Kühne+Nagel spricht für das Geschäftsjahr 2025 von einem „soliden Ergebnis“ und betont die weltweit führende Position in der See- und Luftfracht. Ein Blick in den vollständigen Annual Report zeigt jedoch ein deutlich differenzierteres Bild: Umsatz, EBIT und Reingewinn sind gegenüber 2024 spürbar zurückgegangen – teils im zweistelligen Prozentbereich.
Konzern: EBIT bricht um rund ein Viertel ein
Der Nettoumsatz der Gruppe lag 2025 bei 24,5 Milliarden Schweizer Franken (rund 25,5 Milliarden Euro), ein leichter Rückgang gegenüber 2024 (24,8 Milliarden Franken, rund 25,8 Milliarden Euro). Deutlich stärker fiel jedoch der operative Gewinn: Das EBIT sank von 1,65 Milliarden Franken (rund 1,72 Milliarden Euro) im Jahr 2024 auf 1,24 Milliarden Franken (rund 1,29 Milliarden Euro) im Jahr 2025. Das entspricht einem Minus von knapp 25 Prozent.
Reingewinn geht ebenfalls deutlich zurück
Auch der Reingewinn ging deutlich zurück, von 1,23 Milliarden Franken (rund 1,28 Milliarden Euro) auf 925 Millionen Franken (rund 962 Millionen Euro) (–24,8 Prozent). Die operative Conversion Rate (EBIT im Verhältnis zum Rohertrag) fiel von 19,1 auf 14,1 Prozent. Damit setzt sich der Margenrückgang der vergangenen Jahre fort. Von einer operativen Stabilisierung auf Konzernebene kann angesichts dieser Entwicklung kaum gesprochen werden.
Landverkehr bleibt strukturell schwach
Besonders im Bereich Road Logistics, der in den vergangenen Quartalen wiederholt als Problembereich identifiziert wurde, zeigt sich weiterhin keine echte Trendwende. Der Geschäftsbereich erzielte 2025 einen Nettoumsatz von 3,5 Milliarden Franken (rund 3,64 Milliarden Euro) bei einem operativen EBIT von lediglich 86 Millionen Franken (rund 89 Millionen Euro). Das Volumen lag bei 24 Millionen Aufträgen und stagnierte damit.
Übernahme von TDN brachte keine Erholung
Bereits im Jahresverlauf 2025 war das europäische Stückgutgeschäft unter Druck geraten. Die anhaltend schwache Industriekonjunktur in Europa belastete die Margen weiter. Zwar stärkte Kühne+Nagel sein Netzwerk durch die Übernahme des spanischen Logistikdienstleisters TDN, doch ein nachhaltiger Erholungseffekt im operativen Ergebnis ist bislang nicht erkennbar. Und auch der Zukauf der Landverkehrssparte von Lohmöller dürfte daran nichts ändern. Im Verhältnis zur Konzernprofitabilität bleibt der Landverkehr damit weiterhin deutlich hinter See- und Luftfracht zurück.
Kontraktlogistik: Rekord-EBIT – aber unter Vorjahr
Kühne+Nagel spricht in der Kontraktlogistik von einer „neuen Bestmarke“ mit einem operativen EBIT von255 Millionen Franken (rund 265 Millionen Euro) bei einem Umsatz von 4,8 Milliarden Franken (rund 4,99 Milliarden Euro). Im relativen Vergleich zeigt sich jedoch auch hier eine schwächere Profitabilität als im Vorjahr. Trotz Expansion, unter anderem durch neue Distributionszentren in Asien, dem Mittleren Osten und Indien, bleibt die Margenentwicklung unter Druck. Die Nachfrage nach integrierten Logistiklösungen ist zwar hoch, doch das volatile Marktumfeld wirkt sich weiterhin auf die Kostenstruktur und Ertragslage aus.
See- und Luftfracht behaupten Marktführerschaft – bei sinkenden Margen
In der Seefracht transportierte Kühne+Nagel 4,3 Millionen TEU, in der Luftfracht 2,2 Millionen Tonnen (+7 Prozent). In der Luftfracht lag das operative EBIT bei 454 Millionen Franken (rund 472 Millionen Euro). Die Volumenentwicklung ist stabil bis positiv, doch auch hier ist die Profitabilität niedriger als im Vorjahr. Der Konzern profitiert nicht mehr von den außergewöhnlich hohen Frachtraten der Pandemie- und Post-Pandemie-Jahre. Der Normalisierungsprozess schlägt sich deutlich in den Margen nieder.
Kostensenkung statt Wachstumsdynamik
Im vierten Quartal 2025 setzte Kühne+Nagel ein Kostensenkungsprogramm von über 200 Millionen Franken (rund 208 Millionen Euro) um. Für 2026 prognostiziert der Konzern ein operatives EBIT zwischen 1,2 und 1,4 Milliarden Franken (rund 1,25 bis 1,46 Milliarden Euro). CEO Stefan Paul betont Effizienzsteigerungen durch verstärkten KI-Einsatz in den kommenden 18 Monaten. Diese sollen die operative Performance verbessern.
Diskrepanz zwischen Kommunikation und Zahlen
In der offiziellen Kommunikation stehen Marktführerschaft und strategische Fortschritte im Vordergrund. Die konsolidierten Zahlen zeigen jedoch:
- Umsatz leicht rückläufig
- EBIT rund 25 Prozent unter Vorjahr
- Reingewinn ebenfalls deutlich gesunken
- Margen in mehreren Geschäftsbereichen unter Druck
- Landverkehr weiterhin strukturell schwach
Der positive Ton der Pressemitteilung steht damit in einem erkennbaren Spannungsverhältnis zur tatsächlichen Ergebnisentwicklung.
Fazit
Kühne+Nagel bleibt ein global führender Logistikkonzern mit starker Marktposition in See- und Luftfracht. Doch das Geschäftsjahr 2025 war erneut von rückläufiger Profitabilität geprägt. Die Normalisierung der Frachtraten, eine schwache europäische Industriekonjunktur und strukturelle Margenprobleme im Landverkehr hinterlassen deutliche Spuren im Zahlenwerk. Für 2026 wird entscheidend sein, ob Effizienzprogramme und KI-Initiativen tatsächlich zu einer nachhaltigen Verbesserung der operativen Marge führen – oder ob sich der Abwärtstrend bei Gewinn und EBIT wie in den vergangenen Jahren fortsetzt.






