Der Logistikdienstleister Johann Mader mit Hauptsitz in Ansbach hat sein Geschäftsmodell in den vergangenen Jahren erweitert. Neben klassischen Speditions- und Logistikleistungen für die Automobilindustrie positioniert sich das Unternehmen zunehmend als 4PL-Fulfillment-Anbieter für Start-ups und E-Commerce-Unternehmen. Dabei übernimmt Mader nach eigenen Angaben die Rolle eines zentralen „Control Towers“. Das Unternehmen unterstützt Kunden unter anderem bei Beschaffung und Logistik, übernimmt IT- und Beratungsleistungen, optimiert Prozesse und koordiniert verschiedene Unterauftragnehmer. Mader beschäftigt rund 400 Mitarbeiter an den Standorten Ansbach, Nürnberg, Heidelberg und Stuttgart.
Mader arbeitet mit Xentral zusammen
Seit Anfang 2025 arbeitet Mader enger mit dem ERP-Anbieter Xentral zusammen. Zu Beginn standen vor allem die Implementierung der Software bei neuen Mader-Kunden, der First-Level-Support sowie die Einrichtung von Schnittstellen im Mittelpunkt. Nach Angaben von Mader werden Daten über eine webbasierte Integration mit dem eigenen WMX/Purelox-System in Echtzeit übertragen. Workflows und Dashboards sollen zudem dazu beitragen, operative Prozesse stärker zu digitalisieren und papierlos abzuwickeln. „Aus unserer Sicht entscheiden One Stop Shopping, automatisierte Prozesse, effiziente Abläufe, eine gute Skalierung sowie Cashflow darüber, wie profitabel ein E-Commerce-Händler wächst“, sagt Philipp Thiele, geschäftsführender Gesellschafter der Johann Mader GmbH. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz lasse sich dieser Prozess weiter beschleunigen.
Xentral erweitert ERP um KI
Zum 1. Oktober 2026 will Xentral nach einer Testphase mit mehr als 360 Kunden neue KI-Funktionen einführen. Nach Angaben des Softwareanbieters kann die KI unter anderem Produktfragen beantworten, Retouren und Reklamationen bearbeiten, Aufträge erkennen und anlegen sowie Auskünfte zum Lieferstatus geben. KI-Agenten sollen zudem Zahlungsavisen und Lieferantenrechnungen aus E-Mails und deren Anhängen verarbeiten können. Mit dem sogenannten Co-Pilot und der Wissensbasis Learning Loop bietet Xentral weitere KI-basierte Funktionen an. Mader nutzt nach eigenen Angaben bereits mehrere dieser Anwendungen. Dazu zählt ein Helpbot, der Fragen beantwortet und auf passende Artikel im Helpcenter verweist. Mitarbeiter verwenden außerdem einen KI-Copiloten zur Unterstützung bei der Erstellung von SQL-Berichten. Mader nimmt darüber hinaus am Beta-Test des Xentral Co-Pilot teil.
KI-Workflows sollen Prozesse übernehmen
Besonderes Potenzial sieht Mader in angekündigten KI-Workflows. Diese befinden sich laut Unternehmen noch in der Entwicklung und sollen künftig dabei helfen, Workflows mithilfe von KI zu erstellen und zu automatisieren. „Hier sehen wir das größte Potenzial für den zukünftigen Einsatz“, sagt Mader-Prokurist Jürgen Behr. Hintergrund sei, dass komplexere Aufgaben im Tagesgeschäft bislang teilweise eine manuelle Administration erforderten. Xentral will sein ERP deshalb stärker um digitale KI-Agenten erweitern. Diese sollen beispielsweise Zahlungsavisen verarbeiten, Verbindlichkeiten verbuchen und kundenspezifische Anwendungsfälle übernehmen. Über einen MCP-Server lässt sich das ERP laut Xentral zudem mit Anwendungen wie ChatGPT oder Claude verbinden. Dadurch sollen sich beispielsweise ERP-Daten und Werbeausgaben gemeinsam in natürlicher Sprache auswerten lassen. Xentral berichtet aus der Beta-Phase von einem Anwender, bei dem sich der Zeitaufwand für Kundenanfragen im US-Geschäft um mehr als 80 Prozent reduziert habe. Dabei handelt es sich um eine Herstellerangabe.
Mader-Kunde baybies bindet KI an
Zu den von Mader betreuten Unternehmen gehört der E-Commerce-Anbieter baybies. Das Unternehmen vertreibt Pflegeprodukte und Supplements für Schwangerschaft, Babyzeit und Mutterschaft und beginnt nach eigenen Angaben derzeit mit der Anbindung an die KI-Funktionen von Xentral. Ziel ist es, Daten aus dem ERP auszulesen und daraus ein Reporting für operative Kennzahlen aufzubauen. Entscheidend sei dabei die Qualität der zugrunde liegenden Daten, erklärt Simone Thien, Chief Operation Officer von baybies. Nur mit präzisen und strukturierten Informationen könne die KI verlässliche Ergebnisse liefern. Xentral plant darüber hinaus weitere Funktionen. Künftige Entwicklungsschwerpunkte sollen nach Angaben der Unternehmen unter anderem die gesetzlichen Anforderungen an die E-Rechnung ab 2027 sowie steuerliche Aspekte der Logistik sein.





