Mosolf plant neues Auto-Terminal für China-Importe

Autoimporte aus China in Wilhelmshaven
Mosolf plant neuen Terminal für BYD, Geely und Co.

Mosolf wickelt nach eigenen Angaben 70 Prozent der deutschen Autoimporte aus China ab. Jetzt plant der Logistiker in Wilhelmshaven ein neues Terminal – und denkt bereits weit über Deutschland hinaus.

Mosolf-Autotransporter mit BYD-Fahrzeugen vor einem RoRo-Schiff und abgestellten BYD-Autos in einem Hafen.
Foto: ETM/KI-generiert via OpenAI

Mosolf will seine Kapazitäten für Fahrzeugimporte aus China massiv ausbauen. In Wilhelmshaven soll ein neuer Terminal mit einer bis zu 900 Meter langen Kaikante entstehen. Dahinter steckt mehr als ein Hafenprojekt: Der Automobillogistiker positioniert sich für die wachsenden Importe von BYD, Geely und Co. – und plant bereits die nächsten Schritte in Europa und Indien.

Neuer Mosolf-Chef Patrick Oestreich startet durch

Chinesische Autohersteller drängen mit wachsender Geschwindigkeit auf den europäischen Markt. Für Fahrzeuglogistiker bedeutet das vor allem eines: Sie brauchen zusätzliche Kapazitäten. Mosolf will darauf nun mit einem großen Ausbau in Wilhelmshaven reagieren. Der Automobillogistiker plant nördlich des JadeWeserPorts einen neuen Terminal für Fahrzeugimporte aus Fernost. Wie Vorstandschef Patrick Oestreich gegenüber dem Handelsblatt erklärte, soll die Anlage von der staatlichen Hafengesellschaft Niedersachsen Ports (NPorts) errichtet und anschließend langfristig von Mosolf gepachtet werden. Nach den Vorstellungen von Mosolf soll allein die Kaikante 900 Meter lang werden. Das Planfeststellungsverfahren könnte laut Oestreich gegen Ende 2026 starten. Damit zeichnet sich nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt ab, wie der neue Mosolf-Chef das Unternehmen weiterentwickeln will.

BYD, Geely und MG sorgen für mehr Importe

Hinter dem Projekt steht vor allem das rapide Wachstum chinesischer Automarken in Europa. Nach Angaben Oestreichs wickelt Mosolf mittlerweile rund 70 Prozent der deutschen Fahrzeugimporte aus China ab. Dazu gehören Fahrzeuge von Herstellern beziehungsweise Marken wie BYD, MG und Geely. Bislang kommen diese unter anderem im Wilhelmshavener Innenhafen an. Dort stehen Mosolf laut Handelsblatt rund 35.000 Stellplätze zur Verfügung. Doch diese Kapazitäten reichen angesichts steigender Importmengen zunehmend nicht mehr aus. Der Ausbau in Wilhelmshaven wäre insofern die logistische Antwort auf eine Verschiebung im europäischen Automarkt.

Mosolf will Autos direkt am JadeWeserPort abfertigen

Der geplante Terminal soll rund zwölf Kilometer weiter nördlich entstehen. Die Fahrzeuge sollen dort per RoRo-Schiff, also auf spezialisierten Roll-on/Roll-off-Frachtern, eintreffen. An Land geht es dann nicht nur um das Zwischenparken. Mosolf will die importierten Fahrzeuge dort auch für den europäischen Markt vorbereiten. Dazu können beispielsweise Zulassungsunterlagen oder Anpassungen an die erforderliche Straßenausrüstung gehören. Anschließend sollen die Fahrzeuge über bestehende Gleisanlagen ins Hinterland gelangen. Die Schienenanbindung ist ein wesentlicher Standortvorteil: Niedersachsen Ports betreibt in Wilhelmshaven eigene öffentliche Eisenbahninfrastruktur und ist zudem für die Netzbetriebsführung der JadeWeserPort-Hafenbahn verantwortlich. Schon heute gehen nach Angaben des Handelsblatts monatlich etwa 8.500 bis 9.000 Fahrzeuge per Bahn von Wilhelmshaven zu drei Mosolf-Verteilzentren in Süd- und Ostdeutschland. Andere Fahrzeuge werden direkt an Großkunden wie Sixt oder den Auto-Abo-Anbieter Finn ausgeliefert.

Neues Terminal soll nicht nur Autos umschlagen

Bemerkenswert ist, dass Mosolf offenbar keinen reines Autoterminal plant. Oestreich spricht von einem Multipurpose-Konzept. Neben Fahrzeugen sollen über die Anlage künftig auch Rotorblätter für Offshore-Windkraftanlagen sowie militärische Güter umgeschlagen werden. Das könnte helfen, die Infrastruktur besser auszulasten und unterschiedliche Warenströme miteinander zu kombinieren. Dass Wilhelmshaven für Mosolf längst mehr als ein Versuchsstandort ist, bestätigen auch Angaben von Niedersachsen Ports. Demnach hat sich der Fahrzeuglogistiker 2024 große Flächen am Rüstersieler Groden gesichert. NPorts bezeichnet den Umschlag neuer und gebrauchter Fahrzeuge inzwischen ausdrücklich als relativ neues Marktsegment des Hafens. Der Standort besitzt zudem einen infrastrukturellen Vorteil: Der JadeWeserPort ist Deutschlands einziger Tiefwasser-Containerterminal und kann entsprechend große Seeschiffe unabhängig von den üblichen Tiefgangsbeschränkungen anderer deutscher Häfen aufnehmen.

