Der Lieferdienst Lieferando verändert sein Beschäftigungsmodell. Künftig sollen auch Subunternehmen einen Teil der Zustellungen übernehmen, berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ). Beschäftigte und Betriebsräte warnen vor Jobverlusten.
Lieferando ändert Beschäftigungsmodell
Fehlerhafte Lohnabrechnungen, hohe Arbeitsbelastung oder auch Verletzungen – von solchen Erfahrungen berichten Mitglieder des Berliner Betriebsrats des Lieferdienstes Lieferando. Wie die SZ berichtet, sorgt der angekündigte Einsatz sogenannter Flottenpartner für Unruhe unter den Beschäftigten. Demnach plant der Lieferdienst, künftig auch sogenannte Flottenpartner einzusetzen, also Subunternehmen, die einen Teil der Zustellungen übernehmen.
Unternehmen setzt Flottenpartner ein
Nach Angaben des Unternehmens sollen rund fünf Prozent der Lieferungen künftig über solche Partner organisiert werden. In diesem Zusammenhang wurden laut SZ bereits etwa 1500 Fahrer entlassen, was einer Reduzierung der Belegschaft um rund 15 Prozent entspricht. Ein erster Testlauf für dieses Modell fand bereits im Berliner Bezirk Spandau statt. In Hamburg wurde die gesamte Belegschaft entlassen und durch Fahrer ersetzt, die bei Subunternehmen angestellt sind, berichtet die SZ.
Beschäftigte fürchten weitere Entlassungen
Auch in Berlin beobachten Beschäftigte diese Entwicklung mit Sorge. Nach Angaben des Betriebsrats hat das Unternehmen dort bereits knapp ein Viertel der Belegschaft verloren. Das Subunternehmermodell hat in der Plattformökonomie einen schlechten Ruf. In einem Bericht des Forschungsprojekts „Fairwork“ zu Arbeitsbedingungen bei Lieferplattformen schnitt Lieferando mit vier von zehn möglichen Punkten zwar besser ab als Wettbewerber. So erhielten die Konkurrenten Wolt und Uber Eats in der Untersuchung keinen einzigen Punkt.
Studie kritisiert Arbeitsbedingungen
Wolt und Uber Eats arbeiten bereits stark oder vollständig mit Subunternehmen. Der Soziologe Patrick Feuerstein, der an der Studie beteiligt war, erklärte laut SZ, dass Fahrer bei Subunternehmen häufig nicht nach Arbeitsstunden, sondern nach einzelnen Lieferungen bezahlt werden. Lieferando betont laut der Zeitung, man arbeite nur mit Partnern zusammen, die bereits für andere Großkunden tätig seien und feste Arbeitsverhältnisse für ihre Fahrer anböten. Gleichzeitig verweist das Unternehmen auf den Wettbewerbsdruck in der Branche. Alternative Lieferdienste seien für Kunden nur eine App entfernt, weshalb man auf diese Entwicklungen reagieren müsse.
Politik diskutiert Regeln für Plattformarbeit
Politisch wird seit einiger Zeit über strengere Regeln für Plattformarbeit diskutiert. Eine mögliche Maßnahme wäre ein Direktanstellungsgebot, das Plattformen verpflichten würde, ihre Fahrer selbst zu beschäftigen. Ein solches Modell existiert bereits seit 2020 in der deutschen Fleischindustrie. Arbeitsministerien der Länder haben laut SZ eine ähnliche Regelung auch für die Lieferbranche vorgeschlagen.
EU-Richtlinie soll Plattformarbeit regeln
Parallel setzt die Politik auf die Umsetzung einer EU-Richtlinie zur Plattformarbeit, die im Dezember 2024 vom Europäischen Parlament beschlossen wurde, berichtet die SZ. Diese sieht unter anderem vor, dass künftig ein Vertragsverhältnis zwischen Plattform und Fahrer gesetzlich vermutet wird – auch wenn formal ein oder mehrere Subunternehmen dazwischengeschaltet sind. Beschäftigte könnten ihre arbeitsrechtlichen Ansprüche damit leichter vor Gericht geltend machen. Deutschland muss die Richtlinie bis Dezember in nationales Recht umsetzen. Wann ein Referentenentwurf vorgelegt wird, ist laut Bundesarbeitsministerium noch offen.





