Die „Trends und Strategien“-Studie der Bundesvereinigung Logistik (BVL) mit dem Titel „Aufbruch im Umbruch: Zukunftsfähig durch digitale, nachhaltige und resiliente Wertschöpfungsketten“ sorgt für Überraschungen. Zwar sind die Top-Trends 2025/2026 wenig überraschend Cybersicherheit (Platz 1), Digitalisierung (Platz 2) und Kostendruck (Platz 3) – Digitalisierung und Kostendruck stehen demnach seit mehr als zehn Jahren an der Spitze. Auch, dass die Themen Automatisierung (Platz 1), Business Analytics (Platz 2) und Künstliche Intelligenz (KI) (Platz 3) weiter zulegen und die Top drei der aufsteigenden Trends sind, leuchtet ein.
Nachhaltigkeit und Personalmangel verlieren an Priorität
Weniger relevant im Vergleich zur letzten Studie 2023 sind dagegen die Themen Personalmangel (Platz 15 anstatt Platz 3), Nachhaltigkeit (Platz 16 anstatt Platz 7) und New Work (Platz 20 anstatt Platz 15). Die Ergebnisse der Studie, die die BVL gemeinsam mit der Hochschule Heilbronn und der Technischen Universität Hamburg-Harburg erstellt hat, spiegeln die Ansichten von 202 Logistik- und Supply Chain-Experten wider.
„Bei dem Thema Nachhaltigkeit konnten Unternehmen bedeutende Fortschritte erzielen“, schreiben die Autoren der BVL-Studie in ihrem Vorwort. Zum Autoren-Team gehören Dr. Birgit von See, Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Kersten und Sandra Heymann vom Institut für Logistik und Unternehmensführung an der TU Hamburg-Harburg sowie Prof. Dr. Martin Schwemmer (Hochschule Heilbronn). Gleichzeitig werde Nachhaltigkeit immer weniger als Wettbewerbschance wahrgenommen. Die Unternehmen würden ihre Nachhaltigkeitsziele zwar konsequenter umsetzen, wirtschaftlich seien sie allerdings noch nicht. Das liege auch an der begrenzten Zahlungsbereitschaft im Markt und komplexen regulatorischen Anforderungen.
Triple Transformation als Leitbild für zukunftsfähige Lieferketten
„Auch in 2025/26 bleibt die Triple Transformation aus Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Resilienz die zentrale Leitlinie zukunftsfähiger Wertschöpfungsketten“, heißt es. Die Prioritäten innerhalb der Triple Transformation hätten sich aber verschoben. Digitalisierung (86,1 Prozent) und Resilienz (80,2 Prozent) liegen klar vor Nachhaltigkeit (61,4 Prozent).
Die Bedeutung der Triple Transformation steige mit der Unternehmensgröße. Große, international vernetzte Unternehmen sind demnach zum Beispiel resilienter. Obwohl Firmen in allen drei Säulen Fortschritte machen, klaffe bei 76,8 Prozent eine Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung. Nur 4,2 Prozent setzen die Triple Transformation voll umfassend um. Die Gründe für die schleppend verlaufende Umsetzung sind demnach Personalmangel und Probleme bei der Finanzierung. Die Autoren ziehen jedoch das Fazit: Die Triple Transformation hat sich als „zentraler strategischer Entwicklungsrahmen fest etabliert“.
Digitalisierung strategisch verankern zahlt sich aus
Die Studie nimmt neben Nachhaltigkeit auch die Treiber Digitalisierung und Resilienz verstärkt in den Blick. Wichtigster Punkt bei der Digitalisierung: sie im Unternehmen strategisch ganzheitlich verankern. Unternehmen, die das tun, würden höhere Umsetzungsstände, geringere Herausforderungen, ausgeprägtere Geschäftsmodelltransformationen und eine insgesamt höhere Anpassungsfähigkeit aufweisen. Der Anteil der Unternehmen, die nicht auf die digitale Transformation setzen, ist daher auf unter 20 Prozent gesunken.
Predictive Analytics wichtigste Technologie – Nutzung noch gering
Die relevanteste Technologie war 2025 Predictive Analytics – also Vorhersagen mithilfe historischer Datenquellen. Allerdings nutzen das bislang wenige Firmen. Generative KI ist dagegen in beiden Punkten – Relevanz und Nutzung – gewachsen. Die Nutzung hat sich seit 2023 mehr als verdreifacht. 98,5 Prozent der befragten Unternehmen jedenfalls nehmen die Digitalisierung ernst und setzen entsprechende Maßnahmen um.
Resilienz wird zur Pflichtdisziplin im Supply Chain Management
Beim Thema Resilienz kommen die Autoren zu dem Schluss, dass sie zur „Pflichtdisziplin“ in Logistik und Supply Chain Management (SCM) geworden ist. Resiliente Lieferketten sind in den letzten zwei Jahren wichtiger geworden. Als größte Risikofaktoren stuft die Studie Cybercrime und geoökonomische Konfrontationen ein. Knapp die Hälfte der Unternehmen haben systematische Resilienz-Strategien verankert. 39 Prozent verfolgen Einzelmaßnahmen. KMU haben seit 2023, was entsprechende Maßnahmen betrifft, deutlich aufgeholt.
Besonders wirksam seien Maßnahmen wie Zusammenarbeit und Transparenz in der Lieferkette sowie Supply Chain Risk Management. „Gleichzeitig bleibt Resilienz schwer monetarisierbar“, so die Studie. Die größten Fortschritte entstehen demnach, wenn systematische Vorbereitung, Absicherung der physischen Lieferkette und Cybersicherheit gemeinsam gedacht werden.
Umsetzung bleibt größte Herausforderung
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass viele Trends relevanter wurden – 17 von 21 analysierten Trends werden 2025 relevanter eingeschätzt als 2023. Diese Themen aber umzusetzen, sei herausfordernd.






