Die Logistikbranche wird oft als schnell, flexibel oder effizient beschrieben. Das Adjektiv „weiblich“ fällt vielen Menschen wohl nicht gleich als erstes ein. Besonders, wenn es um Führungspositionen in der Logistik geht, sind Frauen unterrepräsentiert. Dass Logistik eben doch weiblich ist, will die gleichnamige Initiative „Logistik ist weiblich“ zeigen, die Frauen in den Bereichen Mobilität, Transport und Logistik fördert.
„Logistik ist weiblich“: Initiative stärkt Frauen in der Branche
Die Initiative der Logistik Initiative Bayern und des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr, setzt sich für mehr Chancengleichheit, attraktivere Arbeitsplätze und Entwicklungspotenziale für Frauen ein. Regelmäßig zeichnet die Initiative Menschen wie Unternehmen, Engagement oder Projekte aus, die die Logistikbranche weiblicher machen (siehe Kasten).
Ruth Pflaum übernimmt Vorsitz bei „Logistik ist weiblich“
Ruth Pflaum, Inhaberin des Logistikdienstleisters Pflaum Logistik mit Sitz in Strullendorf bei Bamberg, ist seit Ende 2025 Vorsitzende des Beirats von „Logistik ist weiblich“. Sie selbst wurde 2023 erstmalig in der Kategorie „Karriere“ für ihre Leistungen geehrt. Pflaum verfolgt nach eigenen Angaben seit jeher die Vision, die Attraktivität der Logistikberufe für qualifizierte Frauen zu steigern. „Die Wahl zur Vorsitzenden ist für mich ein Mandat, die Sichtbarkeit von Frauen in unserer Branche noch entschlossener voranzutreiben“, so Pflaum, die zudem Vizepräsidentin des Landesverbands Bayerischer Spediteure (LBS) ist.

Der Vorstand des Beirats der Initiative „Logistik ist weiblich“: Diana Simeth (Graßl Logistik), Ruth Pflaum (Pflaum Logistik) und Dr. Larissa Eger (NeoCargo), von links.
Dr. Larissa Eger und Diana Simeth unterstützen Pflaum
Ihre Stellvertreterinnen Dr. Larissa Eger, Gründerin und Vorständin Vertrieb des Karlsruher LogTech-Unternehmens NeoCargo, und Diana Simeth, Personalleiterin bei Graßl Logistik aus Plattling (Bayern), unterstützen sie. „Die Logistik ist keine laute Branche, die Menschen sollen ihre Vielseitigkeit verstehen und die verschiedenen Berufe in Transport und Logistik kennen“, erklärt Eger ihre Motivation. Die Logistik und die Frauen, die in der Branche arbeiten, müssten sichtbarer werden. „Wenn es um Transport und Logistik geht, hört man immer nur, was schiefläuft“, sagt Simeth. Es gehe bei der Initiative um das Aufzeigen der vielen positiven Aspekte und vielfältigen Chancen, die Transport und Logistik für engagierte Frauen bieten.“
Austausch, Mentoring und berufliche Unterstützung im Fokus
Pflaum und Eger engagieren sich seit der Gründung bei „Logistik ist weiblich“, Simeth macht seit 2023 mit. Die bayerische Staatsministerin Kerstin Schreyer war an der Gründung von „Logistik ist weiblich“ beteiligt. Sie fand am 14. Juli 2021 an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) statt. Bei der Initiative geht es laut Pflaum längst nicht nur um die Auszeichnung von hervorragender Leistung. Vor allem der gemeinsame Austausch sei wichtig. Bei einer Reihe von Veranstaltungen stellt die Initiative eine Flagge auf, um die sich immer einige Frauen gruppieren. „Das ist ein einfacher Einstieg, wenn du neu bist. Jede und jeder wird mit offenen Armen empfangen“, sagt Eger. Networking und neue Kontakte sind ein zentraler Mehrwert von „Logistik ist weiblich“.
