Das Aus des KsNI-Förderprogramms hat die Wasserstoffbranche getroffen. Ende Januar hat das Bundesministerium für Verkehr (BMV) nachgelegt: 220 Millionen Euro stellt der Bund für Wasserstofftankstellen und -fahrzeuge bereit. Bis zum 31. Mai können sich Tankstellenbetreiber sowie Logistik- und Transportunternehmen für eine Förderung bewerden. Die Nationale Organisation für den Wandel in der Mobilität (NOW) koordiniert den Prozess. Im Spätsommer bekommen die antragstellenden Unternehmen laut Carsten Beyer, Programm Manager Wasserstoffbetankungsinfrastruktur bei NOW, Bescheid, ob ihr Antrag ausgewählt wurde.
Initialnetz entlang von Autobahnen geplant
Beyer stellte das Förderprogramm bei der Veranstaltung „HyWheels Wasserstoff-Update“ in Fulda vor. Bei der Wasserstoff-Initiative HyWheels aus Fulda handelt es sich um ein Netzwerk aus Logistikunternehmen und Tankstellenbetreibern, die die nachhaltige wasserstoffbasierte Mobilität im Transportwesen fördert. „Wir brauchen alle Technologien, um die Mobilität der Zukunft zu gestalten. Die Wasserstofftechnologie ist eine Option, die genutzt werden kann“, sagte Beyer.

Stand ebenfalls für Testfahrten bereit: Der Wasserstoff-Lkw des Herstellers Keyou, der für Thyssenkrupp im Einsatz ist.
Das übergeordnete Ziel des Aufrufs sei ein Initialnetz für öffentliche Wasserstofftankstellen an 78 städtischen Knoten und entlang der Autobahnen des Transeuropäischen Verkehrsnetzes im Abstand von höchstens 200 Kilometern. Dabei sollten die Wasserstofftankstellen gleichmäßig und fair ausgelastet werden.
Tankstellen sollen langfristig nur erneuerbaren Wasserstoff anbieten
Erhalten die antragstellenden Unternehmen eine Zusage, müssen sie ihre Projekte innerhalb von drei Jahren umsetzen. Das heißt laut Beyer: „Das Fahrzeug muss noch nicht 2026 oder Anfang 2027 zur Verfügung stehen. Die neu gebauten Tankstellen wären noch gar nicht in Betrieb.“ 2028 würde reichen. Ab 2035 dürfen die Tankstellen nur noch erneuerbaren Wasserstoff anbieten.
ABO Energy verkauft Tankstelle in Hünfeld-Michelsrombach
In Hünfeld-Michelsrombach können Fahrzeuge seit Ende Juli 2025 grünen Wasserstoff mit RNFBO-Zertifikat tanken. Der Projektentwickler ABO Energy aus Wiesbaden hat einen Elektrolyseur und eine Wasserstofftankstelle mit Trailer-Abfüllstation in unmittelbarer Nähe der Abfahrt Hünfeld Schlitz an der Autobahn A7 entwickelt und gebaut.
Momentan tanken dort täglich zwei bis drei Lkw – 40 bis 45 wären möglich. „Leider ist das noch nicht der Fall, denn die Abnehmer fehlen“, sagte Moritz Schneider, Teamleiter Hydrogen Overseas bei ABO Energy. Das Unternehmen will die Tankstelle im Sommer verkaufen und bewarb sie daher bei der Veranstaltung. Der Kauf sei mithilfe des Förderprogramms möglich.
Hersteller werben mit Testfahrten für Wasserstoff-Lkw
Um potenzielle Käufer warben in Fulda auch die Hersteller von Wasserstoff-Lkw. Fahrzeuge der Hersteller Quantron, Keyou und Iveco standen für Testfahrten bereit. Andreas Hager, Geschäftsführer der Andreas Haller Holding aus Augsburg, fuhr die rund 340 Kilometer von Augsburg nach Fulda mit dem Modell QHM FCEV Aero selbst. Die Sattelzugmaschine des Herstellers soll noch in diesem Jahr verfügbar und auslieferfähig sein. Außerdem bietet Quantron ein Mietmodell für seine Wasserstoff-Lkw mit Brennstoffzellensystemen des Zulieferers Bosch an.
