Geodis bestellt 110 schwere Elektro-Lkw bei Renault Trucks und Volvo Trucks. Bis Mai 2027 soll die elektrische Flotte des Logistikkonzerns damit auf 190 Fahrzeuge wachsen. Gleichzeitig baut Geodis in Frankreich ein Ladenetz entlang wichtiger Transportachsen auf.
Geodis bestellt verbindlich 110 E-Lkw
Der französische Transport- und Logistikkonzern Geodis macht bei der Elektrifizierung seines Straßengüterverkehrs einen großen Schritt. Das Unternehmen hat verbindlich 110 batterieelektrische 44-Tonner bestellt. Die Fahrzeuge von Renault Trucks und Volvo Trucks sollen bis Mai 2027 ausgeliefert werden. Eingesetzt werden die neuen Elektro-Lkw zunächst in Frankreich – und zwar sowohl im städtischen Verteilerverkehr als auch auf längeren Strecken. Mit der Bestellung soll die E-Lkw-Flotte im europäischen Straßennetz von Geodis auf insgesamt 190 Fahrzeuge wachsen.
Großauftrag für die Volvo Group
Wie sich die Bestellung konkret auf Renault Trucks und Volvo Trucks verteilt und welche Modelle Geodis geordert hat, nennt das Unternehmen bislang nicht. Beide Hersteller gehören allerdings zum selben Konzern: Renault Trucks und Volvo Trucks sind Marken der schwedischen Volvo Group. Renault Trucks gehört bereits seit 2001 zum Volvo-Konzern.
Geodis will E-Korridore durch Frankreich schaffen
Mit der Bestellung allein ist es nicht getan. Geodis baut parallel die Ladeinfrastruktur für die wachsende elektrische Flotte aus. Dabei verfolgt der Logistiker einen interessanten Ansatz: Entlang der wichtigsten französischen Transportachsen sollen nach Unternehmensangaben elektrische Korridore entstehen. Ziel ist es, den Fahrzeugen auf diesen Routen in Abständen von etwa 250 bis 500 Kilometern Lademöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Geodis kann dafür bereits auf rund 60 Ladepunkte im eigenen Netzwerk zurückgreifen. Bis 2030 soll deren Zahl auf mehr als 200 steigen. Welche Ladeleistungen die vorhandenen und geplanten Stationen bereitstellen, wie viele davon für schwere Lkw ausgelegt sind und ob zusätzlich öffentliche Ladeinfrastruktur in die Korridore einbezogen wird, geht aus der Mitteilung allerdings nicht hervor.
E-Lkw sollen auch auf die Langstrecke
Bemerkenswert ist deshalb weniger die reine Zahl der Ladepunkte als das geplante Einsatzprofil der Fahrzeuge. Geodis beschränkt die neuen E-Lkw ausdrücklich nicht auf die klassische City- oder Regionalverteilung. Ein Teil der 44-Tonner soll auch im Langstreckentransport eingesetzt werden. Damit rückt für den Logistiker die Frage in den Mittelpunkt, wie sich elektrische Sattelzüge über mehrere Standorte und Ladepunkte hinweg in ein größeres Transportnetz integrieren lassen. Die geplanten Korridore sollen genau dafür die Voraussetzung schaffen. Der Abstand von 250 bis 500 Kilometern zwischen den Lademöglichkeiten bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jeder Elektro-Lkw diese Distanzen ohne Zwischenladung zurücklegen kann. Die tatsächlich mögliche Reichweite hängt unter anderem vom eingesetzten Fahrzeug, der Batteriekonfiguration, dem Gesamtgewicht, der Strecke, der Witterung und dem Energieverbrauch ab.
