Berufskraftfahrer werden händeringend gesucht. Das zeigt die Analyse von 350 Stellenangeboten im Rahmen des DEKRA-Arbeitsmarktreports 2026 der DEKRA-Akademie. Unternehmen werben verstärkt mit Zusatzleistungen um Fahrer, verlangen im Gegenzug aber deutlich mehr fachliche Qualifikationen und persönliche Kompetenzen. Nach Angaben des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) fehlen in Deutschland derzeit mindestens 120.000 Berufskraftfahrer. Der Engpass verbessert die Position von Bewerbern. Arbeitgeber werben häufiger mit Weiterbildungen, modernen Fahrzeugen und zusätzlichen Leistungen.
Fahrermangel verschärft Wettbewerb
Die meisten Stellenangebote stammen aus der Transport- und Logistikbranche. Knapp 39 Prozent der ausgewerteten Offerten kommen aus diesem Bereich. Auffällig hoch ist aber auch der Anteil der Personaldienstleister mit knapp 17 Prozent. Darüber hinaus suchen Unternehmen aus Handel, Entsorgung oder Baugewerbe nach Berufskraftfahrern. Fast 88 Prozent der ausgeschriebenen Stellen sind Vollzeitstellen.
Praxiswissen wird wichtiger
Der Fahrerberuf umfasst heute deutlich mehr als das Fahren. Arbeitgeber erwarten vor allem Kenntnisse in der Ladungssicherung. Ebenso gefragt sind technische Grundkenntnisse sowie der sichere Umgang mit Fahrerkarte und digitalem Kontrollgerät. Jeder vierte Arbeitgeber erwartet zudem, dass Fahrer kleinere Reparaturen selbst durchführen können.
Führerschein CE bleibt Standard
Mit Abstand am häufigsten wird der Führerschein der Klasse CE verlangt. Daneben suchen viele Unternehmen Fahrer mit Erfahrung auf Sattelzügen oder mit Ladekranen. Zusätzliche Qualifikationen wie eine ADR-Bescheinigung oder ein Staplerschein verbessern die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, werden jedoch seltener zwingend verlangt als noch in früheren Erhebungen.
Deutschkenntnisse werden wichtiger
Rund 44 Prozent der Stellenangebote nennen Sprachkenntnisse als Anforderung. In den meisten Fällen geht es um gute Deutschkenntnisse. Fremdsprachen spielen im Fahrerberuf dagegen weiterhin nur eine untergeordnete Rolle.
Soft Skills gewinnen an Bedeutung
Persönliche Eigenschaften spielen für Arbeitgeber eine immer größere Rolle. Verlässlichkeit bleibt die wichtigste Anforderung. Gleichzeitig gewinnen Verantwortungsbewusstsein, höfliches Auftreten sowie psychische Belastbarkeit und Stressresistenz deutlich an Bedeutung. Körperliche Belastbarkeit wird dagegen seltener erwähnt. Ein Grund dürfte sein, dass technische Hilfsmittel viele Tätigkeiten erleichtern.
Nahverkehr dominiert den Einsatz
Lange internationale Touren verlieren weiter an Bedeutung. Die meisten ausgeschriebenen Stellen betreffen den Nah- oder Regionalverkehr sowie Auslieferungsfahrten. Im Fernverkehr dominieren nationale Strecken. Internationale Langstrecken spielen dagegen nur noch eine untergeordnete Rolle. Damit reagieren viele Unternehmen auf den Wunsch vieler Fahrer nach einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
Arbeitgeber bieten mehr Zusatzleistungen
Der Wettbewerb um Fahrer zeigt sich auch bei den angebotenen Benefits. Am häufigsten werben Unternehmen mit Weiterbildungen. In der Praxis dürften viele Arbeitgeber die Kosten gesetzlich vorgeschriebener Qualifizierungen freiwillig übernehmen. Zudem bieten sie moderne Fahrzeugflotten, zeitgemäße Arbeitskleidung sowie digitale Arbeitsmittel wie Smartphones oder Tablets.
Benefits stärken Mitarbeiterbindung
„Die Professionalität im Fahrerberuf ist gestiegen – nicht zuletzt auch deshalb, weil Unternehmen konkret davon profitieren“, sagt Katrin Haupt, Geschäftsführerin der DEKRA-Akademie. Gut qualifizierte Fahrer verursachten weniger Unfälle, sparten Kraftstoff oder gefährdeten keine Kundenbeziehungen. Zudem seien Beschäftigte, die Wertschätzung erfahren, ihrem Arbeitgeber stärker verbunden. Die Ergebnisse und Analysen des DEKRA-Arbeitsmarktreports 2026 finden sich unter diesem Link.





