Eine dünne Schmutzschicht kann im Winter ausreichen, um wichtige Assistenzsysteme eines Lkw zu beeinträchtigen. Was auf den ersten Blick harmlos erscheint, kann die Verkehrssicherheit gefährden. Auch verschmutzte Scheinwerfer und Reflektoren erhöhen das Risiko. Zudem können Assistenzsysteme ausfallen. Für Speditionen wird die Fahrzeugpflege damit zur Sicherheitsfrage.
Schmutz beeinträchtigt kamerabasierte Assistenzsysteme
Besonders empfindlich auf Schmutz reagieren kamerabasierte Systeme, erklärt DEKRA-Unfallforscherin Stefanie Ritter gegenüber trans aktuell. Ein Spurhalteassistent muss die Fahrbahnmarkierungen erkennen können. Auch Notbremsassistenten benötigen unter anderem Kamerabilder, um Gefahren am Stauende oder Fußgänger zu erfassen. Schnee und Eis können zudem die Objekterkennung von Radar- und Ultraschallsensoren stören. Werden die Einschränkungen zu groß, deaktivieren sich laut Ritter viele Systeme automatisch. Eine entsprechende Warnung erscheint im Cockpit. Fahrer müssen deshalb beachten, welche Unterstützung ihnen tatsächlich zur Verfügung steht. Besonders kritisch kann eine verschmutzte Mirror-Cam sein: Kamerabasierte Außenspiegel liefern dann ein schlechtes Bild und schränken die Sicht des Fahrers ein.

„Fahrzeugpflege trägt zum Werterhalt des Fuhrparks bei“ Andreas Buchholz, Verkaufsleiter Automotive-Technik, Sonax
Kameras und Sensoren schonend reinigen
Bei der Reinigung dieser Technik ist Vorsicht geboten. DEKRA warnt davor, den Strahl eines Hochdruckreinigers direkt auf Sensoren zu richten. Ritter empfiehlt, das Sichtfeld der Kamera und die Sensorlinsen mit warmem Wasser und bei Bedarf mit einem geeigneten Reiniger zu säubern. Anschließend sollten Fahrer die Flächen trockenreiben. Nach der Reinigung rät die Unfallforscherin, die Zündung einzuschalten und zu prüfen, ob das Cockpit Fehlermeldungen der Assistenzsysteme anzeigt. Auch ungeeignete Chemikalien können Schäden verursachen.
Geeignete Reinigungsmittel für den Fuhrpark wählen
Andreas Buchholz, Verkaufsleiter Automotive-Technik bei Sonax, verweist gegenüber trans aktuell auf die Bedeutung professioneller Reinigungsmittel für den Werterhalt des Fuhrparks. Nach Angaben des Herstellers können aggressive Produkte Lack, Kunststoffe und Dichtungen angreifen. Werden Kunststoffen wichtige Weichmacher entzogen, können Spannungsrisse entstehen. Bei Kameras und Sensoren drohen ebenfalls Schäden, die im Extremfall irreparabel sein können. DEKRA rät bei empfindlichen Oberflächen ab von Scheuermilch, stark konzentrierten Säuren, Laugen, groben Schwämmen und Politur. Kratzer auf Scheiben können laut Ritter die Blendung verstärken und damit das Unfallrisiko erhöhen. Für schwer erreichbare Stellen empfiehlt sie Teleskopschieber oder -besen. Ausziehbare Leitern und Reinigungsgerüste helfen dabei, höher gelegene Bereiche gezielt zu säubern. Die Hilfsmittel sollen zugleich die Beschäftigten und die empfindliche Technik schützen. Speditionen mit eigener Waschanlage müssen Reiniger und Waschtechnik aufeinander abstimmen.

„Die Mirror-Cam liefert dem Fahrer oder der Fahrerin ein schlechtes Bild, wenn sie verschmutzt ist“ Stefanie Ritter, DEKRA-Unfallforscherin
Waschanlage und Reiniger aufeinander abstimmen
Sonax beschreibt dafür einen Nutzfahrzeugreiniger, der sich als Vorreiniger, als Bürstenshampoo in der Waschanlage sowie zur manuellen Reinigung im Niederdruckverfahren verwenden lässt. Das Produkt kann laut Hersteller mit kaltem oder warmem Wasser eingesetzt werden. Für das Konzentrat nennt Sonax je nach Verschmutzung und Anwendung ein Mischungsverhältnis von 1:10 bis 1:50 und eine Einwirkzeit von etwa fünf Minuten. Diese Werte gelten für das betreffende Produkt. Betriebe müssen deshalb die jeweiligen Anwendungshinweise beachten. Bei Waschanlagen mit Wasseraufbereitung spielen weitere Eigenschaften eine Rolle.
