Logistikunternehmen lassen sich nach einer Analyse der Transformations- und Restrukturierungsberatung Falkensteg wieder häufiger sanieren. Von 19 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als zehn Millionen Euro, die 2025 Insolvenzantrag stellten, konnten acht gerettet werden. Das entspricht einer Rettungsquote von 42,1 Prozent. Im Jahr 2024 lag sie noch bei 16,7 Prozent, 2023 bei 30,0 Prozent.
Asset Deals dominieren Sanierungen
Der wichtigste Weg zur Rettung bleibt der Asset Deal. Sieben der acht erfolgreichen Sanierungen im Jahr 2025 erfolgten über eine übertragende Sanierung, lediglich ein Unternehmen wurde über einen Insolvenzplan fortgeführt. Nach Angaben von Falkensteg interessieren sich Investoren vor allem für die operative Substanz insolventer Unternehmen. Dazu zählen Fahrer, Disponenten, weiteres Fachpersonal, Fuhrpark, Standorte und Kundenbeziehungen. „Die höhere Rettungsquote ist kein Zeichen für eine entspannte Branchenlage. Sie zeigt vielmehr, dass Investoren gezielt operative Substanz suchen“, sagt Gunter Fittkau, Partner und Logistik-Experte bei Falkensteg. „Wer diese Strukturen über einen Asset Deal übernehmen kann, sichert sich operative Kapazität, die organisch nur schwer aufzubauen wäre.“ Durch den Erwerb insolventer Betriebe könnten Käufer schneller eigene Kapazitäten aufbauen oder regionale Lücken schließen.
Insolvenzen nehmen stark zu
Trotz der höheren Rettungsquote verschärft sich die Lage der Branche. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte Falkensteg im Speditions- und Transportgewerbe 18 Insolvenzanträge. Im Vorjahreszeitraum waren es lediglich sechs. Das entspricht einem Anstieg um 200 Prozent. Damit liegt das erste Halbjahr 2026 über allen Vergleichszeiträumen der vergangenen Jahre. Nach Angaben von Falkensteg verdeutlicht diese Entwicklung den wachsenden wirtschaftlichen Druck auf die Branche.
Branchenkrise hat viele Ursachen
Die steigende Zahl der Insolvenzanträge ist nach Angaben von Falkensteg Ausdruck einer strukturellen Belastungslage. Viele Speditions- und Transportunternehmen kämpfen mit hohen Fixkosten, rückläufiger Auslastung bei wichtigen Kunden, engen Margen, Fahrermangel und Vertragsmodellen, die Kostensteigerungen nur verzögert oder unvollständig weitergeben. „Wer nur auf Dieselpreise schaut, greift zu kurz“, sagt Fittkau. „Die Krise entsteht durch viele gleichzeitige Belastungen: weniger Volumen bei Kunden, hohe Fixkosten, knappes Fahrpersonal, teurere Subunternehmer und Verträge, die nicht schnell genug auf neue Kostenrealitäten reagieren. Diese Effekte kumulieren sich und treffen inzwischen auch größere Marktteilnehmer.“ Auch der Spotmarkt bietet nur begrenzte Entlastung. Zwar können freie Kapazitäten dort kurzfristig eingesetzt werden, doch die erzielbaren Preise sind nicht immer auskömmlich. Zudem priorisieren viele Anbieter ihre Bestandskunden und margenstärkeren Kontraktverkehre.
Qualität der Assets entscheidet
Für den weiteren Jahresverlauf 2026 erwartet Gunter Fittkau ein anhaltend hohes Insolvenzgeschehen im Speditions- und Transportgewerbe. Die Zahl der Verfahren dürfte hoch bleiben. Gleichzeitig hängen die Chancen auf eine Sanierung maßgeblich davon ab, wie attraktiv Fahrzeuge, Standorte, Mitarbeiter und Kundenbeziehungen für Investoren sind. Nach Einschätzung von Gunter Fittkau wird sich der Markt weiter konsolidieren. Ein möglicher Entlastungsfaktor liege in auskömmlicheren Frachtraten und realistischeren Vertragsverhandlungen. Wenn Auftraggeber erkennen, dass Transportkapazitäten nicht beliebig verfügbar sind, könnten höhere Preise und flexiblere Kostenklauseln durchsetzbarer werden. Dieser Effekt werde jedoch zeitverzögert eintreten, da viele Verträge nur einmal jährlich neu verhandelt werden.





