Wie lassen sich Lebensmittel sicherer transportieren, Lieferketten nachhaltiger gestalten und neue gesetzliche Vorgaben besser umsetzen? Antworten auf diese Fragen soll künftig das neue Lebensmittel- und Transportrechts-Institut (LTRI) der Hochschule Bremerhaven liefern. Dort bündeln Experten aus Lebensmittelwissenschaft, Logistik und Recht ihre Forschung – gemeinsam mit Unternehmen aus der Praxis.
Forschung verbindet Lebensmittel, Logistik und Recht
Bislang arbeiteten die Forschungsbereiche Food Science sowie Transport und Logistik an der Hochschule weitgehend unabhängig voneinander. Mit dem neuen Institut sollen diese Kompetenzen künftig gebündelt werden. „Durch die Bündelung fachübergreifender Kompetenzen werden innovative Lösungen für die Herausforderungen der modernen Lebensmittelversorgung und -logistik ermöglicht“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Henning Strubelt, Professor für Lagerplanung, Lagertechnik und Lagerorganisation. Auch rechtliche Fragestellungen gewinnen nach Einschätzung der Hochschule zunehmend an Bedeutung. Digitalisierung der Lieferketten, Nachhaltigkeit sowie Produktsicherheit ließen sich nur interdisziplinär bearbeiten, betont Prof. Dr. jur. Tobias Eckardt.
Erstes Forschungsprojekt nimmt gesamte Lieferkette in den Blick
Bereits zum Start hat das Institut ein erstes Forschungsprojekt auf den Weg gebracht. Im Rahmen des Förderprogramms HAW-Forschungsakzente wurde das Projekt MAUS beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt eingereicht. Ziel ist die Entwicklung eines Lieferketten-weiten Konzepts zur Bekämpfung von Schad-Nagern – vom landwirtschaftlichen Betrieb über Produktion und Lager bis hin zum Supermarkt. Anlass ist das geplante Verbot der vorbeugenden Beköderung mit Antikoagulanzien (BUD). Nach Einschätzung von Verbänden der Lebensmittelindustrie könnte dies die Einhaltung gesetzlicher Hygieneanforderungen deutlich erschweren.
Unternehmen aus Logistik und Lebensmittelwirtschaft gesucht
Für das Projekt arbeitet das Institut bereits mit mehreren Großunternehmen zusammen. Gleichzeitig sucht das Forschungsteam weitere kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die sich an Feldstudien oder Round-Table-Formaten beteiligen möchten. Am Ende des Projekts soll ein praxisnaher Leitfaden entstehen, der Unternehmen entlang der gesamten Lebensmittel-Lieferkette bei einem wirksamen Schädlingsmanagement unterstützt.
Politik sieht Handlungsbedarf
Wie aktuell das Thema ist, zeigen auch aktuelle Stellungnahmen auf Bundesebene. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass die praktische Umsetzbarkeit eines Verbots bislang nicht ausreichend untersucht worden sei. Auch die 22. Verbraucherschutzministerkonferenz beschäftigte sich mit den Folgen des Wegfalls der bisherigen Beköderungsmethoden. Im Mittelpunkt standen Fragen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes sowie der langfristigen Ernährungssicherheit.
Bedeutung für Logistikunternehmen
Für Logistikdienstleister gewinnt die Lebensmittellogistik weiter an Komplexität. Neben Temperaturführung, Rückverfolgbarkeit und Digitalisierung rücken auch rechtliche Anforderungen sowie Hygiene- und Schädlingsmanagement stärker in den Fokus. Das neue Institut könnte deshalb wichtige wissenschaftliche Grundlagen und praxisnahe Handlungsempfehlungen für Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette liefern.
In Kürze: die Key Facts
- Einrichtung: Lebensmittel- und Transportrechts-Institut (LTRI)
- Standort: Hochschule Bremerhaven
- Schwerpunkte: Lebensmittellogistik, Transportrecht, Lebensmittelrecht, Lieferketten, Digitalisierung, Nachhaltigkeit
- Erstes Forschungsprojekt: MAUS
- Ziel des Projekts: Leitfaden für ein Lieferketten-weites Vorgehen gegen Schad-Nager
- Projektpartner: Großunternehmen sowie KMU aus Lebensmittelwirtschaft und Logistik
- Förderprogramm: HAW-Forschungsakzente
- Praxisbezug: sichere Lebensmittelversorgung und rechtskonforme Lieferketten





