Iran-Konflikt bedroht globale Lieferketten: Meerenge wird zum Engpass für Logistik

Iran-Konflikt bedroht globale Lieferketten
Meerenge wird zum Engpass für Logistik

Eine Roland-Berger-Analyse zeigt: Die Eskalation im Nahen Osten sorgt für massive Verwerfungen in den globalen Lieferketten. Steigende Energiepreise, gestörte Handelsströme und hohe Unsicherheiten treffen Industrie und Logistik auch in Europa.

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Foto: Adobe Stock - whitestorm

Straße von Hormus als neuralgischer Punkt des Welthandels

Laut einer aktuellen Analyse der Unternehmensberatung Roland Berger zählt die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten maritimen Engpässen weltweit. Der aktuelle Konflikt betrifft aber nicht nur die weltweiten Energiemärkte, sondern zieht weitere Kreise - laut der Studie sind inzwischen auch global verschiedene Industriebereiche betroffen.

Verknappung von Energievorräten und zahlreichen industriellen Vorleistungen

Ein erheblicher Teil des globalen Öl-, Gas- und Petrochemikalienhandels passiert demnach täglich diese Route. Besonders betroffen sind Exporte aus Ländern wie Saudi-Arabien, Katar, Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Ein Großteil dieser Warenströme geht nach Asien – doch die Auswirkungen reichen weit darüber hinaus: Europa und Amerikabeziehen zwar nur in begrenztem Umfang Rohstoffe direkt über die Straße von Hormus, die Liefer- und
Materialengpässen können sie aber indirekt sehr wohl betreffen.

Preise für Energie und Rohstoffe steigen deutlich

Seit Ende Februar 2026 sind demnach die Preise für zentrale Rohstoffe und Energieträger spürbar gestiegen. In einigen Bereichen liegen die Kostensteigerungen zwischen 50 und 100 Prozent. Betroffen sind unter anderem:

Rohöl und LNG

Ammoniak und Harnstoff

Petrochemische Vorprodukte wie Rohbenzin (Naphtha)

Metalle wie Aluminium

Spezialgase wie Helium

Diese Entwicklungen treiben die Betriebskosten in zahlreichen Industrien massiv nach oben.

Industrie und Logistik besonders unter Druck

Zu den am stärksten betroffenen Branchen zählen demnach die Chemie- und Petrochemieindustrie, die Energieintensive Produktion, die Landwirtschaft (wegen der Prdouktion von Düngemittel) sowie Transport und Logistik.

Denn Lieferketten geraten zunehmend unter Druck – durch längeren Transportzeiten, höheren Frachtkosten und systemweiten Kapazitätsengpässen sowie steigender Planungsunsicherheit.

Die Logistikstörungen bedeuten demnach durch Umleitung der Seewege über Südafrik 10 bis 15 Tage längere Transportzeiten, durch die Luftraumsperren im Nahen Osten und Umleitung von Luftfrachtrouten über Saudi-Aarbien sind bei Luftfracht Verzögerungen von bis zu vier Stunden möglich.

Weitere Folgen sind Kapazitätsengpässe, etwa in Form von Containermangel in asiatischen
Drehkreuzen; zudem könnten die Farchtraten zwischen Asien und Europa sich um 30 bis 70 Prozent verteuern. Zudem kann es zu Hafenüberlastungen in Europa und später auch in Nordamerika kommen.

Infrastruktur-Risiken verschärfen die Lage

Neben Handelsstörungen spielen auch mögliche Schäden an kritischer Infrastruktur eine zentrale Rolle. Die Analyse zeigt, dass es teilweise erhebliche Einschränkungen bei Raffineriekapazitäten.

Besonders kritisch ist, dass die Umgehung der Straße von Hormus nur begrenzt möglich ist, es also keine alternativen Transportwege gibt.

Auswirkungen auch in Europa spürbar

Obwohl Europa nicht direkt Hauptabnehmer der betroffenen Exporte ist, wirken sich die Störungen global aus: steigende Energiepreise, höhere Beschaffungskosten für Vorprodukte, zunehmende Volatilität in Lieferketten, Wettbewerbsdruck für Industrieunternehmen, Unsicherheit über Dauer des Konflikts.

Ein entscheidender Faktor bleibt den Berater zufolge die Dauer der geopolitischen Spannungen. Die Bandbreite möglicher Auswirkungen reicht von kurzfristigen Störungen bis hin zu strukturellen Veränderungen im globalen Handelssystem. Genauso unterschiedlich sind die erwartbaren Erholungszeiträume für die Lieferketten von wenigen Tagen bis zu mehreren Jahren.

Key Facts der Roland-Berger-Analyse:

  • Energiepreise: +47 Prozent (Öl), +68 Prozent (LNG) seit Konfliktbeginn
  • Frachtraten Asien-Europa: +30 bis 70 Prozent auf dem Seeweg, +20 bis 50 Prozent in der Luftfracht
  • Transitzeiten: +10 bis 20 Tage mit dem Schiff, +1 bis 4 Stunden mit dem Flugzeug
  • Keine kurzfristigen Alternativen für viele kritische Materialien
  • Unternehmen müssen jetzt Sicherheitsbestände aufbauen, alternative Lieferanten prüfen und Vertragsmechanismen aktivieren