KI liefert bessere Prognosen
Die Planung auf Papier und Magnettafeln, die Kommunikation per Festnetz und Fax – so sah in der Vergangenheit die Tourenplanung in der Logistik aus. Heute gibt es digitale Echtzeit-Daten und -Kommunikation, und die Künstliche Intelligenz erleichtert mit Forecasts zunehmend die Disposition. Eine Studie der DHBW Mannheim will jetzt herausfinden, wie Unternehmen die Tourenplanung in der Praxis genau angehen.
"Die Tourenplanung gehört zu den zentralen Hebeln der Distributions- und Servicelogistik. Durch effizientere Tourenplanung können Fahrstrecken, Fahrzeit und der Einsatz zusätzlicher Fahrzeuge reduziert werden. Dadurch lassen sich häufig sowohl operative Kosten als auch Energieverbrauch und verkehrsbedingte Emissionen senken", sagt Prof. Dr. Andreas Stenger, Studiengangsleiter Spedition, Transport und Logistik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Mannheim, der für die Studie verantwortlich zeichnet.
Neue Lösungen berücksichtigen Fahrzeugflotten, Kapazitäten, Lieferzeitfenster
Eine realistischere Planung trage dazu bei, Liefertermine und Zeitfenster zuverlässiger einzuhalten und damit die Servicequalität zu verbessern. Und auch das Angebot von Lösungen zur Tourenplanung hat sich verändert – sie kombinieren unterschiedliche Optimierungsverfahren und berücksichtigen zahlreiche praxisrelevante Rahmenbedingungen wie beispielsweise heterogene Fahrzeugflotten, Kapazitäten, Lieferzeitfenster, Arbeitszeitregeln oder fahrzeug- und auftragsspezifische Anforderungen.
Neue Möglichkeiten entstehen laut dem Experten durch die wachsende Verfügbarkeit operativer Daten sowie durch Fortschritte bei künstlicher Intelligenz. Machine-Learning-Verfahren können beispielsweise die Prognose tageszeit- und wochentagsabhängiger Fahrzeiten, stoppspezifischer Servicezeiten sowie erwarteter Ankunftszeiten unterstützen. In Verbindung mit leistungsfähigen Optimierungsverfahren können dadurch realistischere Planungsgrundlagen entstehen.

Prof. Dr. Andreas Stenger leitet die Studie.
Touren lassen sich dynamisch anpassen
Und: Werden neue Aufträge, Verkehrsinformationen oder Statusdaten während der Ausführung kontinuierlich zurückgespielt, können Touren zudem überprüft und bei Bedarf dynamisch angepasst werden. Die Forschung zu dynamischen Tourenplanungsproblemen zeigt laut Stenger, dass es wesentlich darauf ankommt, welche Informationen während einer laufenden Tour verfügbar werden, wie verlässlich sie sind und wie häufig beziehungsweise kurzfristig sich die Planungssituation verändert.
"In der betrieblichen Praxis setzt eine solche Re-Optimierung nicht nur leistungsfähige Algorithmen voraus, sondern ebenso integrierte Systeme, verlässliche Daten und operative Prozesse, die kurzfristige Änderungen tatsächlich umsetzen können", sagt Stenger. Aktualisierte Tour- und Verkehrsdaten können darüber hinaus präzisere ETA-Prognosen und eine verlässlichere Kommunikation mit Kunden ermöglichen. Wissenschaftlich werden die Tourenplanungsprobleme bereits seit Ende der 1950er-Jahre intensiv untersucht. "Das sogenannte Vehicle Routing Problem zählt heute zu den etabliertesten Forschungsfeldern der logistischen Optimierung", sagt Stenger.
Anwendung in der Praxis
Wie wird Tourenplanung in der Praxis eingesetzt und welche Anwendungsfälle stehen im Vordergrund, beispielsweise für Gebiets-, Netzwerk- oder Kapazitätsplanung? Welche technischen, organisatorischen und operativen Faktoren können eine weitergehende Nutzung fördern oder begrenzen? Das will die Studie der DHBW Mannheim herausfinden. Aufgerufen sind Unternehmen die klassisch Transportlogistik, Distribution und KEP anbieten, aber auch Anbieter aus den Bereichen Entsorgung, Essenszustellung und technischen Kundendienst.
So machen Sie mit
Mittels eines standardisierten Fragebogens soll untersucht werden, welches die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Branchen, Unternehmensstrukturen und Planungsansätzen sind. Die Teilnahme erfolgt anonym; die Ergebnisse werden ausschließlich in aggregierter Form ausgewertet. Interessierte Teilnehmende erhalten nach Abschluss der Studie auf Wunsch eine konsolidierte Ergebnisübersicht. "Dadurch können sie die eigene Praxis im Vergleich zum branchenübergreifenden DACH-Gesamtbild einordnen und mögliche Impulse für die Weiterentwicklung ihrer Planungsprozesse gewinnen", sagt Stenger.
Hier der Link zur Studie.





