Die Tür zur Umschlaghalle fällt ins Schloss. Dann öffnet sich der Blick auf eine Arbeitsumgebung und Prozesse, die eng getaktet sind. Lkw stehen an den Toren, Brücken verbinden Fahrzeuge und Halle, Paletten werden durch die Halle bewegt, gescannt und weitergeleitet. „Wir arbeiten von Montag 0 Uhr bis Samstag früh um 7 Uhr durch und bewegen in 24 Stunden rund 5.000 Paletten“, sagt Betriebsleiter Florian Harrer bei der Führung durch den Standort von Noerpel in Ulm. Die Anlage umfasst rund 7.000 Quadratmeter und insgesamt 113 Verladetore.Die Führung findet im Rahmen des bundesweiten „Tag der Logistik“ statt. Besucher erhalten Zugang zu Bereichen, die im Alltag nicht öffentlich zugänglich sind, und können die Abläufe direkt vor Ort nachvollziehen.
Digitale Steuerung im Umschlag
Eingehende Ware wird erfasst, mit Scannern gekennzeichnet und über definierte Routingsysteme den Zielgebieten zugeordnet. „Das Routing funktioniert wie die Postleitzahl“, erklärt Harrer. Jede Sendung erhält damit eine eindeutige Zuordnung und wird an das entsprechende Tor weitergeleitet.Auch außerhalb der Halle greifen die Prozesse ineinander. Rangierer bewegen im Dreischichtbetrieb die Auflieger auf dem Hof, ziehen volle Sattelbrücken ab und stellen neue bereit. In der Halle unterstützen Scanner die Zuordnung, während Mitarbeiter die Sendungen den jeweiligen Relationen zuweisen. Ein Teil der Ware wird direkt umgeschlagen, ein anderer gelangt in das Hochregallager.
Kapazitäten im Hochregallager
Dort stehen Kapazitäten für rund 22.000 Paletten zur Verfügung. Die Einlagerung erfolgt teilautomatisiert. Systeme melden freie Stellplätze und steuern die Transporte innerhalb des Lagers. „Das System weiß, welcher Platz frei ist und steuert die Einlagerung entsprechend“, erläutert Harrer.Die Steuerung der Sendungen erfolgt durchgängig digital. Jede Ware wird beim Eingang erfasst und bleibt über Barcodesysteme entlang der gesamten Prozesskette nachvollziehbar. Ergänzend kommt ein Kamerasystem zum Einsatz, das die Sendungen dokumentiert und bei Bedarf eine Rückverfolgung ermöglicht.
Netzwerk und operative Steuerung
Ohne diese Schnittstellenkontrolle ließen sich die Warenbewegungen in der erforderlichen Geschwindigkeit nicht abbilden. Die Verkehre sind in ein Netzwerk eingebettet. Noerpel arbeitet in der Stückgutkooperation IDS Logistik, bei der Sendungen gebündelt und in definierte Zielregionen transportiert werden. Dort übernehmen Partnerunternehmen die Zustellung im jeweiligen Gebiet. Im Gegenzug gelangen Waren aus anderen Regionen nach Ulm und werden hier weiterverteilt.Auch kleinere Sendungsmengen lassen sich so wirtschaftlich abwickeln und über größere Distanzen transportieren. Im Bürogebäude wird der operative Ablauf gesteuert. „Hier wird alles operative abgewickelt – von der Lkw-Disposition bis zur Abfertigung“, sagt Manuela Engelbrecht, Speditionsleiterin International am Standort, gegenüber trans aktuell.
Bewerberlage im Wandel
Nationale und internationale Verkehre werden in verschiedenen Teams organisiert, ergänzt durch Kundenservice, Zollabwicklung und Palettenmanagement. Der Kundenservice ist eng mit dem operativen Betrieb verzahnt. Anfragen zu Sendungen, Terminabstimmungen oder Reklamationen werden direkt in den Teams bearbeitet. Für größere Kunden bestehen feste Ansprechpartner zur Bündelung der Kommunikation und zur Abstimmung der Abläufe.Auch Themen wie Schadensabwicklung oder Leergutverwaltung sind in die täglichen Abläufe integriert. Besonders im gewerblichen Bereich verändert sich die Bewerberlage. „Gerade bei gewerblichen Berufen merken wir einen Rückgang an Bewerbungen“, sagt Theresa Vogg, Marketingreferentin bei Noerpel, gegenüber trans aktuell.
Interesse verschiebt sich Richtung IT
Gleichzeitig habe sich das Interesse stärker in Richtung IT-Berufe verschoben. Die Entwicklung ist regional unterschiedlich. Standorte mit guter Anbindung verzeichneten weiterhin ausreichend Bewerbungen, während abgelegenere Niederlassungen deutlich stärker betroffen seien. Auch aus Besuchersicht zeigt sich ein differenziertes Bild. Fachbesucher Simon Opitz (26), Global Industry Manager bei dem Automationsunternehmen Sick in Waldkirch, nimmt die Arbeit in der Umschlaghalle als körperlich anspruchsvoll wahr.
Arbeitsbedingungen in Umschlaghallen
Hinzu kämen Arbeitszeiten in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden sowie oft kühle Bedingungen in den Hallen. Junge Menschen orientieren sich seiner Ansicht nach daher eher in Richtung Büro oder IT. Automatisierung könne einzelne Tätigkeiten erleichtern, stoße jedoch an Grenzen. Noerpel reagiert darauf mit verschiedenen Maßnahmen. Neben klassischen Ausbildungsberufen baut das Unternehmen duale Studiengänge aus, etwa in Informatik und Wirtschaftsinformatik.
Maßnahmen gegen Fachkräftemangel
Gleichzeitig setzt das Unternehmen auf Kooperationen mit Schulen und Bildungsträgern, um frühzeitig Kontakt zu potenziellen Bewerbern aufzubauen. Die Maßnahmen zielen darauf ab, den Personalbedarf im Betrieb zu sichern. Denn der läuft durchgehend – und bleibt abhängig von ausreichend Personal.
Entwicklung des „Tags der Logistik“
Der Tag der Logistik hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Jens Tosse und Uwe Berndt, Mit-Initiatoren der Initiative Die Wirtschaftsmacher und Teil des Organisationsteams, führen die Entwicklung auf mehrere Faktoren zurück:
- Die Pandemie unterbrach etablierte Formate und Routinen
- Die wirtschaftliche Lage begrenzt das Engagement vieler Unternehmen
- Digitale und hybride Formate gewinnen an Bedeutung
Gleichzeitig betonen Tosse und Berndt, das Interesse an logistischen Themen sei weiterhin hoch. Wahrnehmungslücken bestünden jedoch insbesondere bei Arbeitsbedingungen und Tätigkeitsprofilen. Der Aktionstag bleibe ein wichtiges Instrument, um Einblicke zu geben und Nachwuchs anzusprechen.
Noerpel in Zahlen
Noerpel zählt zu den größeren mittelständischen Logistikdienstleistern und ist international aktiv.
- 31 Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Internationale Transportlösungen und branchenübergreifende Logistikservices
- 455.700 Quadratmeter Lagerfläche
- 5,3 Millionen Sendungen jährlich
- 3.700 Mitarbeitende
- 710 Millionen Euro Umsatz