China-Autos verändern die Fahrzeuglogistik

Für Mosolf geht es allerdings um mehr als zusätzliche Stellplätze. Chinesische Hersteller bauen ihre Logistik nach Europa zunehmend selbst auf. BYD verfügt mittlerweile ebenso über eigene Autotransporter wie der SAIC-Konzern. Damit verändern sich nicht nur die Mengen, sondern auch Transportwege und Anlaufhäfen. Für europäische Fahrzeuglogistiker wird deshalb entscheidend, an welchen Häfen sie Flächen, Umschlagmöglichkeiten und Hinterlandverbindungen anbieten können. Mosolf will sich offenbar frühzeitig möglichst große Teile dieser Transportkette sichern. Der neue Wilhelmshavener Terminal würde dabei direkt mit anderen großen europäischen Automobilhäfen konkurrieren, nicht zuletzt mit dem benachbarten Bremerhaven.

Mosolf schaut bereits nach Frankreich und Italien

Wilhelmshaven ist deshalb nur ein Teil der Pläne. Nach Angaben Oestreichs prüft Mosolf zusätzlich einen Standort im Raum Marseille und sucht auch in Italien nach Möglichkeiten für einen weiteren Hafenstandort. Dahinter stehen Veränderungen der internationalen Schifffahrtsrouten. Chinesische Reedereien transportieren Fahrzeuge über den Suezkanal ins Mittelmeer und können sie dort auf europäische Hinterlandverkehre verteilen. Wer als Fahrzeuglogistiker an diesen Einfallstoren nicht vertreten ist, riskiert, einen Teil der nachgelagerten Logistik zu verlieren. Mosolf versucht daher, sein bisher stark europäisch geprägtes Netzwerk näher an die globalen Warenströme heranzurücken.

Oestreich soll Mosolf internationaler machen

Das passt zu der Strategie, die Patrick Oestreich bei seinem Amtsantritt angekündigt hatte. Der frühere Manager von DB Schenker und Hellmann hat Anfang Juli den Vorstandsvorsitz von Jörg Mosolf übernommen. Damit wechselte die operative Führung des Familienunternehmens erstmals zu einem externen Manager. Seine Aufgabe ist klar umrissen: Mosolf soll internationaler werden, neue Geschäftsfelder erschließen und wachsen. Nun wird konkreter, wie das aussehen könnte. Neben zusätzlichen europäischen Hafenstandorten nimmt Oestreich auch Indien ins Visier. Innerhalb der kommenden 18 Monate will Mosolf nach seinen gegenüber dem Handelsblatt gemachten Angaben einen Zugang zum indischen Markt schaffen. Hintergrund ist, dass auch Hersteller wie Tata Motors und Maruti Suzuki zunehmend Exportmöglichkeiten Richtung Europa nutzen.

Mosolf denkt über Indien-Europa-Korridor nach

Mosolf denkt dabei offenbar bereits in einer größeren Transportachse. Oestreich spricht von einem geplanten India-Middle-East-Europe-Korridor. Damit könnte das Unternehmen Fahrzeugströme aus Indien über den Nahen Osten bis nach Europa logistisch begleiten. Dass solche internationalen Strategien allerdings auch neue Risiken mit sich bringen, erlebt Mosolf derzeit selbst. Kurz vor der jüngsten Eskalation am Persischen Golf eröffnete das Unternehmen im Hafen Jebel Ali in Dubai einen Fahrzeugumschlagplatz mit rund 1.000 Stellplätzen. Wegen der angespannten geopolitischen Lage prüft Mosolf laut Handelsblatt inzwischen Alternativen, darunter den Hafen Fudschaira außerhalb der Straße von Hormus.

Eine Milliarde Euro Umsatz bis 2030

Hinter den Hafenprojekten steht schließlich ein ambitioniertes Wachstumsziel. Mosolf erzielte zuletzt nach Angaben Oestreichs 767 Millionen Euro Jahresumsatz. Bis 2030 soll die Marke von einer Milliarde Euro erreicht werden, bei gleichzeitig steigender Rendite. Wachstum soll dabei nicht ausschließlich organisch entstehen. Mosolf prüft weitere Übernahmen und hat dabei nach Angaben seines Vorstandschefs insbesondere auch andere Familienunternehmen im Blick. Ein Beispiel für diese Strategie ist die Anfang 2025 übernommene Transport Overseas Group. Der Spezialist transportiert unter anderem Baumaschinen, Eisenbahnwaggons und andere schwere Güter. Das eröffnet zugleich interessante Möglichkeiten für die Fahrzeuglogistik: Solche Ladungen können beispielsweise als Rückfracht dienen, wenn RoRo-Kapazitäten ansonsten leer Richtung Asien zurückkehren würden.

In Kürze: die Key Facts

  • Projekt: neuer Multipurpose-Terminal bei Wilhelmshaven
  • Nutzer: Mosolf plant eine langfristige Pacht
  • Bauherr: Niedersachsen Ports (NPorts)
  • Geplante Kaikante: nach Mosolf-Vorstellung rund 900 Meter
  • Schwerpunkt: Fahrzeugimporte aus China, unter anderem BYD, MG und Geely
  • Mosolf-Anteil: nach Unternehmensangaben rund 70 Prozent der deutschen Kfz-Importe aus China
  • Heute: rund 35.000 Stellplätze im Wilhelmshavener Innenhafen
  • Bahntransport: monatlich etwa 8.500 bis 9.000 Fahrzeuge
  • Weitere Nutzung: unter anderem Windkraftkomponenten und militärische Güter vorgesehen
  • Mosolf-Ziel: eine Milliarde Euro Umsatz bis 2030