Bei dem ausgestellten Iveco-40-Tonner mit Bosch-Brennstoffzelle handelt es sich ebenfalls um ein Mietfahrzeug. Die Spedition Schäflein aus Röthlein (Bayern) hat das Fahrzeug von Hylane, einem Anbieter für emissionsfreie Lkw-Mietmodelle, gemietet und versorgt damit vor allem das Bosch-Werk Nürnberg.
Keyou setzt auf Wasserstoff-Verbrennungsmotor
Das dritte Fahrzeug, das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung testen konnten, befindet sich auch im Regelbetrieb im Raum Nürnberg. Der Logistikdienstleister EP Trans aus Neckarsulm betreibt einen H2-Lkw von Keyou im Pay-per-Use-Modell zur Miete für den Stahlhersteller Thyssenkrupp. Jürgen Nadler, Chief Commercial Officer (CCO) bei Keyou, stellte den Keyou Hice.40 vor – die Sattelzugmaschine des Münchener Unternehmens, das sich zunächst auf das Umrüsten von Diesel- zu Wasserstoffmotoren für schwere Nutzfahrzeuge spezialisiert hat. Mittlerweile bietet Keyou eigene Fahrzeuge mit der Keyou-inside-Technologie an.
„Das Problem ist nicht der Verbrennungsmotor, das Problem ist der Kraftstoff“, sagte Nadler. Die Keyou-Lkw gelten laut EU-Norm als emissionsfrei und sind daher mautbefreit. Der Keyou Hice.40 auf Actros Basis soll laut Nadler im September 2027 auf den Markt kommen, ab Herbst 2026 können ihn Transport- und Logistikunternehmen vorab testen.
Hyundai meldet steigende Laufleistungen
Der südkoreanische Hersteller Hyundai verkündete kürzlich einen Rekord. Die Xcient Fuel Cell haben in Europa bereits 20 Millionen Kilometer zurückgelegt. „Wir vertrauen unseren Brennstoffzellen und unserer Technik“, sagte Stefan Dietz, Key Account Manager bei Hyundai. Ab August 2029 ist der Xcient Fuel Cell als Sattelzugmaschine laut Dietz auch in Europa zu haben. Das Fahrzeug kann bei 350 und 700 bar tanken. Bislang könne nur die dritte Generation des herkömmlichen Xcient Fuell Cell bei 700 bar tanken – und damit eine größere Reichweite erzielen.
Bosch sieht Wasserstoff als Teil des Energiemixes
Hans-Joachim Schulz, Produktmanager Fuel Cell Mobility Solutions bei Bosch, sieht die gasförmige Betankung bei 700 bar vor 350 bar und vor Flüssigwasserstoff. In seinem Vortrag stellte er die Bosch Fuel Cell Systemlösungen für schwere Nutzfahrzeuge vor. „Die Brennstoffzelle arbeitet am besten bei Teillast“, sagte Schulz. Im November 2025 erhielt Bosch für sein Brennstoffzellen-Antriebssystem den Deutschen Zukunftspreis. Der Zulieferer mit Sitz in Stuttgart ist laut Schulz überzeugt, dass Wasserstoff eine entscheidende Säule im zukünftigen Energiemix ist.
Die Wasserstoff-Initiative HyWheels
- Bei HyWheels handelt es sich um ein Netzwerk aus Logistikunternehmen und Tankstellenbetreibern, das die nachhaltige wasserstoffbasierte Mobilität im Transportwesen fördert.
- Sitz in Fulda.
- Geschäftsführer: Christoph Burkard.
- Burkard gründete HyWheels im Januar 2023. Er ist ebenfalls Geschäftsführer der Region Fulda Wirtschaftsförderungsgesellschaft.
- Gemeinsam mit dem Nutzfahrzeugvermieter Hylane bietet HyWheels ein Kurzzeitmietmodell für H2-Lkw an.
- Die Initiative erhielt 2024 den Hessischen Staatspreis für Energie.
Der Förderaufruf des Bundesministeriums für Verkehr (BMV)
- Das BMV stellt 220 Millionen Euro für bis zu 40 Wasserstoff-Tankstellen und damit bis zu 400 Wasserstoff-Lkw bereit.
- Der kombinierte Ansatz soll Tankstellen von Beginn an auslasten und das Henne-Ei-Problem lösen.
- Die Bewerbungsphase begann Ende Januar. Projektanträge können noch bis zum 31. Mai im Online-Förderportal des Bundes eingereicht werden.






