Sebastian Gieschen: Batterieelektrische Lkw sind technologisch ausgereift, verfügbar, und in vielen Einsatzprofilen bereits heute wirtschaftlich – die Branche steht 2025 am Übergang von der Pilot- in die Skalierungsphase, und die Dynamik nimmt spürbar zu.
Die gute Nachricht vorweg: Die Technologie steht. Fahrzeuge mit über 500 Kilometer Reichweite sind verfügbar, die TCO-Parität ist in vielen Use Cases erreicht, und Pioniere beweisen täglich, dass der elektrische Betrieb funktioniert. Das zeigt auch der Energy Excellence Report 2025. Was es jetzt braucht, sind schnellere Genehmigungsverfahren für Netzanschlüsse, stabile regulatorische Signale und ein konsequenter Kompetenzaufbau entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Hier bewegt sich bereits vieles in die richtige Richtung: Die Mautbefreiung bis 2031 schafft Planungssicherheit, europaweit entstehen neue Förderprogramme für Ladeinfrastruktur, und fallende Batteriespeicherpreise eröffnen Lösungen auch dort, wo Netzanschlüsse begrenzt sind. Die Rahmenbedingungen holen auf – und jedes Unternehmen, das jetzt einsteigt, kann diese Dynamik für sich nutzen.
Im ENEX 2025 haben wir einen fünfstufigen Transformationspfad modelliert, der Unternehmen eine klare Orientierung gibt. Er beginnt mit der Erstellung eines Elektrifizierungs- und Energiekonzepts, gefolgt von der Fahrzeugerprobung und -bestellung. In Schritt 3 wird die eigene Ladeinfrastruktur aufgebaut. Der strategisch spannendste Schritt ist Schritt 4: Hier wird die Ladeinfrastruktur mit einem Energiemanagementsystem verknüpft, ergänzt um Photovoltaik und Pufferspeicher – das ist der Punkt, an dem sehr große Kostenhebel entstehen. In Schritt 5 wird die Infrastruktur für Nutzer und Markt geöffnet und schafft zusätzliche Erlöse. Die Ergebnisse unserer Befragung sind ermutigend: 18 von 22 Logistikern haben bereits Fahrzeuge getestet oder bestellt, 19 bauen Ladeinfrastruktur auf. Und schon die Hälfte hat den Sprung zur Systemintegration in Schritt 4 geschafft. Die Branche handelt – und zwar entschlossen.
Schritt 4 ist der Moment, in dem Elektrifizierung zum echten Wettbewerbsvorteil wird. Erst durch die Integration von Ladeinfrastruktur, Eigenerzeugung, Speichern und intelligentem Energiemanagement entstehen die wirklich großen Hebel: Stromkosten von unter 0,10 € pro Kilowattstunde sind nachweislich erreichbar – das Praxisbeispiel Denkinger zeigt das eindrücklich. Bei den großen Strommengen einer E-Lkw-Flotte entfalten bereits wenige Cent Differenz pro Kilowattstunde eine erhebliche Wirkung auf die Gesamtkosten. Spannend ist auch: Unternehmen, die diesen Schritt gehen, erhöhen gleichzeitig ihre Unabhängigkeit vom Stromnetz und stärken ihre Energieresilienz. Die Befragung zeigt, dass 57 Prozent der Flotten mit über 100 Fahrzeugen diesen Reifegrad bereits erreicht haben. Wer jetzt handelt, sichert sich einen strukturellen Vorsprung.

P3 Group-Partner Sebastian Gieschen: " Erst durch die Integration von Ladeinfrastruktur, Eigenerzeugung, Speichern und intelligentem Energiemanagement entstehen die wirklich großen Hebel".
Wie bei jeder Transformation gibt es Herausforderungen – aber keine, die unlösbar wären. Die Integration verschiedener Systeme wie Lastmanagement, Disposition und Energiemanagement erfordert sorgfältige Planung. Und ja, manche Unternehmen starten pragmatisch ohne vollständiges Gesamtkonzept, was später Nachjustierungen erfordern kann. Die gute Nachricht: Genau dafür gibt es inzwischen bewährte Lösungswege. Erfahrene Dienstleister unterstützen bei der Systemintegration, Plug-and-Play-Lösungen werden zunehmend skalierbar, und Batteriespeicher schaffen Flexibilität auch bei begrenzter Netzanschlussleistung. Das Entscheidende ist: Wer frühzeitig anfängt und schrittweise vorgeht, sammelt operative Erfahrung und kann sein Energiesystem mit wachsender Flotte mitwachsen lassen. Perfektion von Anfang an ist nicht nötig – der mutige erste Schritt schon.
