Netzsanierung: InfraGO-Planung unter Druck

Probleme bei Netzsanierung auf Korridoren
Kritik an der Planung von InfraGO

Eine wachsende Zahl an Baustellen im deutschen Schienennetz setzt den Güterverkehr unter Druck. Nach Angaben des Branchenverbands Die Güterbahnen führen mangelhafte Koordination und lange Sperrungen zu steigenden Belastungen – mit Folgen für den Markt.

Baurabeiten an der Rail Baltica
Foto: RB Rail AS

Der Schienengüterverkehr ist nach Angaben des Verbands Die Güterbahnen zunehmend durch eine Vielzahl von Baustellen belastet. Diese würden häufig schlecht koordiniert umgesetzt und führten bereits heute dazu, dass Transporte wieder verstärkt auf die Straße verlagert werden.

Verkehrsleistung sinkt deutlich

Nach Verbandsangaben sank die Verkehrsleistung im Schienengüterverkehr von 150 Milliarden Tonnenkilometern im Jahr 2022 auf 134 Milliarden Tonnenkilometer im Jahr 2024. Die aktuelle Entwicklung sei weiter rückläufig. Eine wesentliche Ursache seien steigende Zusatzkosten sowie Einnahme- und Kundenverluste infolge zunehmender Bautätigkeit.

Belastungen erreichen Rekordniveau

Laut Bundesnetzagentur lag der Anteil der Belastungen aus Baumaßnahmen 2024 bei rund vier Prozent des Gesamtumsatzes der Eisenbahnunternehmen. Gegenüber 2021 habe sich dieser Wert verdoppelt und bewege sich in Richtung von rund 300 Millionen Euro.

Vollsperrungen auf wichtigen Korridoren

Ab dem 6. Februar 2026 starten weitere Korridorsanierungen mit vollständigen Streckensperrungen auf den Abschnitten Hagen–Wuppertal–Köln sowie Nürnberg–Regensburg. In den Sommermonaten folgen unter anderem Hamburg–Hannover, Obertraubling–Passau und Koblenz–Wiesbaden. Zusammen mit weiterhin gesperrten Verbindungen wie Hamburg–Berlin und Lehrte–Berlin werden 2026 insgesamt 1.144 Kilometer stark befahrener Strecken vollständig aus dem Verkehr genommen.

Umleitungen über stark belastete Strecken

Die vorgesehenen Umleiterverkehre führen laut Verband insbesondere in Bayern über Strecken, die selbst stark belastet und sanierungsbedürftig sind. Jede zusätzliche Störung könne dort dominoartige Auswirkungen haben, die weit über die Region hinausreichten. Neben den großen Korridoren seien zudem zahlreiche weitere Strecken zeitweise gesperrt.

Kritik an Planung und Bauzeiten

Kritik richtet sich unter anderem gegen kurzfristige Ankündigungen von Baustellen, unvollständig umgesetzte Maßnahmen und nicht eingehaltene Bauzeiten. Als Beispiel nennt der Verband die Korridorsanierung Lehrte–Berlin, deren ursprünglich vorgesehene Sperrzeit durch vorbereitende Maßnahmen deutlich verlängert werde. Peter Westenberger, Geschäftsführer der Güterbahnen, erklärt, dass Kunden auf die Straße ausweichen würden, wenn Züge nicht mehr fahren könnten oder Transporte durch Umleitungen zu teuer würden. Die Sanierung des Schienennetzes sei notwendig, dürfe jedoch nicht auf Kosten der Eisenbahnverkehrsunternehmen erfolgen.

Forderungen an InfraGO und Bund

Der Verband fordert, Umleiterstrecken technisch vorzubereiten, Infrastrukturelemente zu prüfen und ausreichend Personal für schnelle Entstörungen bereitzustellen. Zudem solle bei jedem Projekt geprüft werden, ob Teil- statt Vollsperrungen möglich seien. Die entstehenden Mehrkosten für Personal, Energie und Fahrzeuge dürften nach Auffassung der Güterbahnen nicht bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen verbleiben, sondern müssten vom Bund übernommen werden.