Emissionsfreie Nutzfahrzeuge scheitern nach Angaben der Veranstalter heute nicht mehr an der Fahrzeugtechnik. Entscheidend für den weiteren Markthochlauf seien vielmehr wirtschaftliche Rahmenbedingungen, leistungsfähige Ladeinfrastruktur und verlässliche politische Vorgaben. Dieses Fazit stand im Mittelpunkt des Zukunftstags Nutzfahrzeuge 2026, den der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) gemeinsam mit Dekra am Dekra Lausitzring veranstaltete. Einigkeit bestand beim Zukunftstag darüber, dass der Hochlauf emissionsfreier Nutzfahrzeuge heute nicht mehr an der Fahrzeugtechnik scheitert. Fahrzeughersteller, Trailer-Industrie und Technologieanbieter brächten zunehmend marktreife Lösungen auf die Straße. Entscheidend sei vielmehr, dass der Business Case entlang der gesamten Wertschöpfungskette funktioniere.
Wirtschaftlichkeit entscheidet über den Hochlauf
Hersteller benötigten verlässliche Nachfrage, um Kapazitäten auszubauen und Kosten zu senken. Für Transportunternehmen kämen wirtschaftliche Gesamtkosten, passende Einsatzprofile sowie eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur mit ausreichenden Netzkapazitäten und wettbewerbsfähigen Energiepreisen hinzu. Betreiber von Ladeinfrastruktur seien wiederum auf planbare Netzanschlüsse, belastbare Auslastungsperspektiven und verlässliche politische Rahmenbedingungen angewiesen. Prof. Dr. Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des BGL, erklärte, die Unternehmen seien bereit, in die Antriebswende zu investieren. Dafür reiche ein physisch verfügbares Fahrzeug jedoch nicht aus. Netzanschluss, Ladeleistung, Energiepreis, Tourenplanung und Kundenanforderungen müssten zu einem wirtschaftlich tragfähigen Gesamtsystem zusammenfinden. Erst dann entstehe ein skalierbares Modell für den Mittelstand.
Ladeinfrastruktur bleibt zentrale Voraussetzung
Nach Angaben der Veranstalter zeigten die Diskussionen außerdem, dass batterieelektrisch angetriebene Lkw im Betrieb bereits kostengünstiger sein können als dieselbetriebene Fahrzeuge. Das gelte insbesondere dann, wenn Unternehmen die Möglichkeiten des Depotladens mit selbst erzeugtem Strom aus Photovoltaikanlagen nutzten. Gleichzeitig seien verlässliche politische Rahmenbedingungen, schnellere Netzanschlüsse sowie eine bessere Verzahnung von Depot- und öffentlicher Ladeinfrastruktur erforderlich, um den Hochlauf weiter zu beschleunigen. Für die Bundesregierung sagte Staatssekretärin Dr. Claudia Elif Stutz, der Bund treibe den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur entlang der Autobahnen voran. Die Ausschreibung für das Schnellladenetz mit insgesamt 350 Standorten sei teilweise bereits abgeschlossen beziehungsweise auf den Weg gebracht.
Bund baut Schnellladenetz weiter aus
Bis 2030 solle im Kernnetz alle 60 Kilometer eine Anlage zur Verfügung stehen, im Gesamtnetz alle 100 Kilometer. Zusätzlich stelle der Bund in den kommenden vier Jahren insgesamt eine Milliarde Euro für Ladeinfrastruktur in den Depots von Transportunternehmen bereit. Im Innovation Hub am Dekra Lausitzring präsentierten Aussteller Fahrzeuge sowie Lösungen aus den Bereichen Ladeinfrastruktur, Batterietechnologie, Energieversorgung und Transport. Bei Fahrdemonstrationen konnten die Teilnehmer batterieelektrische Nutzfahrzeuge unter realen Bedingungen erleben.
Dekra zeigt Batterietechnik im Praxiseinsatz
Darüber hinaus erhielten sie Einblicke in das Dekra Batterie Test Center, in dem Batteriesysteme unter mechanischen, thermischen und elektrischen Extrembelastungen auf Sicherheit, Leistungsfähigkeit und Lebensdauer geprüft werden. Guido Kutschera, Executive Vice President Dekra SE und Vorsitzender der Geschäftsführung der Dekra Automobil GmbH, erklärte, der technologische Fortschritt sei deutlich sichtbar. Für den breiten Einsatz müssten neue Fahrzeug- und Ladesysteme jedoch sicher, zuverlässig und reproduzierbar funktionieren. Unabhängige Prüfung, praxisnahe Erprobung und belastbare Standards seien deshalb wesentliche Voraussetzungen dafür, dass aus innovativen Lösungen ein funktionierender Markt werde. Am Zukunftstag Nutzfahrzeuge 2026 nahmen nach Angaben der Veranstalter knapp 300 Gäste teil.