190 E-Lkw im europäischen Straßennetz
Mit den 110 neu bestellten Fahrzeugen soll die Elektro-Lkw-Flotte des Bereichs European Road Network von Geodis auf 190 Fahrzeuge steigen. Damit kommen rechnerisch 80 bereits vorhandene beziehungsweise zuvor eingeplante Elektro-Lkw hinzu. Die aktuelle Mitteilung macht allerdings keine detaillierten Angaben dazu, wie sich dieser Bestand zusammensetzt oder in welchen Ländern die Fahrzeuge eingesetzt werden. Marc Vollet, Geschäftsführer des europäischen Straßennetzes von Geodis, bezeichnet die Bestellung und den Ausbau der Infrastruktur jedoch als bedeutende Investition. Das Unternehmen wolle seine Flotte elektrifizieren und damit zugleich auf die Nachfrage seiner Kunden nach Transportlösungen mit geringeren Treibhausgasemissionen reagieren. Die Maßnahmen seien Teil der CO₂-Reduktionsstrategie von Geodis, deren Ziele nach Unternehmensangaben von der Science Based Targets initiative (SBTi) validiert wurden.
Renault Trucks und Volvo Trucks liefern gemeinsam
Interessant ist die Bestellung auch aus Herstellersicht. Mit Renault Trucks und Volvo Trucks kommen zwar zwei unterschiedliche Lkw-Marken zum Zug, beide gehören jedoch zur Volvo Group. Renault Trucks ist ein französischer Nutzfahrzeughersteller mit Sitz bei Lyon und produziert seine schweren Lkw in Frankreich. Das Unternehmen gehört seit 2001 zum schwedischen Volvo-Konzern. Für Geodis bedeutet die Bestellung dennoch, dass Fahrzeuge zweier Marken in die Flotte kommen. Welche Baureihen und Batterievarianten der Logistiker gewählt hat, bleibt zunächst offen.
Vom E-Lkw zur elektrischen Transportkette
Geodis ist mit rund 48.000 Beschäftigten, Aktivitäten in fast 170 Ländern und einem Umsatz von 10,6 Milliarden Euro im Jahr 2025 einer der großen internationalen Logistikkonzerne. Eigentümer ist der französische Bahnkonzern SNCF. Die Bestellung von 110 Fahrzeugen ist deshalb vor allem als weiterer Schritt hin zu größeren elektrischen Flotten interessant. Statt einzelner Pilotfahrzeuge geht es zunehmend darum, batterieelektrische Lkw in reguläre Transportnetze einzubauen. Bis Mai 2027 sollen die 110 neuen E-Lkw auf der Straße sein. Ob das Konzept mit Ladepunkten im Abstand von 250 bis 500 Kilometern auch im Langstreckenbetrieb funktioniert, muss sich dann im Transportalltag zeigen.
In Kürze: die Key Facts
- Unternehmen: Geodis
- Bestellung: 110 batterieelektrische schwere Lkw
- Fahrzeugklasse: 44-Tonner
- Hersteller: Renault Trucks und Volvo Trucks
- Konzernzugehörigkeit: Renault Trucks und Volvo Trucks gehören zur Volvo Group
- Auslieferung: bis Mai 2027
- Einsatzland der neuen Fahrzeuge: Frankreich
- Einsatzbereiche: Stadtverkehr und Langstreckentransport
- E-Lkw-Flotte nach Auslieferung: 190 Fahrzeuge im European Road Network
- Ladestrategie: Aufbau elektrischer Transportkorridore entlang wichtiger französischer Routen
- Geplanter Abstand zwischen Lademöglichkeiten: 250 bis 500 Kilometer
- Aktuelle Ladeinfrastruktur: rund 60 Ladepunkte
- Ziel für 2030: mehr als 200 Ladepunkte
- Geodis-Beschäftigte: rund 48.000
- Geodis-Präsenz: fast 170 Länder
- Umsatz 2025: 10,6 Milliarden Euro
- Eigentümer: SNCF
- Strategische Bedeutung: Geodis kombiniert eine größere E-Lkw-Beschaffung mit dem systematischen Ausbau eigener Ladeinfrastruktur für elektrische Fernverkehre.








