Was lange nach Zukunftsmusik klang, rollt jetzt ganz real über deutsche Straßen: Auch Haribo setzt erstmals einen batterieelektrischen Lkw im Regelbetrieb ein und zeigt damit, wie Elektromobilität in der Logistik funktioniert. Gemeinsam mit der Recht Logistik Gruppe fährt der E-Lkw künftig fest zwischen den Standorten Grafschaft, Neuss und Eindhoven. Keine Pilotphase, kein PR-Testlauf – sondern täglicher Einsatz im echten Transportgeschäft.
Warum genau diese Strecke der Schlüssel ist
Der Schritt ist kein Zufall. Denn gerade planbare Relationen gelten als idealer Einstieg in die Elektrifizierung. Feste Umläufe, kalkulierbare Distanzen und vorhandene Ladeinfrastruktur machen genau solche Verbindungen zum perfekten Testfeld. Oder besser gesagt: zum ersten echten Einsatzgebiet. Der eingesetzte E-Lkw schafft dabei laut Praxiswerten rund 550 bis 600 Kilometer pro Ladung. Geladen wird über Nacht an HPC-Ladesäulen mit bis zu 400 kW. Damit lässt sich der Betrieb zuverlässig in bestehende Logistikprozesse integrieren.
Das Einsparpotenzial ist konkret – und messbar
Besonders spannend für die Branche: Die CO₂-Effekte sind nicht theoretisch, sondern konkret berechnet.
- Rund 37 kg CO₂ Einsparung pro 100 Kilometer gegenüber Diesel
- Auf der Strecke Neuss–Eindhoven ergibt das
- Etwa 171 kg CO₂ pro Tag
Und genau hier wird es relevant: Was bisher oft als Vision diskutiert wurde, lässt sich plötzlich in belastbare Zahlen übersetzen.
E-Lkw im Alltag: Funktioniert das wirklich?
Die entscheidende Frage für viele Speditionen lautet: Funktioniert Elektromobilität im echten Betrieb oder nur im Labor? Haribo und RECHT Logistik liefern darauf eine klare Antwort: Es funktioniert, aber nur unter den richtigen Bedingungen. „Elektrifizierte Transporte sind dort sinnvoll, wo Touren planbar sind und Ladeinfrastruktur zuverlässig verfügbar ist“, sagt Christian Karl Flick, CEO von Recht Logistik. Heißt im Klartext: Der E-Lkw ist kein Allround-Ersatz, aber ein hocheffizientes Werkzeug für definierte Einsätze.
Teil einer größeren Strategie
Für Recht Logistik ist der Schritt nur ein weiterer Baustein. Bereits heute fahren rund 80 von 200 Lkw mit alternativen Antrieben – von LNG bis Wasserstoff. Der neue E-Lkw fügt sich in diese Strategie ein: nicht als Einzellösung, sondern als Teil eines technologieoffenen Ansatzes. Auch Haribo sieht hier mehr als ein Einzelprojekt. „Die Weiterentwicklung unserer Transportlösungen ist ein wichtiger Baustein unserer Nachhaltigkeitsstrategie“, erklärt Logistikchef Stefan Sorce.
Warum das für die Branche wichtig ist
Der eigentliche Wert dieses Projekts liegt nicht im einzelnen Fahrzeug, sondern im Signal:
- Elektromobilität ist im Transport angekommen
- Nicht flächendeckend, aber gezielt einsetzbar
- Wirtschaftlich relevant, wenn die Rahmenbedingungen passen
Gerade für Lebensmittel- und Konsumgüterlogistik könnte das zum Standard werden. Überall dort, wo Strecken wiederkehrend und berechenbar sind.
Fazit: Realität statt Vision
Haribo zeigt mit seinem E-Lkw, wie der Einstieg in die emissionsfreie Logistik wirklich aussieht: nicht spektakulär, aber effektiv. Kein kompletter Systemwechsel, sondern ein gezielter Schritt dort, wo er Sinn ergibt. Oder anders gesagt: Die Zukunft der Logistik beginnt nicht irgendwann. Sie fährt bereits – Tour für Tour, was mittlerweile genügen Positivbeispiele aus der Logistik zeigen.






