CMA CGM baut seine Präsenz an einem strategisch wichtigen Knotenpunkt am Roten Meer kräftig aus. Gemeinsam mit dem saudischen Terminalbetreiber RSGT investiert die französische Reederei umgerechnet etwa 372 Millionen Euro in ein neues Containerterminal im Hafen von Dschidda. Bis zu 2,6 Millionen TEU zusätzliche Umschlagkapazität sollen dadurch pro Jahr entstehen.
Großprojekt im Jeddah Islamic Port
Für CMA CGM sind Containerterminals längst mehr als bloße Umschlagplätze für die eigene Flotte. Der französische Reederei- und Logistikkonzern investiert gezielt in Hafeninfrastruktur entlang wichtiger Handelsrouten. Nun kommt ein weiteres Großprojekt hinzu. Gemeinsam mit Red Sea Gateway Terminal (RSGT) will CMA CGM Terminal 4 im Jeddah Islamic Port in Saudi-Arabien entwickeln und betreiben. Beide Unternehmen haben dazu endgültige Vereinbarungen unterzeichnet. Das Investitionsvolumen beziffern die Partner auf rund 372 Millionen Euro beziehungsweise 1,6 Milliarden Saudi-Riyal. Dafür soll in unmittelbarer Nähe des bestehenden RSGT-Terminalkomplexes ein neues Containerterminal entstehen.
2,6 Millionen TEU zusätzliche Kapazität
Die Dimension ist beträchtlich: Terminal 4 soll die jährliche Umschlagkapazität des Hafens um bis zu 2,6 Millionen TEU erhöhen. Geplant sind unter anderem neue Tiefwasser-Liegeplätze, an denen auch die größten Containerschiffe der Welt abgefertigt werden können. Hinzu kommen moderne Terminaltechnik sowie zehn neue Ship-to-Shore-Containerbrücken. CMA CGM und RSGT versprechen sich davon nicht nur höhere Umschlagmengen. Die neue Infrastruktur soll auch Produktivität und Zuverlässigkeit erhöhen und die Abfertigung besonders großer Containerschiffe verbessern. Damit zielt das Projekt unmittelbar auf die großen internationalen Linienverkehre.
Dschidda liegt an einer der wichtigsten Seerouten
Die Lage des Hafens ist dabei entscheidend. Dschidda befindet sich an der Ostküste des Roten Meeres und damit in unmittelbarer Nähe einer der wichtigsten Handelsrouten zwischen Asien und Europa. Über das Rote Meer und den Suezkanal verläuft ein zentraler Teil des Containerverkehrs zwischen beiden Wirtschaftsräumen. Zugleich dient Dschidda als wichtiges Ein- und Ausfalltor für den saudischen Markt. Die zusätzlichen Kapazitäten sollen deshalb sowohl dem Transshipment als auch den Import- und Exportverkehren Saudi-Arabiens zugutekommen. Größere Schiffe sollen effizienter abgefertigt und saudische Unternehmen besser an internationale Märkte angebunden werden. Für Saudi-Arabien fügt sich die Investition wiederum in die Strategie ein, das Land im Zuge der Vision 2030 stärker als internationales Handels- und Logistikzentrum zu positionieren.
CMA CGM baut eigenes Terminalnetz weiter aus
Für CMA CGM hat das Engagement allerdings noch eine zweite strategische Dimension. Der Konzern baut seit Jahren sein eigenes Netz an Hafenterminals aus. Mittlerweile ist die Gruppe nach eigenen Angaben an 64 Hafenterminals weltweit präsent. Diese Infrastruktur soll die eigenen Schifffahrts- und Logistikaktivitäten ergänzen und zugleich die Kontrolle über wichtige Schnittstellen innerhalb der Lieferketten erhöhen. „Während sich der Welthandel weiterentwickelt und die Infrastruktur wachsen und modernisiert werden muss, werden Terminals zu immer strategischeren Assets“, sagt CMA-CGM-Chef Rodolphe Saadé. Sie seien entscheidend, um den Betrieb abzusichern, wichtige Handelskorridore zu stärken und Kunden mehr Zuverlässigkeit bieten zu können. Mit Terminal 4 bekommt CMA CGM nun zusätzliche Kapazität an einer geografisch besonders exponierten Stelle dieses Netzes.
