Ende 2026 ist es so weit: Das Güterverkehrszentrum (GVZ) Region Augsburg eröffnet einen neuen Containerbahnhof, durch den noch mehr Güter von der Straße auf die Schiene verlagert werden können. Im Sommer 2023 fand der Spatenstich statt. Es handelt sich laut Ralf Schmidtmann, Geschäftsführer der Güterverkehrszentrum Region Augsburg Entwicklungsmaßnahmen GmbH, um ein Bauprojekt des Bundes, vertreten durch die Deutsche Bahn InfraGO. Die Deutsche Umschlaggesellschaft Schiene-Straße (DUSS) wird den Containerbahnhof betreiben. Die Umschlagkapazität soll sich von aktuell 22.000 auf 62.000 Ladeeinheiten erhöhen. Das spart jährlich 2,3 Millionen Kilometer für Lkw sowie 1.754 Tonnen CO2 pro Jahr ein.
Grüne Ausgleichsflächen für mehr Akzeptanz
Der Containerbahnhof – das GVZ Augsburg verwendet häufiger diese Bezeichnung anstatt Terminal für den Kombinierten Verkehr (KV), da verständlicher für die Bürgerinnen und Bürger – ist allerdings nur ein Baustein in Sachen Nachhaltigkeit. Das GVZ informierte daher in einem virtuellen Pressegespräch zum Tag der Logistik 2026 über grüne Logistik und nachhaltige Innovationen am Standort.
Besonders wichtig: „Das GVZ will die wohnortnahe Bevölkerung mitnehmen“, sagte Schmidtmann. Bei der kommen vor allem die grünen Ausgleichsflächen an, die rund ein Viertel der Gesamtfläche von 112 Hektar ausmachen. Die Immobilien der angesiedelten Unternehmen haben laut Schmidtmann von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) das Gold- oder sogar das Platin-Zertifikat erhalten. „Wir wollen nicht nur Standardimmobilien, sondern wirklich nachhaltige Immobilien“, sagte der GVZ-Geschäftsführer.

„Das GVZ Augsburg zählt heute zu den leistungsfähigsten Standorten in Deutschland und zeigt, wie sich Logistikdrehscheiben strategisch und nachhaltig weiterentwickeln lassen“, sagte Dr. Thomas Nobel, Geschäftsführer der Deutschen GVZ-Gesellschaft (DGG).
Das GVZ habe sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt und sei heute nahezu vollständig vermarktet. „Unser Anspruch ist es, das GVZ Augsburg nicht nur als Logistikstandort, sondern vor allem als nachhaltiges Gesamtsystem weiterzuentwickeln – mit Infrastruktur, Flächenmanagement und konkreten Angeboten für klimafreundliche Logistik“, so Schmidtmann.
Wasserstofftankstelle für Logistikunternehmen
Ein weiterer Baustein und ein Alleinstellungsmerkmal des GVZ Augsburg ist die Wasserstofftankstelle des Wasserstoffproduzenten und -lieferanten Tyczka Hydrogen. Das Unternehmen mit Sitz in Geretsried bei München adressiert laut Geschäftsführer Thomas Zorn im GVZ Augsburg vor allem den Lkw-Verkehr, da dort viele Logistikunternehmen angesiedelt sind. Wasserstoff im Schwerlastverkehr werde oft heiß diskutiert, habe aber seine Berechtigung. „Gerade im Schwerlastverkehr kann Wasserstoff eine wichtige Ergänzung sein, um Logistik emissionsärmer und gleichzeitig flexibel zu gestalten“, sagte Zorn. Bis Ende 2026 will Tyczka Hydrogen an fünf Standorten in Deutschland grünen Wasserstoff anbieten.
Seit Juni 2024 können Lkw, Sonderfahrzeuge, Busse und auch Pkw im GVZ grünen Wasserstoff mit 350 bar und 700 bar tanken. Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie hat den Bau der Tankstelle gefördert. Dem Containerlogistiker Kloiber gehört das Grundstück, auf dem sich die Tankstelle befindet. Die Preise für den ausschließlich grünen Wasserstoff lagen Mitte April laut Zorn bei 8,65 Euro pro Kilogramm für 350 bar und bei 9,65 Euro pro Kilogramm für 700 bar.
Wasserstoff, Bio-LNG und Diesel tanken
An der Tankstelle können Fahrzeuge neben Wasserstoff auch Bio-LNG und Diesel tanken. „Ich bin kein einfacher Transportunternehmer mehr, sondern bin zu einem Energieunternehmer geworden“, sagte Ferdinand Kloiber, geschäftsführender Gesellschafter bei Kloiber Containerlogistik. Aufgrund des neuen Förderprogramms des Bundesministeriums für Verkehr (BMV), das 220 Millionen Euro für Wasserstofftankstellen und -fahrzeuge vorsieht, werde das Thema Wasserstoff nun eine neue Dimension bekommen.
