Binnenschifffahrt fällt auf Tiefstand seit 1990

Güterverkehr auf Flüssen schwächelt
Tiefstand seit 1990 erreicht

Deutschlands Binnenschifffahrt erreicht 2025 einen historischen Tiefstand. Bitter: Vor allem der Güterexport bricht ein. Das hat Folgen für Industrie und die Logistik.

Tiefstand seit 1990 erreicht
Foto: Alexander Roller

Die Binnenschifffahrt in Deutschland rutscht weiter ab und erreicht einen historischen Tiefpunkt. Erstmals seit der Wiedervereinigung ist das Transportaufkommen auf den Flüssen so niedrig wie nie zuvor. Insgesamt wurden 2025 nur noch 171,6 Millionen Tonnen Güter transportiert. Das sind 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr und ein deutliches Signal für die anhaltende Schwäche im System Wasserstraße.

Export bricht ein – Binnenverkehr stabil

Auffällig ist vor allem der Blick ins Ausland: Der Güterversand aus Deutschland ging deutlich zurück. Mit 41,1 Millionen Tonnen lag er fast fünf Prozent unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig zeigt sich ein gegenteiliges Bild beim Import: Die Gütermengen aus dem Ausland legten leicht zu. Der innerdeutsche Verkehr blieb nahezu stabil. Das deutet auf ein strukturelles Problem hin: Während Deutschland weiterhin Güter empfängt, verliert der Export über Wasser an Dynamik.

Klassische Massengüter dominieren weiterhin

Das Transportgeschehen bleibt stark von klassischen Massengütern geprägt. Trockene Güter wie Steine, Erden, Erze oder Kohle machen mehr als die Hälfte des gesamten Aufkommens aus. Auch flüssige Güter, etwa Mineralölprodukte oder Chemikalien, spielen weiterhin eine zentrale Rolle, verlieren aber leicht an Bedeutung. Besonders auffällig: Während Mineralöltransporte zurückgehen, steigt der Kohletransport wieder deutlich an. Ein Hinweis darauf, dass sich Energieströme aktuell verschieben.

Wenige Häfen dominieren den Markt

Im internationalen Verkehr bleibt die Abhängigkeit von den großen Nordseehäfen hoch. Rotterdam allein wickelt mehr als die Hälfte der grenzüberschreitenden Transporte ab. Gemeinsam mit Antwerpen und Amsterdam entfallen über 70 Prozent des gesamten Auslandsverkehrs auf diese drei Standorte. Damit wird deutlich: Die deutsche Binnenschifffahrt ist stark in internationale Logistikstrukturen eingebunden und entsprechend anfällig für globale Veränderungen.

Niederländische Schiffe dominieren

Ein weiterer Befund: Mehr als die Hälfte aller Transporte wird von Schiffen unter niederländischer Flagge durchgeführt. Deutsche Schiffe kommen nur auf knapp ein Drittel des Gesamtvolumens. Auch das zeigt, wie stark der Markt international geprägt ist.

Mehr als eine Momentaufnahme

Der erneute Rückgang ist kein Ausreißer, sondern Teil eines längerfristigen Trends. Die Binnenschifffahrt steht zunehmend unter Druck.

Gründe dafür sind:

  • schwankende Wasserstände
  • strukturelle Veränderungen in Industrie und Energie
  • wachsender Wettbewerb durch Straße und Schiene

Für die Logistikbranche ist das ein Warnsignal. Denn die Wasserstraße gilt eigentlich als besonders effizient und klimafreundlich.

Bedeutung für Logistik und Industrie wächst

Gerade vor dem Hintergrund von Klimazielen und steigenden Transportkosten rückt die Binnenschifffahrt eigentlich stärker in den Fokus. Der aktuelle Tiefstand zeigt jedoch: Ohne strukturelle Verbesserungen droht sie weiter an Bedeutung zu verlieren. Für Industrie und Verlader bedeutet das weniger Optionen und potenziell höhere Kosten.

In Kürze: die Key Facts

  • Thema: Binnenschifffahrt Deutschland 2025
  • Quelle: Destatis
  • Transportvolumen: 171,6 Mio. Tonnen (-1,3 %)
  • Negativ-Rekord: niedrigster Wert seit 1990
  • Export: -4,8 % (starker Rückgang)
  • Import: +0,6 % (leicht gestiegen)
  • Binnenverkehr: stabil (+0,2 %)
  • Transit: -5,4 %
  • Wichtigste Güter: Mineralöl, Steine/Erden, Eisenerz, Kohle
  • Trend: Kohle +5,9 %, Mineralöl -2,7 %
  • Marktstruktur: >55 % Transporte durch niederländische Schiffe
  • Schlüsselhäfen: Rotterdam, Antwerpen, Amsterdam (71 % Anteil)
  • Einordnung: strukturelle Schwäche der Binnenschifffahrt