Die 14 Mercedes-Benz eActros 600 in unterschiedlichen Farben machten Eindruck. Zuerst ein Gruppenfoto, und danach eine Sternfahrt bildeten den Auftakt des Projekts „Electrify Inbound Logistics“ von Daimler Truck. Der Lkw-Hersteller verfolgt mit dem Projekt das Ziel, die Zulieferlogistik der Werke Wörth am Rhein, Gaggenau, Kassel und Mannheim in den kommenden Jahren vollständig zu elektrifizieren. Mit den eActros 300 und 400 konnte Daimler Truck in der Inbound-Logistik bereits Erfahrungen sammeln, seit Juli 2025 ist der eActros 600 mit rund 500 Kilometern Reichweite dran.
14 Logistikdienstleister – daher auch 14 verschiedene eActros 600 – beliefern seither die Mercedes-Benz Lkw-Werke mit Teilen und Komponenten aus Deutschland und Europa, und das emissionsfrei.
Seifert zieht eine positive Bilanz
Mit dabei: die Seifert Logistics Group aus Ulm. „Bisher gab es keine Ausfälle, die Bilanz ist sehr positiv“, sagt Axel Frey, CEO der Seifert Logistics Group gegenüber trans aktuell. Seifert fährt mit einem Actros 600 von Wörth nach Ginsheim-Gustavsburg und zurück, die Strecke beträgt im Rundlauf 250 Kilometer. Der zweite eActros 600 verkehrt zwischen Wörth und Bielefeld, diese Strecke beträgt im Rundlauf 900 Kilometer. Beide Fahrzeuge laden in Wörth und bei den Lieferanten. Sie laden bei Bedarf auch öffentlich, aber Frey findet die öffentlichen Strompreise zu teuer.„Wenn wir es schaffen, die Strompreise stabil unter 35 Cent zu halten, haben wir einen Business Case“, sagt Frey. Das ist ihm wichtig. Elektromobilität sollte nicht einfach durchgesetzt werden, „damit man es macht“. Es müsse ein Geschäftsmodell daraus werden. Er wünscht sich – wie bei „Electrify Inbound Logistics“ von Daimler Truck – viele mutige Spediteure, die beim Umstieg auf Elektromobilität mitmachen.
Mehr als zehn Elektro-Lkw gehören zur Flotte
Den Fahrern gefällt der eActros 600. Anfangs gab es laut Frey teilweise noch Vorbehalte, aber schon nach den ersten Fahrten gefielen die Leistung und die geringe Lautstärke. Seifert hat schon vor dem Projekt mit Daimler Truck auf E-Lkw gesetzt. Mehr als zehn Elektro-Lkw gehören zur eigenen Flotte mit rund 180 Fahrzeugen – neben eActros sind auch Elektro-Lkw von Volvo Trucks sowie Elektro-Wiesel der Firma Burger Hub- und Transportmittel im Einsatz. Bereits 2014 testete Seifert gemeinsam mit einem Hersteller von Flurförderzeugen den Wasserstoffantrieb in Gabelstaplern. „Mit Wasserstoff haben wir uns bislang lose beschäftigt. Wasserstoff-Lkw sind noch extrem teuer und es dauert bis zu einem Business Case ein paar Jahre länger als bei Elektro-Lkw“, sagt Frey. Dafür tanken mehr als zehn Fahrzeuge der Flotte den aus Fett- und Ölresten hergestellten Kraftstoff HVO 100.
E-Lkw-Test in Polen
2026 nimmt Seifert zwei weitere E-Lkw in Betrieb, ein weiterer E-Lkw wird derzeit in Polen getestet. Er verkehrt zwischen Łódź und Bremen, eine Strecke ist rund 1.000 Kilometer lang. Die Ladeinfrastruktur in Polen sieht Frey aber noch längst nicht so weit wie die in Deutschland. Und: Der Strom in Polen kommt größtenteils aus Braunkohlekraftwerken – nicht besonders nachhaltig. Wie der Einsatz von E-Lkw in Polen aussehen wird, sei daher noch offen.

