Bertschi 2025 stabil: Investition in Chemielogistik

Bertschi trotzt Zolldruck und Volatilität
Investitionen sollen Chemie-Lieferketten stärken

Trotz schwacher Chemie in Europa bleibt Bertschi bei 1,02 Mrd. Franken Umsatz. Neue Hubs in Antwerpen/Rotterdam und Standorte in Mexiko/Asien: Reicht das für verlässlichere Door-to-Door-Logistik 2026?

Umschlag von Bertschi-Tankcontainer
Foto: Bertschi

Trotz stagnierender Chemiemärkte in Europa und sich schnell verschiebender globaler Handelsströme bleibt die Bertschi Gruppe auf Kurs. Der Chemielogistiker schloss 2025 mit 1,02 Milliarden Schweizer Franken (etwa 1,11 Milliarden Euro) Umsatz ab – nominal unverändert gegenüber 2024. Währungsbereinigt weist das Unternehmen jedoch ein Plus von 2,5 Prozent aus. Rückenwind kam laut Bertschi vor allem aus ausgewählten globalen Märkten sowie aus einer steigenden Nachfrage nach Lager- und Distributionslösungen in Europa und Asien.

Chemielogistik in Zeiten von Zolldruck zuverlässig planen

Die zentrale Frage für viele Verlader: Wie lässt sich Chemielogistik in Zeiten von Zolldruck, neuen Regulierungen und volatilen Warenströmen zuverlässig planen, ohne dass Sicherheit und Margen leiden? Bertschi setzt dafür auf eine Kombination aus Hub-Infrastruktur, Door-to-Door-Services, Compliance-Kompetenz und gezielten Investitionen.

Zollunsicherheit, „Frontloading“ und „Friendshoring“ verändern Warenströme

Bertschi beschreibt 2025 als Jahr anhaltender Zoll- und regulatorischer Unsicherheiten. Diese hätten Kundenentscheidungen, Beschaffungszeitpunkte und grenzüberschreitende Güterströme spürbar beeinflusst. Gleichzeitig habe sich der Abschwung der europäischen Chemieindustrie fortgesetzt – inklusive Werksschließungen entlang der Wertschöpfungskette und Margendruck.

Parallel veränderten sich die Warenströme durch zwei Trends:

  • Frontloading: Unternehmen ziehen Transporte vor, um möglichen Zöllen/Restriktionen zuvorzukommen.
  • Friendshoring: Beschaffung und Produktion verlagern sich stärker in politisch „befreundete“ Regionen.

„Volatilität ist zu einem dauerhaften Merkmal unserer Branche geworden“, sagt Jan Arnet, Group CEO. Aufgabe sei es, Lieferketten zuverlässig am Laufen zu halten, indem operative Aufgaben und Compliance „in einem integrierten Service“ gemanagt werden.

Europas Chemie stagniert – Importe und neue Quellen gewinnen an Gewicht

Während Europas Chemieproduktion insgesamt schwach bleibt, gewannen in bestimmten Segmenten Volumina aus Asien, dem Nahen Osten und Amerika an Bedeutung. Bertschi will diese Entwicklung mit skalierbarer Infrastruktur und End-to-End-Services abfedern: lagern, handeln, beheizen, beproben, verzollen und verteilen – besonders in den wichtigsten Importmärkten in Europa und Asien. Hans-Jörg Bertschi, Präsident des Verwaltungsrats, formuliert das Ziel für 2026: Veränderungen im globalen Handel früh erkennen und Kunden „zuverlässige Logistiklösungen bereitstellen, wenn sich der Markt neu ordnet“.

Großinvestitionen in Antwerpen und Rotterdam – plus Ausbauoption in UK

Ein Schwerpunkt der Strategie bleibt der Ausbau von Kapazitäten nahe großer Häfen und Industriecluster. Als Kernstück nennt Bertschi das Intermodal-Terminal Antwerp Zomerweg (AZT): ausgelegt für integrierte Chemielogistik mit Containerlagerung (insbesondere Gefahrgut-Isotanks), Mehrwertdiensten wie Zollabwicklung und Beheizung sowie trimodaler Anbindung. In Rotterdam Botlek wurde eine Erweiterung abgeschlossen, die Umschlag, Handling und Gefahrgut-Lagerkapazitäten des trimodalen Terminals stärken soll. Zusätzlich erwarb Bertschi ein Grundstück in Middlesbrough, um den UK-Lager- und Distributionshub perspektivisch auszubauen.

