Versicherer stärkt Logistikbranche

Delegiertentagung 2026 in Heidelberg
Kravag warnt vor neuen Risiken

Die Kravag hat auf ihrer Delegiertentagung in Heidelberg eine positive Bilanz gezogen. Neben guten Geschäftszahlen bestimmten neue Betrugsrisiken und sicherheitspolitische Herausforderungen die Veranstaltung. Was das für die Logistik bedeutet.

Kravag
Foto: Kravag

Die Kravag sieht sich trotz eines schwierigen Marktumfelds wirtschaftlich gut aufgestellt. Auf der Delegiertentagung in Heidelberg berichtete Dr. Nils Reich, Vorstandsvorsitzender der Kravag-Gesellschaften, über steigende Beitragseinnahmen und stabile Ergebnisse. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 legte die Kravag-Logistic bei den Beitragseinnahmen um 4,8 Prozent auf 614 Millionen Euro zu, die Kravag-Allgemeine um 2,9 Prozent. Bereits im Geschäftsjahr 2025 steigerten die Kravag-Gesellschaften ihre Beitragseinnahmen auf knapp zwei Milliarden Euro. Trotz gestiegener Werkstatt- und Ersatzteilkosten verbesserte sich die Combined Ratio der Kravag-Logistic auf 94,9 Prozent. Reich verwies zudem darauf, dass inzwischen fast jede zweite Sattelzugmaschine im deutschen Güterverkehr bei der Kravag versichert ist.

Rollinger fordert bessere Rahmenbedingungen

Nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung beschäftigte die Delegierten. Dr. Norbert Rollinger, Aufsichtsratsvorsitzender der Kravag und Vorstandsvorsitzender der R+V Versicherung, forderte bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Unternehmen. Hohe Energiekosten, Bürokratie und eine anhaltend schwache Konjunktur belasteten die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Gleichzeitig verwies Rollinger auf die Chancen der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz, etwa bei der Betrugserkennung. Mithilfe von KI habe die R+V bereits Betrugsnetzwerke identifiziert und dadurch einen zweistelligen Millionenbetrag eingespart.

Phantomfrachtführer verursachen hohe Schäden

Ein weiteres Thema war die zunehmende Gefahr durch Phantomfrachtführer. Nach Angaben von Anja Ludwig, Leiterin des Kravag-Kompetenz-Centers Logistik und Mobilität, haben sich Fake Carrier zu einem der größten Betrugsrisiken im Straßengüterverkehr entwickelt. In Deutschland verschwindet inzwischen etwa alle drei Tage eine komplette Lkw-Ladung. Gemeinsam mit den Straßenverkehrsgenossenschaften entwickelt die SVG-Akademie deshalb eine Online-Schulung, die Disponenten und weitere Beschäftigte in Speditionen dabei unterstützen soll, betrügerische Transportaufträge frühzeitig zu erkennen.

Operationsplan stellt Wirtschaft vor neue Aufgaben

Neben Versicherungsfragen rückte auf der Delegiertentagung auch die Sicherheitslage in Europa in den Mittelpunkt. Andreas Fallert vom Landeskommando Baden-Württemberg stellte den Operationsplan Deutschland vor. Er erläuterte, wie Bund, Länder, Bundeswehr und Wirtschaft im Krisen- oder Bündnisfall zusammenarbeiten sollen. Auslöser für die Planungen seien unter anderem der russische Angriff auf die Ukraine und die wachsende Zahl hybrider Angriffe auf kritische Infrastruktur. Ziel sei es, Deutschland auf außergewöhnliche Lagen vorzubereiten und gleichzeitig die Unterstützung der NATO sicherzustellen.

Logistische Drehscheibe

Fallert machte deutlich, dass Deutschland als logistische Drehscheibe der NATO eine Schlüsselrolle einnimmt. Im Ernstfall müssten innerhalb kurzer Zeit Hunderttausende Soldatinnen und Soldaten sowie umfangreiches Material durch das Bundesgebiet verlegt werden. Das werde Straßen, Schienen, Häfen und Flughäfen über Wochen stark beanspruchen. Gleichzeitig rechnet die Bundeswehr mit Einschränkungen im zivilen Verkehr und einer höheren Belastung der Infrastruktur. Deshalb müssten sich auch Unternehmen frühzeitig mit ihrer eigenen Krisenfestigkeit befassen. Zugleich warnte Fallert vor indirekten Folgen für die Wirtschaft. Sollte es im Baltikum zu einem Bündnisfall kommen, könnten Fahrer mit familiären Wurzeln in den betroffenen Staaten in ihre Heimat zurückkehren – etwa um ihre Familien zu unterstützen oder sich an der Landesverteidigung zu beteiligen. Transport- und Logistikunternehmen müssten deshalb nicht nur ihre Lieferketten, sondern auch ihre Personalplanung und Krisenvorsorge auf solche Szenarien vorbereiten.

Ausfallkonzepte entwickeln

Nach Einschätzung Fallerts kann die Bundeswehr diese Aufgabe nicht allein bewältigen. Bei Transporten, Nachschub und weiteren logistischen Leistungen werde sie auf die Unterstützung der Wirtschaft angewiesen sein. In der Diskussion ging es deshalb auch um den Host Nation Support, also die logistische Unterstützung verbündeter NATO-Streitkräfte auf deutschem Staatsgebiet durch Behörden und zivile Unternehmen. Fallert warb dafür, Lieferketten und Notfallkonzepte zu überprüfen sowie Reservistinnen und Reservisten für Übungen freizustellen. Teilnehmer forderten außerdem einen schnelleren Ausbau belastbarer Straßen und Brücken, damit die Infrastruktur den Anforderungen schwerer Militärtransporte künftig besser standhält.