Der badische Logistikdienstleister Logistik Schmitt hat einen Meilenstein bei der Dekarbonisierung seiner Transportflotte erreicht. Seit Jahresbeginn 2026 fährt die Hälfte des firmeneigenen Fuhrparks elektrisch. Mehr als 50 batterieelektrische Lkw sind inzwischen im operativen Einsatz. Für ein mittelständisches Unternehmen dieser Größe ist das in Deutschland bislang nahezu einzigartig.
Langfristig angelegte Transformation bei Logistik Schmitt
Der Schritt ist Teil einer langfristig angelegten Transformationsstrategie. Bereits 2019 startete Logistik Schmitt mit einem Prototyp des Mercedes-Benz eActros 300 in den Praxistest. Seither wurde der Hochlauf der Elektromobilität konsequent vorangetrieben – flankiert von massiven Investitionen in Fahrzeuge, Ladeinfrastruktur, Speicherlösungen und Photovoltaik. Insgesamt investiert das Unternehmen einen zweistelligen Millionenbetrag in den Aufbau eines eigenen Elektro-Ökosystems.
Breiter Fahrzeugmix für unterschiedliche Einsatzprofile
Heute betreibt Logistik Schmitt mehr als 50 Elektro-Lkw verschiedener Hersteller und Konfigurationen. Zum Fuhrpark zählen rund zwei Dutzend Mercedes-Benz eActros 600 für den Fernverkehr sowie ein weiteres Dutzend MAN eTGX in Lowliner-Ausführung. Ergänzt wird die Flotte durch eActros-300-Zugmaschinen für den Nah- und Regionalverkehr sowie zwei Volvo FM Electric. Neu hinzugekommen sind elektrische Spezialfahrzeuge von Terberg. Diese übernehmen Rangier- und Umsetzverkehre von Trailern und Wechselbrücken auf dem Gelände eines Automobilherstellers. Insgesamt umfasst der Eigenfuhrpark rund 100 Einheiten – der Dieselanteil soll schrittweise weiter sinken.
Wirtschaftlichkeit statt Leuchtturmprojekt

Für Geschäftsführer Rainer Schmitt ist der Einsatz der Elektro-Lkw längst ein belastbarer Business Case.
Für Geschäftsführer Rainer Schmitt ist klar: Mit der aktuellen Flottengröße ist Elektromobilität kein Demonstrationsprojekt mehr. „Bei 50 Elektro-Trucks muss der Betrieb ein belastbarer Business Case sein“, sagt er. Entscheidend seien dabei zwei Faktoren: hohe Produktivität und niedrige Stromkosten. Hohe Auslastung erzielt Logistik Schmitt vor allem in der Automotive-Logistik. Elektro-Lkw fahren dort im Mehrschichtbetrieb auf hochfrequenten Shuttle-Relationen.
Grenzüberschreitende Fernverkehre mit Elektro-Lkw
Zusätzlich organisiert das Unternehmen grenzüberschreitende Fernverkehre mit Elektro-Lkw – unter anderem auf der rund 900 Kilometer langen Relation von Bühl nach Szombathely in Westungarn. Die hohen Laufleistungen wirken sich besonders stark auf die Wirtschaftlichkeit aus, da Elektro-Lkw in Deutschland bis 2031 von der Lkw-Maut befreit sind.
Depotladen als Schlüssel zur Kostenkontrolle
Zentral für den wirtschaftlichen Betrieb ist aus Sicht von Logistik Schmitt ein günstiger Strompreis. Dieser wird nahezu ausschließlich über das Depotladen realisiert. „Mit öffentlichen Ladesäulen allein wäre kein tragfähiges Kostenmodell darstellbar“, erklärt Schmitt. Fünf Unternehmensstandorte sind bereits elektrifiziert. Insgesamt stehen 13 Lkw-Ladepunkte mit Ladeleistungen von bis zu 400 Kilowatt zur Verfügung. Ein intelligentes Lastmanagement sorgt dafür, dass die Energie effizient verteilt wird. Öffentliche Ladepunkte werden nur ergänzend genutzt, etwa auf Langstreckenverkehren ins Ausland.
Neue Logistikhalle schließt den Energiekreislauf
Aktuell investiert Logistik Schmitt am Stammsitz in Bietigheim in den nächsten Baustein seiner Elektrifizierungsstrategie. Dort entsteht eine neue Logistikhalle mit 7.500 Quadratmetern Fläche, deren Inbetriebnahme für Mitte 2026 geplant ist. Auf dem Dach wird eine Photovoltaikanlage installiert, ergänzt um einen stationären Batteriespeicher mit mindestens einem Megawatt Leistung.
Kontraktlogistik-Halle als Energieknotenpunkt
Die Halle dient zugleich als Energieknotenpunkt und als Kontraktlogistikstandort. Sie ist für Gefahrstoffe ausgelegt und ermöglicht die Lagerung und Kommissionierung von Hochvoltbatterien und weiteren Komponenten für elektrische Antriebsstränge. Damit positioniert sich Logistik Schmitt frühzeitig in einem Segment, dessen Nachfrage mit dem Hochlauf der Elektromobilität deutlich wachsen dürfte.
Beispiel für industrielle Skalierung der Elektromobilität
Der Ansatz von Logistik Schmitt zeigt, dass Elektromobilität im Schwerlastverkehr auch im Mittelstand skalierbar ist – vorausgesetzt, Fahrzeugeinsatz, Ladeinfrastruktur und Energieerzeugung werden als integriertes Gesamtsystem gedacht. Der Fokus liegt dabei nicht auf Symbolprojekten, sondern auf reproduzierbaren, wirtschaftlich belastbaren Lösungen für den Regelbetrieb.