Ein wesentliches Qualitätsmerkmal des Netzwerks und oberstes Gebot seien die gegenseitige berufliche Unterstützung und eine loyale Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Um die Strahlkraft der Initiative zu erhöhen, initiierte Pflaum Anfang des Jahres das neue Netzwerk-Format. Es richtet sich an alle Frauen der Branche – von der Nachwuchskraft bis zur Geschäftsführung. Auch männliche Mitstreiter sind ausdrücklich eingeladen, die Initiative als „Allies“ zu unterstützen und die „Frauenpower“ im Sinne einer modernen Unternehmenskultur mitzutragen, so Pflaum.
Neues Netzwerk-Format für mehr Reichweite
Die Mitgliedschaft im Netzwerk kostet 50 Euro im Jahr. Die Teilnahme an Veranstaltungen ist inklusive. Nur die am „Tag der Logistik ist weiblich“, einem eigens organisierten Event am Tag der Logistik, koste etwas extra. „Dieses Format gibt es nur bei uns und bietet eine einzigartige Plattform für fachspezifische Synergien“, sagt Pflaum. Nach der erfolgreichen Premiere im Vorjahr findet das Event am 16. April bereits zum zweiten Mal statt.
„Unser Fokus liegt klar auf logistischen Fachthemen, wodurch wir uns als Kompetenz-Netzwerk positionieren“, sagt Eger. Das Netzwerk von „Logistik ist weiblich“ ist laut Pflaum strikt „fachlich-getrieben“ und legt Wert auf eine seriöse Business-Atmosphäre.
Linkedin-Serie macht Kompetenz von Frauen sichtbar
Auf dem Karriere-Portal Linkedin stellt sich der Beirat von „Logistik ist weiblich“ nach und nach vor. „Die Linkedin-Reihe soll zeigen, wie viel Kompetenz wir haben“, sagt Eger. Denn Frauen müssten ihre Kompetenz oft erstmal beweisen. Dem stimmt Simeth zu: „Als Frau musst du fachlich mehr überzeugen und Beweise für deine Kompetenz liefern.“ Berufseinsteigerinnen rät sie, sich nicht zu verstecken. „Mut zur Verantwortung und die aktive Mitgestaltung der eigenen Karriere sind entscheidend“, sagt Pflaum.
Eger kennt herausfordernde Situationen aus ihrer Anfangszeit als junge Gründerin: „Der Anfang war äußerst anspruchsvoll.“ Dass eine knapp 30-jährige Chefin sich mit IT und Digitalisierung besser auskennt als viele Männer, erschwerte ihren Start in der Logistikbranche. „Mein Doktortitel war zu Beginn meiner Karriere wichtig, um ernst genommen zu werden“, so Eger. Mittlerweile habe sich das gelegt, weil NeoCargo in der Branche bekannt ist. Der Aufsichtsrat von NeoCargo stehe voll hinter ihr. Es komme eben vor allem auf gegenseitige Wertschätzung an.
Sichtbarkeit für die exzellente Arbeit von Frauen
„Logistik ist weiblich“ agiert laut Pflaum, Eger und Simeth als Multiplikator für diese Entwicklung und sorgt dafür, dass die exzellente Arbeit von Frauen in der Branche Sichtbarkeit wie Anerkennung findet, die sie verdient. Logistik ist – ganz im Sinne der Beiratsvorsitzenden – eben weiblich.
Die Initiative „Logistik ist weiblich“
- „Logistik ist weiblich“ ist eine Initiative der Logistik Initiative Bayern und dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr und fördert Frauen in den Bereichen Mobilität, Transport und Logistik.
- Ein Gutachter-Gremium ermittelt die Auszeichnung in vier Kategorien „inspiration ist weiblich“, „strategie ist weiblich“, „courage ist weiblich“ und „karriere ist weiblich“.
- Zum Beirat gehören rund 15 Menschen aus der Mobilitäts-, Transport- und Logistikbranche. Die Vorsitzende ist Ruth Pflaum, ihre Stellvertreterinnen sind Dr. Larissa Eger und Diana Simeth.
- Zum Jahresbeginn hat die Beiratsvorsitzende Pflaum die Ausweitung des Netzwerks „Logistik ist weiblich“ über die Grenzen Bayerns hinaus initiiert.






