Die deutsche Wirtschaft kommt nach Einschätzung des Speditionsverbunds Elvis weiterhin kaum voran. Zwar sei das Jahr 2026 mit einem leichten Wachstum gestartet, mehrere Wirtschaftsinstitute hätten ihre Prognosen für den weiteren Jahresverlauf jedoch gesenkt. Besonders in den Branchen Chemie, Maschinenbau und Automobilindustrie bleibe die Nachfrage schwach. Nikolja Grabowski, Vorstand der Elvis AG, sieht darin ein Zeichen für anhaltende strukturelle Probleme. Solange die Industrie keine nachhaltige Trendwende schaffe, könne auch der Transportmarkt nicht dauerhaft auf einen Wachstumskurs einschwenken.
Nachfrage bleibt überraschend hoch
Trotz der schwachen Konjunktur entwickelte sich der Straßengüterverkehr im ersten Quartal robuster als erwartet. Die Lkw-Maut-Fahrleistung lag im März 2026 nach Angaben von Elvis um 15,4 Prozent über dem Vormonat und um 4,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Auch das Transportbarometer, das das Verhältnis von Frachtangebot und verfügbarem Laderaum am Spotmarkt misst, zeigte nach oben. Im April stieg der Wert gegenüber dem Vormonat um 15,6 Prozent und gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,2 Prozent. Nach Einschätzung von Grabowski vermittelt die hohe Auslastung jedoch ein verzerrtes Bild. Die Nachfrage treffe auf ein immer kleineres Angebot an verfügbarem Frachtraum. Dadurch wirke der Markt stabiler, als er tatsächlich sei.
Erwartungen verschlechtern sich deutlich
Während die aktuelle Geschäftslage vergleichsweise robust erscheint, blicken viele Unternehmen pessimistischer auf die kommenden Monate. Die Geschäftserwartungen im Bereich Güterbeförderung gingen laut Elvis im April gegenüber dem Vormonat um 35,4 Prozent und gegenüber dem Vorjahr um 25,5 Prozent zurück. Auch die Werte für Geschäftsklima und Geschäftslage verschlechterten sich. Die Erwartungen bewegten sich nur noch knapp oberhalb der Tiefstände aus der Zeit der Coronapandemie.
Dieselpreise erhöhen den Druck
Zusätzliche Belastungen entstehen nach Angaben des Speditionsverbunds durch die Entwicklung an den Energiemärkten. Im April lagen die Dieselpreise infolge des Irankrieges um 41,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Neben den höheren Kraftstoffkosten sieht Elvis auch die zunehmende Unsicherheit an den Energiemärkten als Risiko. Die geopolitische Lage im Nahen Osten erhöhe die Preisschwankungen und erschwere die Kalkulation. Viele Unternehmen rechneten deshalb mit weiteren Kostensteigerungen.
Weniger Kapazitäten am Markt
Nach Einschätzung von Elvis setzt sich zudem der Strukturwandel im Straßengüterverkehr fort. Insolvenzen, Unternehmensaufgaben und Übernahmen führten dazu, dass verfügbare Transportkapazitäten aus dem Markt verschwinden. Die derzeit hohe Auslastung sei deshalb nicht Ausdruck eines boomenden Marktes, sondern vor allem Folge eines sinkenden Angebots. Vor diesem Hintergrund rät Elvis Transportunternehmen, die eigene Geschäftstätigkeit kritisch zu überprüfen und den Fokus stärker auf wirtschaftlich tragfähige Kundenbeziehungen sowie auskömmliche Preise zu legen. Entscheidend sei letztlich nicht die Auslastung allein, sondern die Rentabilität des Geschäfts.