RSGT wickelt 40 Prozent der saudischen Container ab
Der Partner RSGT bringt wiederum eine starke Position im saudischen Hafenmarkt mit. Das in Dschidda ansässige Unternehmen bezeichnet sich als größten Terminalbetreiber Saudi-Arabiens und betreibt insgesamt sechs Terminals im In- und Ausland. Die Anlagen kommen zusammen auf eine Kapazität von mehr als 9,5 Millionen TEU sowie 30 Millionen Tonnen sonstiger Güter. Besonders wichtig ist dabei der bestehende RSGT-Terminal in Dschidda. Nach Unternehmensangaben entfallen auf ihn annähernd 40 Prozent des gesamten Containerverkehrs Saudi-Arabiens. Terminal 4 soll direkt neben diesem Komplex entstehen und innerhalb der bestehenden RSGT-Konzession gemeinsam von RSGT und CMA CGM betrieben werden.
Saudi-Arabien will zum globalen Logistik-Hub werden
Für Saudi-Arabien ist das 372-Millionen-Euro-Projekt zugleich Teil einer wesentlich größeren Logistikstrategie. Das Königreich investiert im Rahmen seiner wirtschaftlichen Diversifizierung stark in Häfen, Verkehrswege und Logistikinfrastruktur. Suliman bin Khalid Al-Mazrou, Präsident der saudischen Hafenbehörde Mawani, wertet das Engagement von CMA CGM entsprechend als Zeichen für die Attraktivität des Landes für internationale Investoren im maritimen Sektor. RSGT-Verwaltungsratschef Aamer Abdullah Alireza sieht in dem Gemeinschaftsprojekt einen weiteren Schritt auf dem Weg, Saudi-Arabien zu einem bedeutenden globalen Logistikzentrum auszubauen. Entscheidend dafür wird allerdings nicht allein zusätzliche Hafenfläche sein. Mit bis zu 2,6 Millionen TEU neuer Kapazität schafft Dschidda die Voraussetzungen, mehr Großcontainerschiffe und Liniendienste anzuziehen – und verschärft damit zugleich den Wettbewerb der Häfen um die Warenströme zwischen Asien, dem Nahen Osten und Europa.
In Kürze: die Key Facts
- Unternehmen: CMA CGM und Red Sea Gateway Terminal (RSGT)
- Projekt: Entwicklung und gemeinsamer Betrieb von Terminal 4
- Hafen: Jeddah Islamic Port in Dschidda, Saudi-Arabien
- Investitionssumme: rund 372 Millionen Euro
- Investition in Landeswährung: rund 1,6 Milliarden Saudi-Riyal
- Zusätzliche Kapazität: bis zu 2,6 Millionen TEU pro Jahr
- Terminaltyp: Containerterminal
- Infrastruktur: neue Tiefwasser-Liegeplätze
- Containerbrücken: zehn neue Ship-to-Shore-Krane
- Schiffsgrößen: Terminal soll auch die größten Containerschiffe abfertigen können
- RSGT: betreibt sechs Terminals im In- und Ausland
- RSGT-Kapazität: mehr als 9,5 Millionen TEU
- Bedeutung Dschiddas: bestehendes RSGT-Terminal wickelt laut Unternehmen knapp 40 Prozent des saudischen Containerverkehrs ab
- CMA-CGM-Terminalnetz: Beteiligung beziehungsweise Präsenz an 64 Hafenterminals weltweit
- Strategisches Ziel: Ausbau Dschiddas als Knotenpunkt auf internationalen Handelsrouten und Stärkung Saudi-Arabiens als Logistik-Hub
- Übergeordnete Strategie: Saudi Vision 2030







