Kühne+Nagel hebt Gewinnprognose für 2026 an

Kühne+Nagel hebt Prognose an
Luftfracht und KI sorgen für Rückenwind

Kühne+Nagel startet mit einem starken zweiten Quartal ins zweite Halbjahr. Luftfracht, Effizienzprogramme und KI treiben den Gewinn, gleichzeitig erhöht der Konzern seine EBIT-Prognose für 2026.

Antonow im Auftrag von Kühne + Nagel
Foto: Kühne + Nagel

Der Schweizer Logistikkonzern Kühne+Nagel hat im zweiten Quartal 2026 Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Besonders stark entwickelte sich das Luftfrachtgeschäft, das von Marktanteilsgewinnen und einer Optimierung des Kundenportfolios profitierte. Gleichzeitig trieben Effizienzprogramme und der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Profitabilität der Gruppe weiter nach oben. Vor dem Hintergrund des starken ersten Halbjahres hebt Kühne+Nagel seine Prognose für das operative EBIT im Gesamtjahr 2026 auf 1,35 bis 1,55 Milliarden Schweizer Franken (rund 1,45 bis 1,66 Milliarden Euro) an.

Luftfracht wächst besonders stark

Der wichtigste Ergebnistreiber war erneut die Luftfracht. Der Nettoumsatz stieg im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf 2,2 Milliarden Schweizer Franken (rund 2,35 Milliarden Euro). Das operative Ergebnis (EBIT) legte sogar um 35 Prozent auf 154 Millionen Schweizer Franken (rund 165 Millionen Euro) zu. Die EBIT-Conversion-Rate erreichte 31 Prozent. Nach Unternehmensangaben profitierte Kühne+Nagel vor allem von einer Verbesserung des Kundenportfolios und zusätzlichen Marktanteilen im Technologiesektor. Zudem baute der Konzern seine End-to-End-Logistiklösungen weiter aus. Als Beispiel nennt Kühne+Nagel Transporte zentraler Cloud-Infrastruktur für Google von Asien in die USA.

Seefracht gewinnt Marktanteile trotz schwacher Exporte

Auch die Seefracht entwickelte sich stabil. Zwar blieb das Exportgeschäft aus Europa aufgrund der konjunkturellen Schwäche unter Druck. Dennoch gelang es Kühne+Nagel, Marktanteile auf den wichtigen Handelsrouten zwischen Asien, Europa und Nordamerika zu gewinnen. Effizienzsteigerungen im Netzwerk und konsequentes Kostenmanagement halfen dabei, den Rückgang im Exportgeschäft teilweise auszugleichen. Das Seefrachtgeschäft erzielte im zweiten Quartal einen Nettoumsatz von 2,2 Milliarden Schweizer Franken (rund 2,35 Milliarden Euro) und ein EBIT von 140 Millionen Schweizer Franken (rund 150 Millionen Euro). Die Conversion-Rate verbesserte sich gegenüber dem ersten Quartal auf 29 Prozent. Ende Juni lag das abgewickelte Volumen bei 2,1 Millionen Standardcontainern.

Landverkehr profitiert von Zollabwicklung

Im Landverkehr wuchs der Nettoumsatz um 14 Prozent auf 1,0 Milliarde Schweizer Franken (rund 1,07 Milliarden Euro). Das operative Ergebnis stieg um 29 Prozent auf 36 Millionen Schweizer Franken (rund 39 Millionen Euro). Marktanteilsgewinne in allen Regionen sowie zusätzliche Aktivitäten im Bereich der Zollabwicklung trugen zu diesem Wachstum bei. Seit Mai verantwortet Søren Schmidt die weltweiten Landverkehrsaktivitäten des Unternehmens.

Kontraktlogistik gewinnt Aufträge aus der Tech-Branche

Auch die Kontraktlogistik entwickelte sich positiv. Der Nettoumsatz stieg im zweiten Quartal um zwei Prozent auf 1,2 Milliarden Schweizer Franken (rund 1,28 Milliarden Euro), das EBIT verbesserte sich um 21 Prozent auf 51 Millionen Schweizer Franken (rund 55 Millionen Euro). Kühne+Nagel konnte insbesondere neue Kunden aus dem Technologiesektor gewinnen. Für Cloud-Anbieter sollen dadurch zusätzliche Lagerkapazitäten von mehr als 300.000 Quadratmetern entstehen.

KI soll Prozesse schneller und effizienter machen

Neben den operativen Verbesserungen setzt Kühne+Nagel verstärkt auf Künstliche Intelligenz. CEO Stefan Paul kündigte an, den Einsatz von KI in der gesamten Organisation weiter zu beschleunigen. Neben der Optimierung operativer Prozesse sollen künftig auch KI-Agenten integriert werden. Ziel sind messbare Effizienzsteigerungen und eine höhere Servicequalität. Zusätzlich investiert der Konzern in ein neues IT-Center in Indien, um seine Technologie- und Innovationskompetenz auszubauen.

Einordnung für Logistikunternehmen

Die Zahlen zeigen, dass sich Spezialisierung und Digitalisierung für internationale Logistikdienstleister auszahlen können. Während die konjunkturelle Schwäche im europäischen Exportgeschäft weiter spürbar ist, sorgen wachstumsstarke Branchen wie Cloud-Services und Hightech für zusätzliche Nachfrage. Gleichzeitig wird deutlich, dass Investitionen in Automatisierung und Künstliche Intelligenz zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor werden. Für Logistikunternehmen dürfte die Verbindung aus Prozessautomatisierung, datengetriebenen Entscheidungen und branchenspezifischen End-to-End-Lösungen künftig weiter an Bedeutung gewinnen.

In Kürze: die Key Facts

  • Unternehmen: Kühne+Nagel International
  • Berichtszeitraum: 2. Quartal 2026
  • Nettoumsatz Konzern: 6,6 Mrd. CHF (rund 7,06 Mrd. Euro) (+8 %)
  • EBIT Konzern: 381 Mio. CHF (rund 408 Mio. Euro) (+11 %)
  • Reingewinn: 276 Mio. CHF (rund 295 Mio. Euro) (+10 %)
  • Neue EBIT-Prognose 2026: 1,35 bis 1,55 Mrd. CHF (rund 1,45 bis 1,66 Mrd. Euro)
  • Stärkster Geschäftsbereich: Luftfracht
  • Luftfracht-EBIT: 154 Mio. CHF (rund 165 Mio. Euro) (+35 %)
  • Seefracht: Marktanteilsgewinne trotz schwacher Europa-Exporte
  • Landverkehr: Umsatz 1,0 Mrd. CHF (rund 1,07 Mrd. Euro) (+14 %), EBIT 36 Mio. CHF (rund 39 Mio. Euro) (+29 %)
  • Kontraktlogistik: Umsatz 1,2 Mrd. CHF (rund 1,28 Mrd. Euro) (+2 %), EBIT 51 Mio. CHF (rund 55 Mio. Euro) (+21 %), neue Lagerflächen von über 300.000 m² für Cloud-Anbieter
  • Strategischer Fokus: Künstliche Intelligenz, Effizienzsteigerungen und Prozessautomatisierung