Michail Stahlhut: Seit dem Ende der Corona-Pandemie, also seit 2022, hat der Druck auf die Transportmenge im transalpinen KV zugenommen. Das hat sich mit dem Beginn des Ukrainekriegs und der daraus resultierenden Energiekrise überlagert und zu gestörten Logistikabläufen geführt. Seitdem sind wir im Stressmodus. Die Pünktlichkeit ist ein Problem. 45 Prozent der Züge kommen mit mehr als einer Stunde Verspätung an. Hinzu kommen 16 Prozent Zugausfälle, die den Kunden und den Eisenbahnen weh tun. Drei bis fünf Prozent wären normal, doch seit der Post-Coronazeit sind es rund zehn Prozent zu viel. Seit 2023 kommt es außerdem zu einer exzessiven Preissteigerung bei den Trassenpreisen: um 93 Prozent. Zu viele Umleitungskilometer setzen den KV ebenfalls unter Druck. 2028 soll die Hälfte der KV-Züge im alpenquerenden Verkehr umgeleitet werden. Die Kunden wollen das nicht bezahlen und verlagern ihre Transporte auf die Straße.

„Die Schiene braucht eine starke Straße und die Straße braucht eine starke Schiene“, sagte Hupac-CEO Michail Stahlhut im Interview mit trans aktuell-Redakteurin Franziska Nieß.
Ich spreche in Bezug auf den KV gerne vom Regenwald des Transports. 4,5 Millionen Tonnen CO2 konnten bei 0,8 Tonnen pro Lkw-Ladung 2024 eingespart werden. Der KV-Anteil am Schienengüterverkehr lag 2024 bei 43 Prozent. Wir holzen gerade den Regenwald ab und geben CO2 wieder auf die Straße und das kostet den Bund zukünftig 100 bis 150 Millionen Euro an Strafzahlungen für das Verfehlen der europäischen Klimaziele. Wir müssen aufpassen, dass wir den Regenwald erhalten. Wobei beide Seiten einander brauchen: Die Schiene braucht eine starke Straße und die Straße braucht eine starke Schiene.
Die Initiative konnte bisher bereits erreichen, dass wesentliche Partner für das Thema KV sensibilisiert wurden. Aber wir sind noch nicht am Ziel und die Herausforderungen bleiben. Wir führen noch keine Diskussion über den Wegfall von Stornoentgelten sowie über Trassenentgelte im Ausland, die wegen den Baustellen und den Umleitungen anfallen. Umleitungen führen zudem zu Mehraufwänden, die auch nicht finanziert sind und nicht einfach an den Markt durchgereicht werden können. Der Umleitungsmehraufwand ist auch noch nicht finanziert. Die Rückverlagerung müssen wir weiter verhindern. 500.000 Lkw könnten allein auf den großen alpenquerenden Korridoren via Österreich und Schweiz von der Schiene auf die Straße verlagert werden.
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