Die Pioniere zeigen eindrucksvoll, was heute schon möglich ist – und machen Mut. Denkinger hat ein KI-gestütztes Lademanagementsystem aufgebaut, das Wetterdaten und Börsenstrompreise berücksichtigt und vollautomatisch am Day-Ahead-Markt einkauft. Das Ergebnis: Stromkosten von unter 0,10 Euro pro Kilowattstunde, die durch Batteriespeicher um weitere 3 Cent gesenkt werden konnten – und das als mittelständisches Unternehmen. Hugelshofer in der Schweiz betreibt bereits 80 E-Lkw, hat seinen Dieselverbrauch halbiert und öffnet seine Ladeinfrastruktur künftig für andere Logistiker. Elflein skaliert von einem auf fünf Ladestandorte und elektrifiziert inzwischen auch Strecken bis 1.000 Kilometer. Was alle verbindet: ganzheitliches Energiedenken, Pragmatismus und Entschlossenheit. Die Botschaft ist klar: Man muss nicht alles von Anfang an perfekt machen – aber man muss anfangen. Die Erfahrungen der Pioniere stehen bereit, um den Einstieg für andere deutlich zu erleichtern.
Genau hier passiert gerade enorm viel. Energy-as-a-Service- und Charging-as-a-Service-Modelle drängen weltweit in den Markt und senken die Einstiegshürden erheblich. Sie bündeln Finanzierung, Netzanschluss, Ladeinfrastruktur, Betrieb und Energiemanagement in langfristigen Serviceverträgen. Das bedeutet: Der Logistiker muss nicht mehr alles selbst finanzieren und aufbauen. Die Skalierung wird über Vertragsfähigkeit und Performance-Garantien bestimmt statt über Eigenmittel. Parallel zeigt unsere Befragung einen wichtigen Trend: Die strategischen Motive überwiegen längst die rein finanziellen Bedenken. 86 Prozent der Unternehmen nennen Zukunftssicherung, 81 Prozent Kundenanforderungen als Treiber. Fördermittel werden mitgenommen, sind aber nicht mehr die Voraussetzung für den Einstieg. Die Investition in Elektrifizierung ist keine Wette auf die Zukunft mehr – sie ist eine strategisch fundierte Entscheidung mit klarem wirtschaftlichem Fundament.
Die Preisdynamik entwickelt sich sehr positiv. Der Markteintritt neuer Hersteller wie Windrose, Superpanther, SANY und perspektivisch Tesla erhöht den Wettbewerb und drückt die Anschaffungskosten spürbar nach unten. Für Logistikunternehmen eröffnen sich dadurch zusätzliche wirtschaftliche Optionen und Multi-Supplier-Strategien, die Herstellerabhängigkeiten reduzieren. Gleichzeitig verbessern sich die Finanzierungsbedingungen: Leasingmodelle und alternative Restwertmodelle über Herstellerbanken machen den Einstieg kalkulierbarer. Die TCO-Parität ist in vielen Einsatzprofilen schon erreicht – und die Schere wird sich weiter zugunsten elektrischer Antriebe öffnen. Die Schweiz zeigt, wohin die Reise geht: Dort liegt der Anteil elektrischer Lkw bei Neuzulassungen bereits bei über 21 Prozent.
Dieser Punkt liegt uns besonders am Herzen. Die Transformation lebt vom Austausch – und genau hier liegt ein riesiges Potenzial. Mehrjährige Praxiserfahrungen belegen: Der Betrieb von E-Lkw kann unter Berücksichtigung aller Kosten und der beschriebenen Energiehebel bereits heute günstiger sein als Diesel. Diese Erkenntnis hat sich aber noch nicht überall durchgesetzt. Das ändert sich gerade rasant: Unternehmen, die vor zwei Jahren batterieelektrische Antriebe noch kategorisch ausgeschlossen haben, präsentieren heute ihre ersten E-Lkw inklusive Depot-Ladekonzept. Dieser Wandel geht maßgeblich auf den Erfahrungsaustausch mit Vorreitern zurück.