In den 1980er Jahren hat sich der Logistikdienstleister mit Sitz in Petershausen bei München auf den KV spezialisiert. Ein weiterer Standort befindet sich in München-Riem, im GVZ Augsburg ist Kloiber seit 2010 angesiedelt. Um den Vor- und Nachlauf nachhaltig zu gestalten, setzt Kloiber bereits 18 Elektro-Lkw ein – 15 MAN eTGX und drei vollelektrische Volvo. Insgesamt rund 140 Fahrzeuge gehören zum firmeneigenen Fuhrpark.
KV leidet unter überlasteter Infrastruktur
Kloiber freut sich, dass das neue Containerterminal nach langer Wartezeit Ende des Jahres endlich in Betrieb geht. In Deutschland werde der KV momentan schlecht gepflegt. „Das Schienennetz ist katastrophal schlecht. Es ist aber die Lösung unserer Verkehrsprobleme, um die Straße zu entlasten“, sagte Kloiber.
„Die Bahn kämpft mit einer überlasteten Infrastruktur und der KV leidet“, sagte Prof. Dr. Michael Krupp von der Technischen Hochschule (TH) Augsburg. Krupp forscht mit seinem Team an der TH Augsburg unter anderem zur Dekarbonisierung im Güterverkehr.
Eigenstrom und eigene Ladeinfrastruktur gewinnen an Bedeutung
Der Transport per Schiene werde wegen der Infrastrukturprobleme der Bahn unattraktiver. Für den nachhaltigen Transport auf der Straße setzen immer mehr Unternehmen auf Elektro-Lkw. „Viele Transportunternehmer produzieren und speichern daher mittlerweile Strom selbst oder fangen damit an“, so Krupp. Kloiber Containerlogistik ist dafür das beste Beispiel: Das Unternehmen hat in Petershausen einen eigenen Ladepark eröffnet und plant einen Mega-Charging Park.
Für alle 36 GVZ-Standorte in Deutschland sprach Dr. Thomas Nobel, Geschäftsführer der Deutschen GVZ-Gesellschaft (DGG). „Das GVZ Augsburg zählt heute zu den leistungsfähigsten Standorten in Deutschland und zeigt, wie sich Logistikdrehscheiben strategisch und nachhaltig weiterentwickeln lassen“, sagte Nobel.
GVZ Augsburg im nationalen und europäischen Vergleich
Im aktuellen, europaweiten GVZ-Ranking der DGG liegt das GVZ Region Augsburg auf Platz 20. Deutschlandweit belegt es Platz neun, innerhalb Bayerns rangiert es auf dem zweiten Platz hinter dem GVZ Nürnberg. „Das GVZ Augsburg ist ein Pionier im Wasserstoffbereich“, so Nobel. In anderen GVZ sei Wasserstoff noch nicht so stark vertreten. Bei der Elektromobilität befinde sich das GVZ Augsburg im „guten Durchschnitt“ im Vergleich zu anderen Güterverkehrszentren.
Das Güterverkehrszentrum (GVZ) Region Augsburg
- Träger ist die Güterverkehrszentrum Region Augsburg Entwicklungsmaßnahmen GmbH.
- Geschäftsführer: Ralf Schmidtmann.
- Die Bruttofläche beträgt 112 Hektar. Davon sind 61 Hektar GVZ-Nutzfläche für Logistikimmobilien, 10 Hektar Bahnflächen, 29 Hektar öffentliche Grünflächen und 12 Hektar Straßenfläche.
- Zu den angesiedelten Logistikbetrieben zählen unter anderem ProLogis, die Honold Logistikgruppe, Kloiber Containerlogistik, Deutsche Post DHL und Ziegler Gabelstapler.
- Der neue Containerbahnhof soll Ende 2026 in Betrieb gehen. Für den Endausbau sind bis zu 100.000 Ladeeinheiten mit vier Umschlaggleisen, zwei Zugbildungsgleisen und zwei Portalkränen geplant.
- Auf dem Gelände von Kloiber Containerlogistik befindet sich eine öffentliche Tankstelle, an der Fahrzeuge unter anderem Diesel, LNG und Wasserstoff tanken können. Tyczka Hydrogen bietet grünen Wasserstoff in den Druckstufen 350 bar und 700 bar an. Eine Ladesäule für Elektro-Lkw gibt es ebenfalls.






