Milliardendeals prägen den Markt

M&A in der globalen Logistikbranche
Milliardendeals prägen den Markt

Die Zahl großer Übernahmen und Beteiligungen im Transport- und Logistiksektor bleibt trotz geopolitischer Unsicherheiten hoch. Zugleich verändern strategische Allianzen und neue Handelskorridore den Markt nachhaltig. Welche Entwicklungen dahinterstehen.

M&A
Foto: ETM/KI-generiert via OpenAI

Die globale Transport- und Logistikbranche bleibt trotz geopolitischer Spannungen ein attraktiver Markt für Übernahmen und Beteiligungen. Das zeigt das aktuelle „Transport & Logistics Barometer“, das PwC Deutschland gemeinsam mit seiner globalen Strategieberatung Strategy& veröffentlicht hat. Im ersten Halbjahr 2026 wurden weltweit 105 Transaktionen mit einem Mindestwert von 50 Millionen US-Dollar angekündigt. Damit lag die Zahl der Deals nur knapp unter dem Vorjahreswert von 108 Transaktionen. Gleichzeitig stieg der Gesamtwert um 2,9 Prozent auf 64,3 Milliarden US-Dollar. Nach Einschätzung von PwC konzentrieren sich Investoren zunehmend auf Unternehmen und Vermögenswerte, die Lieferketten widerstandsfähiger machen, den Zugang zu wichtigen Logistiknetzwerken sichern oder stabile Erträge versprechen. Das durchschnittliche Transaktionsvolumen lag mit 612,4 Millionen US-Dollar deutlich über dem langjährigen Mittel.

Großtransaktionen bleiben gefragt

Besonders auffällig ist die hohe Zahl milliardenschwerer Übernahmen. Zwischen Januar und Juni wurden weltweit 17 sogenannte Mega-Deals mit einem Volumen von jeweils mehr als einer Milliarde US-Dollar angekündigt. Solche Transaktionen seien auch in einem vorsichtigen Marktumfeld möglich, wenn sie Skaleneffekte schaffen oder den Zugang zu strategisch wichtigen Logistiknetzwerken sichern. Als zusätzlicher Treiber gelten geopolitische Risiken. Die Störungen des Schiffsverkehrs rund um die Straße von Hormus hätten erneut gezeigt, wie anfällig globale Handelsrouten und Lieferketten sind.

Logistik führt die M&A-Statistik an

Am aktivsten zeigte sich der Teilsektor Logistik und Güterverkehr. Auf ihn entfielen 45 der insgesamt 105 angekündigten Transaktionen mit einem Gesamtwert von 24,5 Milliarden US-Dollar. Im zweiten Halbjahr 2025 hatte dieser Wert noch bei 8,2 Milliarden US-Dollar gelegen. Die Schifffahrt folgte mit 27 Transaktionen und einem Gesamtvolumen von 16,6 Milliarden US-Dollar. Infrastrukturinvestitionen fielen dagegen selektiver aus und konzentrierten sich vor allem auf Häfen, Straßen und Terminalanlagen. Regional lag Asien und Ozeanien – also Australien, Neuseeland und die pazifischen Inselstaaten – mit 68 angekündigten Transaktionen vorn. Europa erreichte dagegen mit 27 Transaktionen einen besonders hohen Gesamtwert von 30,3 Milliarden US-Dollar.

Strategische Partnerschaften gewinnen an Gewicht

Neben klassischen Unternehmensübernahmen setzen Transport- und Logistikunternehmen verstärkt auf Joint Ventures und strategische Allianzen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden weltweit bereits 105 entsprechende Kooperationen angekündigt. Das entspricht einem Plus von rund 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Nach Einschätzung von PwC ermöglichen solche Partnerschaften den Unternehmen, neue Kompetenzen schneller aufzubauen und ihre Netzwerke widerstandsfähiger zu gestalten, ohne zwingend auf vollständige Übernahmen angewiesen zu sein.

Golfstaaten werden wichtiger Logistikknoten

Ein zentrales Thema der Studie ist die wachsende Bedeutung der Golfregion für den Welthandel. Die Spannungen rund um die Straße von Hormus beeinträchtigen Handelsströme im Wert von rund 650 Milliarden US-Dollar sowie 20 bis 25 Prozent der weltweiten Öltransporte. Gleichzeitig profitieren die Staaten des Golf-Kooperationsrats von ihrer geografischen Lage zwischen Europa, Asien und Afrika sowie von umfangreichen Investitionen in Häfen, Flughäfen und Binneninfrastruktur. Käufer oder Zielunternehmen aus der Region waren im ersten Halbjahr an zwölf Transaktionen mit einem Gesamtwert von rund 7,1 Milliarden US-Dollar beteiligt und übertrafen damit bereits den Gesamtwert des Jahres 2025.

Strategische Qualität wichtiger als Wachstum

Für den weiteren Jahresverlauf erwartet PwC eine anhaltend selektive Deal-Aktivität. Investitionen dürften sich vor allem auf Vermögenswerte konzentrieren, die robuste Lieferketten unterstützen, stabile Cashflows bieten und eine klare strategische Funktion erfüllen. Ergänzend dazu gewinnen Kooperationen etwa in den Bereichen autonome Mobilität, digitale Frachtplattformen und Verteidigungslogistik weiter an Bedeutung.