Rhenus: 26 % mehr Seefracht aus China

Seefracht und Luftfracht im Aufwind
Rhenus wächst auf der Route China–Europa

Während der Luftfrachtmarkt schwächelt und Handelskonflikte die Planung erschweren, meldet Rhenus kräftiges Wachstum zwischen China und Europa. Vor allem die Seefracht legt zu. Was steckt dahinter?

Container-Umschlag am Rhenus-Terminal
Foto: Rhenus Gruppe

Schwache Luftfrachtnachfrage, wechselnde Kapazitäten und handelspolitische Unsicherheiten: Die Logistik zwischen China und Europa bleibt anspruchsvoll. Rhenus wächst auf dieser wichtigen Handelsroute dennoch deutlich. Besonders die Seefracht legt zu. In der Luft setzt der Logistiker zunehmend auf Hightech-Güter.

Handels- und Zollpolitik erschweren die Planung

China und Europa bleiben für internationale Logistikdienstleister ein entscheidender Markt. Doch die Bedingungen sind alles andere als einfach. Schwankende Transportkapazitäten, veränderte Warenströme und Unsicherheiten in der Handels- und Zollpolitik erschweren die Planung. Rhenus Worldwide Logistics kann auf dieser Route trotzdem kräftige Zuwächse melden. Im bisherigen Jahresverlauf 2026 steigerte die Rhenus Gruppe ihr Seefrachtvolumen von China nach Europa gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um rund 26 Prozent. Auch in der Gegenrichtung sowie im Luftfrachtgeschäft berichtet das Unternehmen von steigenden Transportmengen. Besonders interessant: Rhenus wächst damit nach eigenen Angaben teilweise gegen den allgemeinen Markttrend. Die Zahlen veröffentlichte der Logistikdienstleister kurz vor der China International Import Expo (CIIE), die vom 5. bis 10. November 2026 in Shanghai stattfindet.

China–Europa ist wichtigste Seefrachtroute von Rhenus

Für Rhenus ist der Warenverkehr zwischen China und Europa weit mehr als eine von vielen internationalen Transportverbindungen. Gemessen am Transportvolumen ist die Relation nach Unternehmensangaben die wichtigste Seefrachtstrecke des Logistikdienstleisters. Auch in der Luftfracht spielt Europa eine zentrale Rolle: Für Sendungen aus China ist der Kontinent das wichtigste Zielgebiet. Das Wachstum von 26 Prozent im Seefrachtgeschäft Richtung Europa ist deshalb ein wichtiges Signal für die Entwicklung des Unternehmens. Allerdings nennt Rhenus keine absoluten Transportmengen. Ebenso bleibt offen, welcher Anteil des Zuwachses auf neue Kunden und welcher auf höhere Transportmengen bestehender Auftraggeber zurückgeht.

Handelspolitik und Kapazitäten erschweren die Planung

Die Handelsroute zwischen China und Europa steht weiterhin unter Druck. Ein Problem sind die unterschiedlich starken Warenströme in beide Richtungen. Hinzu kommen häufige Veränderungen der verfügbaren Transportkapazitäten. Auch die Handels- und Zollpolitik zwischen der Europäischen Union und China beeinflusst die Kosten und damit die Entscheidungen der Verlader. Für Logistikunternehmen wird es dadurch schwieriger, Kapazitäten langfristig zu planen und Transporte wirtschaftlich zu organisieren. Rhenus setzt deshalb nach eigenen Angaben auf eine engere Zusammenarbeit zwischen seinen Teams in China und Europa sowie mit den Reedereien. Renee Toh, Global Head of Ocean Freight bei Rhenus, betont die Bedeutung langfristiger Kundenbeziehungen und einer gemeinsamen Planung mit den Reedereipartnern. Damit wolle das Unternehmen besser auf die Anforderungen seiner Auftraggeber reagieren.

Luftfracht: Rhenus wächst gegen den Markttrend

Noch bemerkenswerter ist die Entwicklung im Luftfrachtgeschäft. Denn dort beschreibt Rhenus ein Marktumfeld, in dem die Nachfrage teilweise deutlich zurückgeht. Nach Daten des Marktdienstleisters Rotate, auf die sich Rhenus beruft, sanken die E-Commerce-Luftfrachtvolumina im Zeitraum Juli bis August 2026 um 28 Prozent. Die Mitteilung grenzt die betrachtete Verkehrsrelation für diese Zahl allerdings nicht näher ein. Auch in der Gegenrichtung zeigt sich eine schwache Entwicklung: Die Marktnachfrage von Europa nach China ging laut Rhenus zwischen Januar und August 2026 im Jahresvergleich um fünf Prozent zurück. Der Logistiker selbst konnte seine Luftfrachtmengen nach eigenen Angaben dennoch steigern. Als wesentlichen Grund nennt das Unternehmen neu gewonnene Kunden. Wie hoch der Zuwachs im Luftfrachtgeschäft insgesamt ausfällt, bleibt allerdings teilweise unklar. Die Pressemitteilung nennt zwar ein Plus von rund 20 Prozent in Richtung China, ordnet diesen Wert in ihrer Zusammenfassung dann jedoch der Seefracht zu.

