Während geopolitische Krisen die Weltwirtschaft erschüttern, zeigen sich deutsche Exporteure überraschend robust. Trotz Nahostkonflikt, Handelsstreit und wachsender Unsicherheit rechnen die meisten Unternehmen weiterhin mit steigenden Exporten. Doch hinter dem Optimismus steckt eine brüchige Realität. Zu diesem Schluss kommt die fünfte Auflage der „Allianz Trade Global Survey 2026“ des Kreditversicherers Allianz Trade.
83 Prozent erwarten Exportwachstum – trotz globaler Spannungen
Die Zahlen wirken fast widersprüchlich: 83 Prozent der deutschen Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Exportumsätze 2026 weiter steigen werden. Damit sind sie deutlich optimistischer als der weltweite Durchschnitt. Selbst die Eskalation im Nahen Osten konnte diesen Trend bislang kaum bremsen. Während internationale Unternehmen ihre Erwartungen spürbar nach unten korrigiert haben, zeigt sich die deutsche Wirtschaft deutlich stabiler. Doch dieser Optimismus hat Grenzen und ist vor allem eines: fragil.
Geopolitik bleibt das größte Risiko für Unternehmen
Hinter der Zuversicht wächst der Druck. Zwei Drittel der deutschen Exporteure sehen geopolitische Risiken mittlerweile als größte Bedrohung für ihr Geschäft. Konflikte, Handelsbarrieren und politische Unsicherheiten wirken direkt auf Lieferketten, Preise und Planungssicherheit. Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus der Unternehmen: Weg von kurzfristigem Wachstum, hin zu Risikomanagement.
Lieferketten werden radikal umgebaut
Die Reaktion der Unternehmen fällt deutlich aus. Acht von zehn deutschen Exporteuren haben ihre Lieferketten und Handelsrouten bereits angepasst. Neue Märkte, alternative Lieferanten und Umwege über Drittstaaten gehören inzwischen zum Alltag. Der klassische, lineare Warenfluss wird zunehmend durch flexible, resilientere Strukturen ersetzt. Europa und Asien gewinnen dabei an Bedeutung, während die USA als Exportziel spürbar an Attraktivität verlieren.
Zahlungsrisiken nehmen spürbar zu
Besonders kritisch entwickelt sich ein oft unterschätztes Thema: die Zahlungsmoral. Fast die Hälfte der deutschen Unternehmen rechnet damit, dass Kunden später zahlen oder Rechnungen gar nicht mehr begleichen. Gleichzeitig verlängern sich weltweit die Zahlungsziele deutlich. Für viele Unternehmen bedeutet das: steigender Finanzierungsdruck bei gleichzeitig unsicheren Märkten.
Warum der Optimismus trügerisch sein könnte
Die deutsche Exportwirtschaft hat in den vergangenen Jahren gelernt, mit Krisen umzugehen. Pandemie, Handelskrieg, Energiekrise – viele Unternehmen haben ihre Strukturen angepasst und sind widerstandsfähiger geworden. Doch genau diese Resilienz könnte jetzt zur Falle werden. Denn während Unternehmen abwarten und sich anpassen, steigen die strukturellen Risiken weiter. Handelskonflikte, geopolitische Spannungen und wachsende Konkurrenz, insbesondere aus China, könnten die aktuelle Stabilität schnell ins Wanken bringen.
Fazit: Stabil nach außen – unter Druck im Inneren
Die Botschaft ist eindeutig: Die deutsche Exportwirtschaft wirkt stabiler, als sie tatsächlich ist. Der Optimismus bleibt, doch er basiert zunehmend auf Anpassung statt auf Wachstum. Und genau darin liegt die Gefahr. Denn wenn sich die geopolitische Lage weiter zuspitzt, könnte aus Optimismus schnell ein ernsthaftes Problem werden.