Wasseraufbereitung und empfindliche Technik berücksichtigen
Sonax beschreibt seinen Nutzfahrzeugreiniger als wenig schäumend, schnelltrennend und abscheidefreundlich. Damit soll er sich für Anlagen eignen, die das Waschwasser aufbereiten. Welche Reinigungsmittel ein Betrieb einsetzen kann, richtet sich nach der vorhandenen Technik und den Vorgaben der Hersteller. Die großflächige Außenwäsche ist dabei von der schonenden Reinigung empfindlicher Kameras und Sensoren zu unterscheiden. Auch Versiegelungen können die Fahrzeugpflege ergänzen. Sonax beschreibt eine Beschichtung, die nach der Wäsche auf die noch nasse Oberfläche aufgetragen und anschließend mit Wasser abgespült wird. Den Angaben nach hält die Schutzschicht je nach Beanspruchung mehrere Wochen. So soll verhindert werden, dass Schmutz stark anhaftet, sodass er sich bei der nächsten Wäsche leichter entfernen lässt. Für die Scheibenwaschanlage gelten im Winter besondere Anforderungen. Der Reiniger muss Salz, Ruß und Straßenschmutz lösen und Frostschutz bieten.
Scheibenwaschanlage auf den Winter vorbereiten
Sonax bietet dafür Konzentrate und gebrauchsfertige Produkte an. Für längere Touren empfiehlt der Hersteller, einen gebrauchsfertigen Fünf-Liter-Kanister mitzuführen, damit Fahrer bei Bedarf unterwegs nachfüllen können. Wichtig ist auch, dass die Scheibenreiniger unterschiedliche Fahrzeugoberflächen vertragen. Sonax prüft seine Sommer- und Winterprodukte nach eigenen Angaben regelmäßig auf ihre Verträglichkeit mit Lack, Gummi und Kunststoff. Zu den geprüften Oberflächen gehören außerdem Mattlacke, empfindliche Reparaturlacke und Folierungen. Für Fuhrparks mit unterschiedlich lackierten oder beschrifteten Fahrzeugen ist dies ein Kriterium bei der Auswahl der Reinigungsmittel. Neben Scheiben und Sensoren sollten Fahrer auch die Einstiege im Blick behalten. Beim Tanken können Diesel oder Öl an den Schuhsohlen haften bleiben und auf die Trittflächen gelangen. Selbst griffige Oberflächen werden dadurch rutschig, erläutert Sonax. Besonders beim häufigen Ein- und Aussteigen während des Be- und Entladens können solche Rückstände gefährlich werden.
Einstiege regelmäßig von Rückständen befreien
Der Hersteller empfiehlt deshalb, die Einstiege regelmäßig von Schmutz und öligen Rückständen zu befreien. Vor jeder Abfahrt rät DEKRA-Unfallforscherin Ritter zu einem Rundgang um das Fahrzeug. Front- und Seitenscheiben sowie Spiegel müssen frei von Schnee, Eis und Schmutz sein. Gleiches gilt für Scheinwerfer, Rückleuchten und Reflektoren an Zugfahrzeug und Auflieger. Auch die Sichtfelder von Kameras und Sensoren sollten Fahrer kontrollieren. Bei starkem Schneefall oder Regen kann es laut Ritter notwendig sein, diese Bereiche unterwegs erneut zu prüfen. Zur Kontrolle gehören außerdem die Dächer von Lkw sowie Trailer und Anhängern. Dort angesammelte Eisplatten können sich während der Fahrt lösen und andere Verkehrsteilnehmer gefährden. Ritter empfiehlt deshalb, solche Rückstände vor Fahrtbeginn zu entfernen. Auch in Radkästen und zwischen den Reifen können Schnee und Eis festfrieren. Nach Angaben der Unfallforscherin kann das die Lenkeigenschaften beeinträchtigen. Fahrer sollten diese Stellen daher vor dem Start und bei Fahrtpausen prüfen.
Schonend sauber
Kameras und Sensoren benötigen bei der Reinigung besondere Sorgfalt. DEKRA-Unfallforscherin Stefanie Ritter empfiehlt:
- Kameras: Sichtfelder und Sensorlinsen mit warmem Wasser und bei Bedarf einem geeigneten Reiniger säubern. Anschließend trockenreiben.
- Reinigungsmittel: Scheuermilch, stark konzentrierte Säuren und Laugen, grobe Schwämme sowie Politur vermeiden.
- Hilfsmittel: Für schwer erreichbare Stellen Teleskopschieber oder -besen verwenden. Bei höher gelegenen Bereichen können ausziehbare Leitern und Reinigungsgerüste helfen.
- Funktionsprüfung: Nach der Reinigung die Zündung einschalten und auf Fehlermeldungen der Assistenzsysteme achten.





