euro. Rund zwei Drittel dieses Wachstums kamen aus dem internationalen Transport, etwa ein Drittel aus der Kontraktlogistik. Das Plus ist allerdings teilweise preisgetrieben. Waberer’s nennt sowohl höhere Frachtraten als auch automatische Zuschläge zur Kompensation gestiegener Kraftstoffpreise als wichtige Ursachen. Damit spiegelt das Umsatzwachstum nicht vollständig ein höheres Transportvolumen oder eine entsprechend stärkere operative Entwicklung wider. Hinzu kommen Konsolidierungseffekte: Die serbische Tochter MDI war im Vorjahreszeitraum erst ab dem zweiten Quartal vollständig einbezogen, außerdem fließen seit der Übernahme des Personenverkehrsgeschäfts im Mai 2025 zusätzliche Umsätze in das Segment ein.
Fehlende Logistikimmobilien drücken ebenfalls aufs EBIT
Eine zweite Belastung kommt aus dem Immobiliengeschäft innerhalb des Logistiksegments. Waberer’s hat 2026 bislang keine neuen Lagerentwicklungen für externe Kunden gestartet. Im Investorenbericht führt das Unternehmen das ausdrücklich auf den schwachen ungarischen Bausektor beziehungsweise einen breiteren Investitionsstopp zurück. Dadurch entfielen Ergebnisbeiträge, die im Vorjahr noch vorhanden waren. Der Bericht bezeichnet dies als Hauptgrund für den Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ganz zum Stillstand gekommen ist die Expansion allerdings nicht. In Ungarn laufen nach Angaben von Waberer’s fortgeschrittene Gespräche an drei Standorten über neue integrierte Logistikprojekte mit Lagerneubauten. In Serbien wurde zudem ein Mietvertrag für ein neues Lager mit 10.000 Quadratmetern abgeschlossen.
Nettogewinn steigt – aber vor allem wegen Währungseffekten
Auf den ersten Blick besonders positiv wirkt der Nettogewinn. Er stieg im ersten Halbjahr um 24 Prozent auf 25,9 Millionen Euro, im zweiten Quartal sogar um 36,2 Prozent auf 18,2 Millionen Euro. Dieser Wert verdient allerdings eine Einordnung. Ohne nicht realisierte Währungseffekte wäre der Nettogewinn im zweiten Quartal um 43,6 Prozent auf 6,9 Millionen Euro gefallen. Im Halbjahr lag er bereinigt mit 14,2 Millionen Euro 20,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Grund dafür ist vor allem der starke ungarische Forint. Allein im zweiten Quartal entstand aus dessen Aufwertung gegenüber dem Euro ein nicht realisierter positiver Währungseffekt von 11,3 Millionen Euro; im Halbjahr waren es 11,7 Millionen Euro. Der ausgewiesene Nettogewinn zeichnet damit ein deutlich freundlicheres Bild als die operative Entwicklung.
Versicherungsgeschäft stabilisiert Waberer’s
Stützend wirkt dagegen das Versicherungsgeschäft. Das Segment erzielte im Halbjahr ein EBIT von 20,6 Millionen Euro und lag damit praktisch auf Vorjahresniveau. Der Umsatz stieg in Euro gerechnet um 20,4 Prozent auf 93,4 Millionen Euro. Ein erheblicher Teil dieses Wachstums resultiert allerdings ebenfalls aus der Aufwertung des Forint. In Landeswährung betrug das Umsatzplus elf Prozent. Damit zeigt sich, wie stark Waberer’s mittlerweile von seiner Diversifikation profitiert: Das Versicherungsgeschäft federt Schwächen im Logistikbereich ab.
Waberer’s hält Prognose – überprüft aber Wachstumspläne
Für 2026 hält das Management zunächst an seiner Ergebnisprognose fest. Die Kernbereiche Logistik und Versicherung sollen operativ ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres abschneiden. Gleichzeitig wird der Ton beim mittelfristigen Wachstum vorsichtiger. Waberer’s will in der zweiten Jahreshälfte den Zeitplan seiner strategischen Expansionsprojekte überprüfen. Als Gründe nennt Vorstandschef Zsolt Barna unter anderem Verzögerungen bei großen Industrie-Investitionen in der Region, die anhaltend schwache europäische Konjunktur und mögliche Auswirkungen der ungarischen Wirtschaftspolitik.
In Kürze: die Key Facts
- Konzernumsatz H1 2026: 435 Mio. Euro, +9,4 Prozent
- Konzern-EBIT: 26,6 Mio. Euro, -8,4 Prozent
- Logistik-Umsatz: 341,6 Mio. Euro, +6,8 Prozent
- Logistik-EBIT: 5,9 Mio. Euro, -29,7 Prozent
- Internationaler Transport H1: EBIT von -1,4 Mio. Euro
- Nettogewinn: 25,9 Mio. Euro; ohne nicht realisierte FX-Effekte nur 14,2 Mio. Euro
- Ausblick: Prognose bleibt bestehen, strategische Investitionsprojekte werden überprüft







