TNDM Trucking: Billig reicht nicht mehr

Girteka-Tochter TNDM Trucking
Warum der Billigpreis nicht mehr reichen soll

Kurswechsel in der Transportlogistik: Die Girteka-Tochter TNDM Trucking erklärt den reinen Preiswettbewerb für überholt. Künftig sollen Zuverlässigkeit, Tempo und Transparenz entscheiden. Wie der BGL reagiert.

Lkw von Girteka
Foto: Girteka/Electromagnetico Team

Die Logistikbranche steht vor einem bemerkenswerten Kurswechsel: Ausgerechnet TNDM Trucking, die frühere Girteka Fleet und weiterhin Teil der Girteka Group, erklärt die Zeit des reinen Preiswettbewerbs für überholt. Statt niedrigster Frachtraten sollen künftig Zuverlässigkeit, Geschwindigkeit, Transparenz und Anpassungsfähigkeit den Ausschlag geben. Das ist eine interessante Botschaft. Denn Girteka gehört zu einem jener großen europäischen Straßentransportakteure, die in der Vergangenheit immer wieder wegen Preis- und Sozialdumping-Vorwürfen in der Kritik standen. Umso genauer lohnt der Blick darauf, was die Aussagen von TNDM-Direktorin Eva Leckaitė-Končanina über den Wandel im europäischen Straßengüterverkehr verraten.

Kunden wollen mehr als billige Transporte

Nach Einschätzung von Leckaitė-Končanina reicht es für Logistikdienstleister nicht mehr aus, nur günstige Kapazität anzubieten. Zwar bleibe der Preis wichtig, sei aber selten allein entscheidend. Kunden erwarteten heute stabile Leistung, verlässliche Abläufe, flexible Reaktionen auf Störungen und eine enge Anpassung an ihre eigenen Prozesse. Damit verschiebt sich der Wettbewerb: Nicht der billigste Anbieter gewinnt automatisch, sondern jener, der Lieferketten zuverlässig am Laufen hält.

So reagiert der BGL auf TNDM Trucking

Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL)zeigt sich von dem Kurswechsel bei der Girteka-Tochter überrascht: „Als BGL begrüßen wir selbstverständlich den Perspektivwechsel osteuropäischer Speditionen, hin zu einem gesteigerten Qualitätsbewusstsein und weg von der Dumpingmentalität vergangener Jahre", erklärt BGL-Vorstandssprecher Prof. Dr. Dirk Engelhardt gegenüber eurotransport.de. Etwas Skepsis bleibt allerdings: „Es bleibt abzuwarten, wie belastbar die Aussage von TNGM Trucking sein wird. Die traurige Realität ist nach wie vor, dass wir keine einheitlichen Wettbewerbsbedingungen in Europa haben und ein hohes Maß an illegaler Kabotage osteuropäischer Speditionen beobachten. Ja Qualitätsdienstleistungen sind zu begrüßen, müssen sich aber flächendeckend etablieren.“

Vom Frachtpreis zur Lieferfähigkeit

Für Verlader ist diese Entwicklung nachvollziehbar. Pandemie, Krieg in der Ukraine, geopolitische Unsicherheiten und schwankende Warenströme haben gezeigt, wie schnell Transportketten unter Druck geraten können. In solchen Phasen wird Zuverlässigkeit wertvoller als der letzte gesparte Euro pro Sendung. Wenn Ware nicht rechtzeitig ankommt, Produktionslinien stehen oder Regale leer bleiben, relativiert sich ein günstiger Frachttarif schnell. Für große Straßentransporteure bedeutet das: Sie müssen mehr liefern als Lkw und Fahrer. Gefragt sind Echtzeitdaten, Risikomanagement, operative Stabilität und schnelle Entscheidungen.

Technologie wird zum Pflichtprogramm

TNDM Trucking sieht Technologie als zentrale Voraussetzung für moderne Transportlogistik. Echtzeitinformationen, integrierte Transportmanagementsysteme, Automatisierung, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz werden aus Sicht des Unternehmens immer wichtiger. Kunden erwarteten heute Sichtbarkeit, Transparenz und laufende Informationen zum Status ihrer Transporte. Was früher ein Zusatznutzen war, ist inzwischen Standard. Für Logistikdienstleister erhöht das den Druck, in digitale Systeme zu investieren. Wer große Flotten ohne verlässliche Daten steuert, verliert Geschwindigkeit und Kontrolle.

Ein Signal an den Markt

Die Aussagen von TNDM Trucking sind auch deshalb interessant, weil sie in einen größeren Branchenkontext passen. Der europäische Straßengüterverkehr steht unter Druck: hohe Kosten, Fahrermangel, strengere Regulierung, volatile Nachfrage und wachsender Anspruch der Kunden. Gleichzeitig wird der Markt kritischer gegenüber Geschäftsmodellen, die vor allem über sehr niedrige Preise funktionieren. Für Unternehmen aus großen osteuropäischen und baltischen Flottenstrukturen wird die Frage wichtiger, wie sie Qualität, Compliance und Verlässlichkeit sichtbar machen.

Menschen bleiben entscheidend

Trotz aller Technologie betont TNDM Trucking die Rolle der Teams. Entscheidungen würden weiterhin von Menschen getroffen. Technologie könne helfen, Daten schneller zu nutzen, Verantwortung bleibe aber bei den Mitarbeitenden. Deshalb werde der Bedarf an Fachkräften wachsen, die Datenanalyse, internationale Transportprozesse und technologiegestützte Logistik miteinander verbinden können.

Fazit: Der eigentliche Wandel im Straßengüterverkehr

Die zentrale Botschaft lautet: Der europäische Transportmarkt bewegt sich weg vom reinen Billigpreis-Versprechen. Ob dieser Wandel bei allen Marktteilnehmern tatsächlich so schnell gelingt, bleibt offen. Klar ist aber: Verlader verlangen mehr Transparenz, mehr Planbarkeit und mehr Stabilität. Für Logistikdienstleister wird Zuverlässigkeit damit zum härtesten Wettbewerbsfaktor.

In Kürze: die Key Facts

  • Unternehmen: TNDM Trucking
  • Frühere Marke: Girteka Fleet
  • Konzernzugehörigkeit: Teil der Girteka Group
  • Person: Eva Leckaitė-Končanina
  • Funktion: Director TNDM Trucking
  • Thema: Wandel im Straßengüterverkehr
  • Kernaussage: Zuverlässigkeit wird wichtiger als der niedrigste Preis
  • Wichtige Faktoren: Geschwindigkeit, Transparenz, Flexibilität, Reputation
  • Technologiefokus: Echtzeitdaten, Automatisierung, Transportmanagementsysteme, KI
  • Branchenkontext: geopolitische Risiken, volatile Warenströme, steigende Kundenerwartungen
  • Relevanz für Verlader: stabile Lieferketten statt reiner Preisoptimierung
  • Einordnung: Girteka stand in Europa wiederholt wegen Dumping-Vorwürfen in der Kritik