Logistik-Start-up Senvo: Mit sauberen Daten sparen

Logistik-Start-up Senvo
Mit sauberen Daten sparen

Senvo digitalisiert und automatisiert die Frachtrechnungsprüfung – CEO Marie Kober wünscht sich mehr Gründerinnen in der Logistikbranche.

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Foto: Adobe Stock - Nata

Die Rechnungsprüfung ist in Unternehmen häufig ein aufwendiger und manuell durchgeführter Prozess. Das stellte auch Marie Kober während ihrer Station bei dem internationalen KEP-Dienstleister DHL Express fest. Sie arbeitete dort fünf Jahre lang als Account Manager und fragte sich irgendwann: „Warum macht das keine Software?“ So entstand die Idee für ihr Start-up Senvo, das sie im Februar 2023 zusammen mit dem Softwareentwickler Dr. Ulas Türkmen gründete. Senvo digitalisiert und automatisiert die Frachtrechnungsprüfung und liefert Daten, mit deren Hilfe die Kunden ihre Prozesse optimieren können.

Die beiden Gründer begannen praktisch bei null und bauten sich in der Logistikbranche und in der Berliner Gründerszene ein Netzwerk auf. Am besten gelinge das nach wie vor über persönliche Kontakte, Kober besucht viele Messen. „Ich liebe die Logistikbranche“, sagt Kober im Gespräch mit trans aktuell. Die Branche sei offen, schnelllebig und überhaupt nicht verstaubt.

Bekannte Investoren finanzieren Senvo

In der ersten Finanzierungsrunde erhielt Senvo ein Startkapital von 2,5 Millionen Euro – unter anderem von Defy.vc, einem Venture Capital (VC)-Unternehmen aus dem Silicon Valley und in der Branche bekannten Privatinvestoren wie Mike Roth. Das Geschäftsmodell passe zu der aktuellen Situation, in der Unternehmen immer digitaler und datengetriebener werden. Zudem fordern die wirtschaftlich schwierige Lage und der Fachkräftemangel effiziente Abläufe.

Marie Kober, CEO Senvo
Senvo

„Wir haben das beste Rechnungsprüfsystem in Europa und kommen auf hohe Ersparnisbeträge“, sagt Marie Kober, CEO bei Senvo.

Der Prozess der Frachtrechnungsprüfung werde in der Regel semi-manuell und stichprobenartig durchgeführt. Senvo prüfe jede einzelne Position hinsichtlich Korrektheit und Anwendbarkeit. „Sprich: Ist der Zuschlag korrekt und darf er überhaupt angewendet werden?“, erklärt Kober, CEO bei Senvo. Co-Gründer Türkmen ist Chief Technology Officer (CTO) des Unternehmens. „Wir betreuen den gesamten Prozess, vom Rechnungseingang bis zum -ausgang“, sagt Kober.

2025 war ein erfolgreiches Jahr

Die eigens entwickelte Software prüft die Rechnungen, die Transportdienstleister ihren Auftraggebern stellen und macht Fehlbeträge geltend. „Wir haben das beste Rechnungsprüfsystem in Europa und kommen auf hohe Ersparnisbeträge“, so Kober. 2025 war für Senvo, was Volumina und Datenmange angeht, ein erfolgreiches Jahr. „Wir hatten ein sehr gutes Jahr, weil wir ein Unternehmen sind, das hilft, Kosten zu sparen.“ Das Berliner Start-up zählt mittlerweile europaweit 26 Kunden – darunter 3PL wie der Logistikdienstleister GXO und E-Commerce-Unternehmen wie Reifen.com und Autodoc. Wichtig sei ein großes Sendungsvolumen. Als nächstes sollen Speditionen als Kunden dazukommen.

Neben der Rechnungsprüfung vergleicht das Unternehmen auch Preise und hilft, in der Marge Preise aufzuschlagen. Das Reklamationsmanagement und der Vergleich von Maßen und Gewichten zählen ebenfalls zu den Dienstleistungen. Vor allem aber stellt Senvo den Kunden saubere Rechnungs- und Trackingdaten auf Sendungsebene bereit. Dazu werden die Originaldaten der Transportdienstleister verwendet. Bei einzelnen Schritten wie dem Bereitstellen der Tracking-Daten kommt Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz. Senvo liefert laut Kober die Lego-Bausteine und die Kunden sollen daraus ihr Haus bauen. Das heißt vor allem: für mehr Effizienz sorgen.

Station bei DHL Express

„Es hilft, dass ich bei DHL Express einen Carrier von Innen gesehen habe. So kann ich operative Themen anders einordnen“, sagt Kober, die 2022 ihren MBA gemacht hat. Der Abschluss habe bei der Validierung geholfen: Handelt es sich um ein sinnvolles Produkt oder nicht? Dennoch vertritt die Gründerin die Ansicht: „Gründen kann man nicht unterrichten, das muss man machen.“ Das wollte sie schon während ihres Bachelor-Studiums in Virtuellem Design tun und gründete kleine Unternehmen. Das Thema VC war aber noch weit entfernt. Stattdessen schrieb sie 2015 ein Buch und wechselte im Januar 2016 zu DHL Express.

Im B2B-Bereich sollten mehr Frauen gründen

Kober wünscht sich mehr Frauen, die gründen, vor allem im B2B-Bereich. Auch vor VC sollten sie sich nicht scheuen. „Ich denke, dass Frauen sehr gute Unternehmerinnen sind“, sagt die 38-Jährige. Das Senvo-Team besteht zur Hälfte aus Frauen. Für ein Logistik-Start-up im Technologiebereich sei das eine hohe Quote. Auch auf Investorenseite erhält Senvo Unterstützung von Frauen. Lisa-Marie Fassl und Nina Wöss, Gründerinnen des VC-Funds „Fund F“ mit Sitz in Wien, beteiligen sich an dem Start-up.

Seit dem Softlaunch Ende 2023 und dem offiziellen Marktstart Anfang des Jahres 2025 ging es für Senvo stets nach oben. Eine weitere Investorenrunde ist angestrebt, Mitte 2026 will Senvo schließlich profitabel sein. Marie Kobers Mut, zu gründen, wird belohnt.

Das Unternehmen

  • Senvo digitalisiert die Frachtrechnungsprüfung für 3PL, Fulfillment-Dienstleister und E-Commerce-Unternehmen. Speditionen sollen als weitere Kundengruppe hinzukommen.
  • Sitz in Berlin.
  • CEO: Marie Kober, CTO: Dr. Ulas Türkmen.
  • 13 Mitarbeitende.
  • 2,5 Millionen Kapital aus einer ersten Finanzierungsrunde.