E-Lkw: Bund vergibt Aufträge für Schnellladenetz

Autobahn GmbH baut Schnellladenetz für E-Lkw
Betreiber für 124 Rastanlagen stehen fest

Mit 836 Ladepunkten an 124 Rastanlagen startet der Ausbau des bundesweiten Schnellladenetzes für E-Lkw in die nächste Phase. Erstmals kommen hunderte Megawatt-Lader für den Fernverkehr hinzu.

Ladesäule Ladeinfrastruktur Lkw E-Lkw 2024 Aral
Foto: Julian Hoffmann

Die Autobahn GmbH hat die Betreiber für 124 neue E-Lkw-Schnellladestandorte ausgewählt. Das milliardenschwere Projekt soll den Hochlauf batterieelektrischer Lastwagen beschleunigen – und bringt erstmals auch das Megawatt Charging System (MCS) in großem Stil auf deutsche Autobahnen.

Meilenstein des Ladeinfrastrukturprogramms für Lkw

Der Aufbau des bundesweiten Schnellladenetzes für Elektro-Lkw nimmt deutlich Fahrt auf. Die Autobahn GmbH des Bundes hat die Aufträge für Planung, Bau und Betrieb von 124 Schnellladestandorten an unbewirtschafteten Rastanlagen vergeben. Damit ist ein weiterer Meilenstein des vom Bundesverkehrsministerium (BMV) initiierten Ladeinfrastrukturprogramms erreicht. Für Speditionen und Logistikunternehmen bedeutet das vor allem eines: Die Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Einsatz von E-Lkw auf der Langstrecke verbessern sich spürbar.

836 Ladepunkte sollen den Umstieg auf E-Lkw erleichtern

Insgesamt entstehen an den 124 Rastanlagen entlang der Bundesautobahnen 836 Ladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge. Besonders bemerkenswert ist dabei der hohe Anteil neuer Megawatt-Ladesysteme (MCS): 447 Ladepunkte werden künftig Ladeleistungen im Megawattbereich ermöglichen. Ergänzt wird das Netz durch 157 CCS-400-Ladepunkte für Schnellladungen unterwegs sowie 232 CCS-100-Ladepunkte, die insbesondere für längere Ruhe- und Nachtpausen ausgelegt sind.Gerade das MCS-Netz gilt als entscheidender Baustein für den wirtschaftlichen Betrieb batterieelektrischer Fernverkehrs-Lkw. Die Technologie ermöglicht deutlich kürzere Ladezeiten als heutige CCS-Systeme und soll so Standzeiten reduzieren sowie die Einsatzplanung im Güterverkehr erleichtern.

Fünf Unternehmen bauen das neue Ladenetz auf

Die Autobahn GmbH teilte das Projekt in fünf Lose mit jeweils rund 25 Standorten auf. Dadurch soll sowohl der Wettbewerb gestärkt als auch die Umsetzung beschleunigt werden.

Den Zuschlag erhielten:

  • Los 1: Eliso Voltix Truck Charging (25 Rastanlagen)
  • Los 2: Autostrom plus (24 Rastanlagen)
  • Los 3: Electric Mobility Infrastructure Deutschland (26 Rastanlagen)
  • Los 4: Bietergemeinschaft STRA-loaded (25 Rastanlagen)
  • Los 5: Bietergemeinschaft E.ON Drive & mblty (24 Rastanlagen)

Nach Angaben der Autobahn GmbH sorgt die Verteilung auf mehrere Betreiber für eine ausgewogene Versorgung im gesamten Bundesgebiet und unterstützt eine zügige Umsetzung.

Bund investiert rund eine Milliarde Euro

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder bezeichnete leistungsfähige Ladeinfrastruktur als wichtigen Standortfaktor für Deutschland. Der Bund stelle dafür rund eine Milliarde Euro bereit. Ziel sei es, Unternehmen beim Aufbau resilienterer, planbarer und langfristig wirtschaftlicher Lieferketten zu unterstützen. Auch der Vorsitzende der Geschäftsführung der Autobahn GmbH, Dr. Michael Güntner, sieht in dem Projekt einen zentralen Baustein für die Transformation des Straßengüterverkehrs. Mit der Vergabe würden die Voraussetzungen geschaffen, klimafreundlichere Antriebe künftig deutlich breiter im Logistiksektor einzusetzen.

Entscheidenden Phase für die Lkw-Elektromobilität

Johannes Pallasch, Leiter der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur unter dem Dach der staatlichen NOW GmbH, spricht von einer entscheidenden Phase für die Elektromobilität im Straßengüterverkehr. Mit dem entstehenden Schnellladenetz erhielten Logistikunternehmen die notwendige Planungssicherheit für den Umstieg auf batterieelektrische Nutzfahrzeuge.

350 Standorte sind insgesamt geplant

Die jetzt vergebenen Standorte bilden nur den ersten Teil des Gesamtprojekts. Gemeinsam haben Bundesverkehrsministerium, Autobahn GmbH und Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur ein bundesweites Netz mit insgesamt rund 350 Standorten entlang der Autobahnen entwickelt. Grundlage waren umfangreiche Analysen des künftigen Ladebedarfs, unter anderem auf Basis von Herstellerprognosen und den Lkw-Mautdaten von Toll Collect.

Weiteres Vergabeverfahren ist in Vorbereitung

Während nun die Standorte auf unbewirtschafteten Rastanlagen umgesetzt werden, bereitet der Bund bereits ein weiteres Vergabeverfahren für Schnellladepunkte auf bewirtschafteten Rastanlagen vor. Zusätzlich unterstützt das Bundesverkehrsministerium den Aufbau öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur außerhalb der Autobahnen sowie Ladeparks auf Betriebshöfen von Unternehmen.

Flächendeckendes Schnellladenetz ist entscheidend für die Logistik

Für die Logistikbranche ist das Vorhaben von großer Bedeutung: Erst ein flächendeckendes Schnellladenetz schafft die Voraussetzung dafür, batterieelektrische Lkw zuverlässig im Fernverkehr einzusetzen und gleichzeitig die Vorgaben der europäischen AFIR-Verordnung zum Ausbau alternativer Kraftstoffe zu erfüllen.

In Kürze: die Key Facts

Was ist passiert?

Die Autobahn GmbH hat die Betreiber für 124 E-Lkw-Schnellladestandorte an unbewirtschafteten Rastanlagen vergeben.

Warum ist das wichtig?

Das Ladenetz soll den bundesweiten Einsatz batterieelektrischer Lkw erleichtern und die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs beschleunigen.

Wie viele Ladepunkte entstehen?

836 Ladepunkte, darunter 447 Megawatt-Charging-Systeme (MCS), 157 CCS-400- und 232 CCS-100-Ladepunkte.

Wie hoch ist die Investition?

Der Bund stellt für den Aufbau des Lkw-Schnellladenetzes rund eine Milliarde Euro bereit.

Wie geht es weiter?

Als Nächstes sollen auch Schnellladestandorte auf bewirtschafteten Autobahnrastanlagen vergeben werden.