E-Lkw kommen in der Logistikbranche offenbar stärker in der Breite an. Aber kippt der Markt wirklich schon Richtung 2030? Eine neue Umfrage des Öko-Instituts deutet auf wachsende Akzeptanz für batterieelektrische Lkw hin. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse: Viele Unternehmen zögern weiterhin, weil Wissen zu Kosten, Infrastruktur und Regulierung fehlt. Und weil die Praxis oft noch härter ist als die Theorie.
Öko-Institut-Umfrage: E-Lkw bis 2030 „gesetzt“ – zumindest teilweise
Laut Öko-Institut erwarten 77 Prozent der befragten Logistikunternehmen, dass batterieelektrische Lkw bis 2030 entweder Standard (25 Prozent) oder zumindest teilweise (52 Prozent) im Einsatz sein werden. Das wäre ein deutlicher Stimmungsumschwung gegenüber 2021: Damals rechneten nur fünf Prozent mit einem standardmäßigen Einsatz bis 2030.
Batterie klar vor Wasserstoff – Erwartungen drehen sich
Auffällig ist auch die Verschiebung bei den Alternativen: Während E-Lkw in der Einschätzung zulegen, verliert Wasserstoff. In der aktuellen Befragung erwartet weniger als die Hälfte, dass Wasserstoff-Lkw bis 2030 Standard oder teilweise Standard werden. 2021 lag dieser Wert laut Öko-Institut noch bei rund 80 Prozent.
Wissenslücken bremsen: TCO, Maut, Netzanschluss – oft unklar
Trotz Rückenwind nennt die Studie mehrere Bremsklötze, die in vielen Unternehmen noch nicht sauber gelöst sind:
- Maut & Regulierung: Weniger als ein Drittel konnte die Mautbefreiung für emissionsfreie Lkw korrekt einordnen.
- Kostenrechnung: 61 Prozent haben die Gesamtnutzungskosten (TCO) von E-Lkw bislang nicht mit Diesel verglichen.
- Depot-Infrastruktur: Zwei Drittel der Unternehmen mit eigenem Depot kennen ihre Netzanschlusskapazität nicht.
Damit beantwortet sich auch die Ausgangsfrage: Ja, die Akzeptanz steigt, aber ohne belastbare TCO-Rechnungen und Ladeplanung, bleibt der Hochlauf bei vielen eher „Absicht“ als Umsetzung.
Infrastruktur bleibt der Engpass – und der Markt reagiert weiterhin vorsichtig
Die Umfrage zeigt zwar, dass Standzeiten häufig grundsätzlich fürs Laden reichen. Doch beim zentralen Punkt „öffentliche Ladepunkte“ bleibt es kritisch: Jedes zweite Unternehmen nennt fehlende öffentliche Ladeinfrastruktur als Grund, keine E-Lkw zu beschaffen.
Herstellerverband ACEA verweist auf gebremste Marktakzeptanz
Dass die Branche im Alltag weiterhin zurückhaltend agiert, passt auch zu den Einschätzungen aus dem Marktumfeld: Selbst bei wachsenden E-Zulassungsanteilen verweist der Herstellerverband ACEA auf gebremste Marktakzeptanz durch unzureichende Infrastruktur, hohe Energiekosten, ungünstige TCO und uneinheitliche politische Rahmenbedingungen (eurotransport.de berichtete). Wie belastbar sind die Ergebnisse – und wie ordnet man sie ein?
Warum die Umfrage des Öko-Instituts nur ein Stimmungsindikator ist
Bei Studien dieser Art stellt sich immer die Frage nach der Validität. Das Öko-Institut arbeitet satzungsgemäß an Klima- und Ressourcenthemen – eine grundsätzlich „pro E-Antrieb“-gerichtete Perspektive ist daher naheliegend. Gleichzeitig legt die Veröffentlichung methodische Eckdaten offen: Grundlage sind 204 Interviews (Sommer 2025), eine quotierte Stichprobe mit Entscheidungsträgern, die die Branche nach Unternehmensgröße abbilden soll. Heißt: Die Umfrage ist ein guter Stimmungsindikator, aber sie ersetzt keine Marktdaten zu Bestellungen, Fahrzeugzulassungen oder realer Infrastrukturverfügbarkeit.
Was Unternehmen jetzt konkret tun können
Wenn der Hochlauf schneller werden soll, laufen viele Hebel auf drei Basics hinaus:
- TCO sauber rechnen (inkl. Maut, Strompreis, Restwert, Ladeinfrastruktur, Auslastung).
- Depot-Check: Netzanschluss, Lastmanagement, Ladefenster, Ausbaupfade.
- Pilotieren statt warten: Erfahrung reduziert Unsicherheit – genau das betont auch die Studie mit Blick auf Early Adopters.
Early Adopters: Diese Logistiker und Speditionen fahren voraus
Um Missverständnissen vorzubeugen: E-Lkw-Projekte von Logistikdienstleistern und Speditionen sind längst nichts Besonderes mehr. Doch in vielen Fällen handelt es sich um überschaubare Pilotprojekte, die eher eine Relevanz fürs Marketing als fürs Alltagsgeschäft haben.
Es gibt aber auch Unternehmen, die mutig voranschreiten:
Fazit zur Entwicklung der Neuzulassungen bei E-Lkw
Und dann bleibt die entscheidende Frage für 2026: Werden aus den vielen „bis 2030“-Plänen schon in den nächsten 12–24 Monaten echte Bestellungen – oder bleibt es vorerst bei Leuchttürmen?
In Kürze: die Key Facts
- Quelle: Öko-Institut (Umfrage, Interviews Sommer 2025; Veröffentlichung 2026)
- Stichprobe: 204 Interviews, Entscheidungsträger in Logistikunternehmen (quotiert nach Unternehmensgröße)
- E-Lkw bis 2030: 77 % erwarten Standard/teilweise (25 % Standard, 52 % teilweise)
- Wasserstoff-Lkw bis 2030: weniger als 50 % erwarten Standard/teilweise
- Bremsfaktoren: fehlende öffentliche Ladepunkte; Wissenslücken zu Maut/Regulierung; fehlender TCO-Vergleich; unbekannte Netzanschlusskapazität