Der Appell ist klar: Den Dialog suchen, von Pionieren lernen, verfügbare Förderinstrumente nutzen. Die technischen Grundlagen sind gelegt, die wirtschaftlichen Chancen sind real. Was es jetzt braucht, sind Unternehmen, die den nächsten Schritt wagen – und dabei von einer wachsenden Community profitieren, die diesen Weg bereits erfolgreich geht.
Den aktuellen Report finden Sie hier.
Der P3 Energy Excellence Report
- Der P3 Energy Excellence Report ist eine Reportreihe rund um die E-Mobilität in der Logistik. Während die erste Auflage die Elektrifizierungserfahrungen von Logistikunternehmen im Schwerlastsegment in den Mittelpunkt stellte, fokussiert der Report 2025 insbesondere Ladestrategien und Energiemanagement.
- Aufbauend auf einer fundierten Marktanalyse unter 23 Logistikunternehmen sowie qualitativen Interviews mit Branchenpionieren werden zentrale Lessons Learned sowie konkrete Handlungsempfehlungen für die maßgeblichen Stakeholder entlang der Wertschöpfungskette abgeleitet.
Zur Person
- Sebastian Gieschen gestaltet seit mehr als acht Jahren als Partner der P3 Group die Themenfelder Logistik, Energie und Finance.
- Er war maßgeblich am Aufbau und der Skalierung der Softwaredivision beteiligt, die heute mehr als 800 Mitarbeiter umfasst.
- Seine Expertise liegt in der Entwicklung innovativer Softwarelösungen – von Backend-Systemen für Ladeinfrastruktur und Energiemanagementsysteme für die Industrie bis hin zu Lösungen für Transport- und Routenplanung von E-Trucks. Darüber hinaus verantwortete er die Konzeption und Implementierung von Transport- und Warehouse-Management-Systemen für führende europäische Logistikunternehmen.
Das Unternehmen
- Die P3 Group wurde 1996 gegründet und ist ein führendes internationales Beratungs- und Ingenieursunternehmen mit mehr als 1.800 Expertinnen und Experten in verschiedenen Branchen.
- P3 unterstützt seine Kunden bei der Transformation von Geschäftsprozessen, technologischen Innovationen und Softwarelösungen.
- Das Portfolio an Dienstleistungen reicht vom Automobil- und dem Energiesektor bis zur Mobilität. Unter anderem bietet P3 eine Palette an Softwarelösungen, unter anderem auch für Logistikunternehmen.
Praxisbeispiele aus dem Report
- Der aktuelle Report zeigt, dass die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs 2025 in eine neue Phase eingetreten ist. Nach den ersten Pilotprojekten und technologischen Demonstrationen verlagert sich der Schwerpunkt zunehmend auf die operative Umsetzung im Logistikalltag; von den befragten Unternehmen sind bereits die Mehrheit aktiv in der Flottenumstellung.
- Dabei fanden die Experten ganz unterschiedliche Reifegradmodelle hinsichtlich der Flottentwicklung, dem Energiekonzept, der Ladeinfrastruktur und dem Betriebsmodell:
- Beispiel Elflein aus Bamberg: Das Unternehmen baut den Einsatz der elektrisch angetriebenen Fahrzeuge aus und hat die Einsatzgebiete mittlerweile auf Strecken mit 500, teilweise 1.000 Kilometern erweitert, inklusive Fahrerwechsel.
- Hingegen verzeichnet der Osnabrücker Dienstleister Nosta mit inzwischen drei E-Lkw im Einsatz eine rückläufige Kundennachfrage, die Folge ist ein strikt nachfragegetriebenen Elektrifizierungspfad des Unternehmens.
- Ein weiteres Beispiel ist Hugelshofer Logistik aus Frankenfeld in der Schweiz. Mit mittlerweile 80 E-Lkw ist das Unternehmen in dem Land ein Vorreiter der Elektrifizierung, und die Ambitionen sind seit dem letzten Report deutlich gestiegen.
- Das Ehinger Unternehmen Denkinger betreibt inzwischen zwölf E-Lkw und zeichnet sich dem Report zufolge durch sich sein herausragendes EnergiemanagementSetUp mit einem durchschnittlichen Strompreis von unter 0,10 Euro/kWh (exklusive Netzentgelte) aus.





