Parken, laden, Strom erzeugen: Pillar hat Solarcarports speziell für schwere Lkw entwickelt. Über rund 50 Stellplätzen sollen je nach Konfiguration etwa 900 kWp Photovoltaikleistung möglich sein – ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln.
Münchner Unternehmen Pillar sieht enormes Potenzial
Denn die Elektrifizierung schwerer Lkw stellt Logistikunternehmen nicht nur vor die Frage, welche Fahrzeuge sie anschaffen. Mindestens ebenso wichtig wird: Woher kommt künftig der Strom für die Flotte? Das Münchner Engineering-Unternehmen Pillar will dafür eine Fläche erschließen, die an Logistikstandorten ohnehin vorhanden ist: den Lkw-Parkplatz. Das Unternehmen hat eine Solarcarport-Modellreihe entwickelt, die speziell auf schwere Nutzfahrzeuge zugeschnitten ist. Das Potenzial ist beträchtlich. Eine Anlage über rund 50 Lkw-Stellplätzen kann laut Pillar je nach Auslegung etwa 900 kWp Photovoltaikleistung erreichen. Dafür muss keine zusätzliche Fläche versiegelt werden.
Aus dem Lkw-Parkplatz wird ein Energielieferant
Photovoltaikanlagen finden sich an Logistikstandorten bislang vor allem auf den großen Hallendächern. Mit dem Hochlauf elektrischer Lkw könnte nun auch der Parkplatz stärker in den Fokus rücken. Der Grund ist das Depotladen. Wenn künftig nicht einzelne, sondern Dutzende schwere E-Lkw während ihrer Standzeiten geladen werden, steigt der Leistungsbedarf eines Logistikstandorts erheblich. Gerade vorhandene Netzanschlüsse können dabei zum Engpass werden. Pillar sieht Solarcarports deshalb nicht nur als Überdachung, sondern als Bestandteil der Energieversorgung eines Depots. Der vor Ort erzeugte Solarstrom kann direkt genutzt werden. Batteriespeicher könnten zusätzlich Erzeugung und Verbrauch zeitlich entkoppeln und dabei helfen, Lastspitzen zu reduzieren. Eine vollständige Versorgung größerer E-Lkw-Flotten allein durch die Photovoltaikanlage lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Wie viel Solarstrom tatsächlich erzeugt und für die Fahrzeuge genutzt werden kann, hängt unter anderem von Standort, Anlagengröße, Wetter, Ladezeiten und Strombedarf der Flotte ab.
Lkw stellen besondere Anforderungen an Solarcarports
Was bei Pkw-Parkplätzen inzwischen häufiger zu sehen ist, lässt sich nicht ohne Weiteres auf schwere Nutzfahrzeuge übertragen. Lkw benötigen deutlich mehr Durchfahrtshöhe und größere Spannweiten. Gleichzeitig dürfen Stützen und Konstruktion Rangierwege und den laufenden Betrieb möglichst wenig beeinträchtigen. Bei schräg angeordneten Stellplätzen muss das System zudem stärker an die jeweilige Verkehrsführung angepasst werden. Hinzu kommen standortspezifische Faktoren wie Bodenbeschaffenheit sowie Schnee- und Windlasten. Trotz standardisierter Komponenten bleibt ein Lkw-Solarcarport deshalb ein individuell geplantes Bauprojekt. Wo es die Bedingungen zulassen, setzt Pillar auf Schraubfundamente. Dadurch soll sich der Einsatz von Beton reduzieren und die Bauausführung vereinfachen lassen.
Ab 20 Lkw-Stellplätzen soll es wirtschaftlich werden
Für parallel angeordnete Stellplätze hat Pillar skalierbare Modelle entwickelt. Nach Einschätzung von Geschäftsführer und Gründer Vasyl Betsa können solche Anlagen ab etwa 20 Lkw-Stellplätzen wirtschaftlich eingesetzt werden. Kleinere Lösungen bis hin zu einzelnen Stellplätzen seien ebenfalls möglich, beispielsweise für Pilotprojekte. Bei größeren Depots könne die installierte PV-Leistung vom hohen dreistelligen Kilowatt-Peak-Bereich bis in den Megawattbereich reichen. Interessant für Flottenbetreiber: Der Solarcarport muss nicht gleichzeitig mit der Ladeinfrastruktur entstehen. Nach Angaben von Pillar können Ladepunkte und Batteriespeicher später ergänzt und in die Energieversorgung des Standorts eingebunden werden.
Parkplatz und Ladeinfrastruktur zusammendenken
Für Logistikunternehmen wird damit eine Fläche interessant, die bislang vor allem einem Zweck diente: Lkw abzustellen. Mit dem Ausbau der Elektromobilität könnten große Stellplätze künftig gleichzeitig Parkraum, Ladeort und Standort für die eigene Stromerzeugung sein. Ob sich das wirtschaftlich rechnet, muss allerdings für jedes Depot separat betrachtet werden. Pillar selbst verweist darauf, dass Strombedarf, Flächengröße und mögliche Energieerzeugung individuell zusammenpassen müssen. Nach Unternehmensangaben liegen bereits erste Anfragen aus der Logistikbranche vor.
In Kürze: die Key Facts
- Unternehmen: Pillar
- Produkt: Solarcarport-Systeme speziell für schwere Nutzfahrzeuge
- Beispielgröße: rund 50 Lkw-Stellplätze
- PV-Leistung: je nach Auslegung etwa 900 kWp
- Flächennutzung: bestehende Lkw-Parkplätze, keine zusätzliche Flächenversiegelung erforderlich
- Wirtschaftlichkeit: laut Pillar bei standardisierten Lösungen ab etwa 20 Lkw-Stellplätzen
- Größere Anlagen: PV-Leistungen bis in den Megawattbereich möglich
- Einsatz: Stromerzeugung an Logistikdepots, insbesondere in Verbindung mit dem Laden von E-Lkw
- Erweiterungen: Ladeinfrastruktur und Batteriespeicher können auch später ergänzt werden
- Konstruktion: größere Höhen und Spannweiten als bei Pkw-Solarcarports; standortbezogene Planung erforderlich
- Fundamente: bei geeigneten Bedingungen sind Schraubfundamente möglich
- Status: Pillar berichtet von ersten Anfragen aus der Logistikbranche; konkrete Kundenprojekte nennt der Hersteller nicht