„Wenn wir es schaffen, die Strompreise stabil unter 35 Cent zu halten, haben wir einen Business Case“, sagt Axel Frey, CEO der Seifert Logistics Group.
Frey bezeichnet die Seifert Logistics Group nicht als E-Lkw-Pionier. „Aber wir wollen im vorderen Drittel mit dabei sein und unseren Kunden erklären, wie Elektromobilität funktioniert.“ Dabei meint er nicht die Fahrzeuge an sich, sondern die Infrastruktur und vor allem den Business Case. Dazu zählt, den Strom, den die Fahrzeuge tanken, selbst zu produzieren. Momentan bezieht Seifert den Strom noch extern, an attraktiven Standorten in Autobahnnähe – wie am Hauptsitz in Ulm – ist künftig eine eigene Stromproduktion geplant. „Logistiker haben ein besseres Netz als Tankstellen und die Lkw kommen immer zur Halle“, sagt Frey.
Bis zu 2,5 Millionen Kilometer CO2-frei
Nachhaltigkeit hat bei Seifert oberste Priorität. Darum hat Frey das Ergebnis der aktuellen BVL-Studie „Trends und Strategien in Logistik und Supply Chain Management“ überrascht. Darin zählt das Thema Nachhaltigkeit zu den Top-Absteigern 2025. „Nachhaltigkeit darf nicht abrutschen, sobald es wirtschaftlich schlechter läuft“, so Frey.
Auch bei Seifert war 2025 kein einfaches Jahr, wirtschaftliche Stabilität hat das Familienunternehmen aber erreicht. „Wir jammern nicht. Wir leben einfach in einer wilden Zeit und müssen daher Gas geben und flexibel sein“, sagt Frey. Das bestehende Geschäft sauber und ordentlich abzuwickeln, sei auch weiterhin wichtig. Noch im Januar eröffnet die Seifert Logistics Group einen neuen Standort für einen Kunden in Norddeutschland. Frey geht davon aus, dass die Wirtschaft ab dem dritten Quartal 2026 wieder anzieht. Nachhaltigkeit bleibt bei Seifert bis dahin jedenfalls nicht auf der Strecke. Die Berechnung im Projekt „Electrify Inbound Logistics“ von Daimler Truck zeigt den Erfolg nachhaltigen Handelns. Jährlich sollen bis zu 2,5 Millionen Kilometer CO2-frei gefahren werden.
Das Unternehmen
- Die Seifert Logistics Group wurde 1947 von Franz X. Seifert gegründet. 1976 tritt Harry Seifert ins Unternehmen ein.
- Sitz in Ulm.
- Mehr als 45 Standorte europaweit.
- Geschäftsführung: Axel Frey (CEO), Harry Seifert (Vorsitzender des Beirats), Tobias Kälberer (CFO), Frank Weber (COO).
- Mehr als 3.500 Mitarbeitende europaweit.
- Mehr als ein Million Quadratmeter Lagerfläche.
- Rund 180 Fahrzeuge im Fuhrpark, darunter mehr als zehn Elektro-Lkw.
- Jahresumsatz 2025: rund 350 Millionen Euro.
„Electrify Inbound Logistics“ von Daimler Truck
- 14 Spediteure setzen seit Juli 2025 den Mercedes-Benz eActros 600 in der Zulieferlogistik für die deutschen Mercedes-Benz Lkw-Werke ein.
- So sollen jährlich bis zu 2,5 Millionen Kilometer CO2-frei gefahren werden.
- Auf regionalen Routen der Inbound-Logistik von Mercedes-Benz Trucks fahren bereits eActros 300 und 400 der ersten Modellgeneration.
- Die Logistikpartner, die jeweils eine von 14 Routen für Mercedes-Benz Trucks übernehmen, sind: Alfred Schuon Internationale Spedition & Logistik, Duvenbeck, Edgar Rothermel Internationale Spedition, Ernst Frankenbach Spedition, Fercam S.p.a., Gruber Logistics, HAAF Spedition, H. Ristelhueber's Nachfolger Spedition, Lkw Walter, Paul Schockemöhle Logistics, Petko Angelov BG, Raben Group, Seifert Logistics Group, Spedition Bork, Walter Schmitt.