Netzwerk wächst: neue Niederlassungen in Mexiko, Taiwan und Ningbo

Auch global baut Bertschi aus: Mit Aktivitäten in Mexiko will die Gruppe Kunden lokale Expertise und eine Anbindung an globale Door-to-Door-Konzepte bieten. Neue Gesellschaften in Taiwan und Ningbo sollen die Asien-Präsenz für regionale Distribution und exportorientierte Lieferketten stärken. In Singapur erweiterte Bertschi die Isotank-Heizkapazitäten im Jurong Island Chemical Cluster (JICC) – ein wichtiger Baustein für integrierte Chemielogistik in Südostasien. Außerdem berichtet das Unternehmen von Wachstum im Hub Zhangjiagang (China) mit Leistungen wie Gefahrgutlagerung, Abfüllung, Lager-Services und Distribution.

Intermodal 2026: Nachhaltigkeit braucht vor allem Zuverlässigkeit

Beim intermodalen Transport trifft der Nachhaltigkeitsanspruch auf operative Realität: Störungen und Zuverlässigkeitsprobleme im europäischen Schienennetz würden die Verkehrsverlagerung weiter belasten. Bertschi will 2026 die Planungs- und Ausführungskonsistenz erhöhen und Risiken mit robusten Transportkonzepten reduzieren. Arnet bringt es so auf den Punkt: „Unsere Kunden wollen geringere Emissionen und zugleich zuverlässige Ankunftszeiten. Der nächste Schritt ist, den intermodalen Transport wieder resilienter zu machen.“

Fazit: Bertschi setzt auf Steuerbarkeit

Antwort auf die Ausgangsfrage: Bertschi setzt nicht auf „mehr vom Gleichen“, sondern auf mehr Steuerbarkeit: Hub-Ausbau, Gefahrgut-/Isotank-Kapazitäten, Mehrwertservices (Zoll/Heizen/Proben), regionale Nähe in Asien und Amerika, plus ein 2026-Fokus auf Lieferzuverlässigkeit und Margendisziplin in einem Umfeld aus Überkapazitäten und Kostendruck.

In Kürze: die Key Facts

  • Unternehmen: Bertschi Gruppe (Chemielogistik; flüssige und rieselförmige Produkte)
  • Umsatz 2025: CHF 1,02 Mrd. (nominal unverändert gegenüber 2024)
  • Umsatzwachstum währungsbereinigt: +2,5 % (2025 vs. 2024)
  • Marktlage: Stagnation europäische Chemiemärkte; Werksschließungen; Margendruck
  • Treiber 2025: Lager- und Distributionsnachfrage in Europa/Asien; Wachstum ausgewählter globaler Märkte
  • Einflussfaktoren: Zoll- und regulatorische Unsicherheiten; volatile Nachfrage; veränderte Handelsmuster
  • Trends: Frontloading; Friendshoring; Verschiebung von Volumina Richtung Asien/Naher Osten/Amerika (segmentspezifisch)
  • Investitionen Europa: Intermodal-Terminal Antwerp Zomerweg (AZT); Erweiterung Intermodal-Terminal Rotterdam Botlek (Gefahrgut-Isotank-Lagerkapazitäten)
  • Investition UK: Grundstückserwerb Middlesbrough (Ausbau Lager-/Distributionshub)
  • Netzwerk 2025/2026: neue Niederlassungen Mexiko, Taiwan, Ningbo
  • Asien-Hub: Ausbau Isotank-Heizkapazität Singapur (Jurong Island Chemical Cluster)
  • Ausblick 2026: Lieferzuverlässigkeit, Kundennutzen, resiliente Door-to-Door-Logistik, Margendisziplin; intermodal resilienter machen