Hightech-Güter werden für Rhenus wichtiger

Eine besondere Rolle spielt dabei der Hightech-Sektor. Nach Unternehmensangaben gehört er auf der Relation China–Europa zu den am schnellsten wachsenden Luftfrachtsegmenten von Rhenus. Die strategische Ausrichtung ist nachvollziehbar: Bei hochwertigen oder zeitkritischen Gütern spielen zuverlässige Transportabläufe, flexible Kapazitäten und spezialisierte Logistikleistungen eine wichtige Rolle. Rhenus will diese Anforderungen nutzen, um sein Geschäft mit Unternehmen aus dem Technologiesektor auszubauen. Chris Bode, Vice President Air Freight bei Rhenus, bezeichnet Hightech als klare Priorität für den China-Europa-Korridor. Das Unternehmen wolle Branchenkenntnisse mit einem flexiblen Zugang zu Luftfrachtkapazitäten verbinden und so weiteres Wachstum erzielen. Welche konkreten Produktgruppen oder Kundenbranchen derzeit besonders stark zulegen, verrät Rhenus allerdings nicht.

16 Standorte und 550 Beschäftigte im Großraum China

Um das Geschäft auf der wichtigen Handelsroute auszubauen, stützt sich Rhenus auf sein bestehendes Netzwerk. Im Großraum China beschäftigt der Logistikdienstleister nach eigenen Angaben mehr als 550 Menschen an 16 Standorten. Eine wichtige Rolle spielen die Luftfrachtdrehkreuze in Shanghai und Hongkong. Dort bietet Rhenus unter anderem die Konsolidierung von Sendungen und die Frachtabfertigung an. Hinzu kommen Zollabwicklung, Lagerlogistik und Inlandstransporte. Auf diese Weise sollen internationale Transportketten mit der lokalen Abholung und Zustellung verbunden werden. Die Kombination verschiedener Dienstleistungen ist gerade auf einer Route mit stark schwankenden Warenströmen von Bedeutung. Kunden benötigen nicht nur freie Transportkapazitäten, sondern zunehmend auch Lösungen für Zollformalitäten, Zwischenlagerung und die Verteilung der Waren.

In Kürze: die Key Facts

  • Unternehmen: Rhenus Gruppe, internationaler Logistikdienstleister.
  • Berichtszeitraum: Bisheriger Jahresverlauf 2026 im Vergleich zum Vorjahr; ein genauer Stichtag wird nicht genannt.
  • Seefracht China–Europa: Transportvolumen um rund 26 Prozent gestiegen.
  • Gegenrichtung Europa–China: Rhenus nennt rund 20 Prozent Wachstum, ordnet dieses aber widersprüchlich der See- beziehungsweise Luftfracht zu.
  • Seefrachtstrategie: China–Europa ist gemessen am Volumen die wichtigste Seefrachtrelation von Rhenus.
  • Luftfrachtstrategie: Europa ist das wichtigste Zielgebiet für Luftfrachtsendungen aus China.
  • Luftfrachtentwicklung: Rhenus meldet steigende Transportmengen durch neue Kunden trotz schwächerer Marktnachfrage.
  • Marktentwicklung: Laut den von Rhenus angeführten Rotate-Daten sanken die E-Commerce-Luftfrachtvolumina im Juli und August 2026 um 28 Prozent; die genaue Vergleichsbasis wird nicht erläutert.
  • Marktnachfrage Europa–China: Zwischen Januar und August 2026 nach Unternehmensangaben um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken.
  • Wachstumssegment: Hightech gehört zu den am schnellsten wachsenden Luftfrachtsegmenten von Rhenus auf dem China-Europa-Korridor.
  • Netzwerk China: Mehr als 550 Beschäftigte an 16 Standorten im Großraum China.
  • Luftfracht-Drehkreuze: Shanghai und Hongkong.
  • Weitere Dienstleistungen: Zollabwicklung, Lagerlogistik, Konsolidierung, Frachtabfertigung und Inlandstransporte.
  • Rhenus weltweit: Rund 39.000 Beschäftigte an 1.300 Standorten in mehr als 70 Ländern.
  • Jahresumsatz: Nach Unternehmensangaben 8,2 Milliarden Euro.
  • Messe: Rhenus präsentiert sich auf der China International Import Expo (CIIE) vom 5. bis 10. November 2026 in Shanghai.

Fazit

China–Europa: Rhenus wächst, doch die Risiken bleiben

Ein Plus von 26 Prozent in der Seefracht von China nach Europa ist beachtlich – gerade in einem Marktumfeld, das von schwankenden Kapazitäten und handelspolitischer Unsicherheit geprägt ist. Noch interessanter ist die strategische Entwicklung in der Luftfracht. Mit dem Fokus auf Hightech-Güter setzt Rhenus auf ein Segment, in dem spezialisierte Dienstleistungen und zuverlässige Lieferketten besonders gefragt sind. Allerdings lässt sich die tatsächliche wirtschaftliche Bedeutung der Zuwächse noch nicht abschließend beurteilen. Rhenus nennt weder absolute Transportmengen noch die Entwicklung von Umsatz oder Ertrag auf dem Korridor. Hinzu kommt eine widersprüchliche Zuordnung der gemeldeten 20 Prozent Wachstum in Richtung China. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie stark Rhenus wächst, sondern auch, wie profitabel und dauerhaft dieses Wachstum ist. Gerade auf der Handelsroute zwischen China und Europa dürfte sich das erst unter wechselnden Marktbedingungen zeigen.