Der dickste Brummer macht den Anfang: Vor den Augen der versammelten Blaulichtgemeinde, kommunaler Funktionsträger und zweier Landesminister (Manuel Hagel/Inneres, Nicole Hoffmeister-Kraut/Wirtschaft) rollt der tarnfarbene Iveco Trakker GTF 8x8 mit Schutzkabine, Ladekran und Wechselpritsche in die Stuttgarter Messehalle. Dahinter folgen ein Rheinmetall MAN HX2 8x8 Wechsellader, ein Iveco Eurocargo 4x4 mit Wechselpritsche und ein altgedienter Transportpanzer Fuchs samt MG-Schütze in der Dachluke.
Der Pop-up-Rasthof fürs Militär
In der großen Halle verteilen sich die Fahrzeuge auf verschiedene, bereits aufgebaute Stationen: die Sanitätsstation mit dem RTW der Johanniter Unfallhilfe, die Feldküche der Bundeswehr (wo bereits stilecht der Erbseneintopf fürs Publikum köchelt), die mobile Diesel-Zapfanlage und den Truck-Service mit dem Werkstattwagen von Rheinmetall MAN Military Vehicles.
Sie stehen beispielhaft für ein sogenanntes Convoy Support Center (CSC), quasi ein Pop-up-Rasthof fürs Militär, auf grüner Wiese schnell errichtet und einsatzbereit, um die Grundbedürfnisse von Fahrer und Fahrzeug auf einem langen Kfz-Marsch abzudecken. Ein CSC kann in reiner Bundeswehr-Regie betrieben werden. Oder, wie hier, zivil-militärisch.
Die kleine Kolonne der Deutsch-Französische Brigade symbolisiert, was im Verteidigungsfall in weit größerem Maßstab auf Deutschland und seine Verkehrsinfrastruktur zukäme: riesige Marschverbände von NATO-Verbündeten auf dem Weg an die Ostflanke, der Trennlinie der neuen Blockkonfrontation in Europa.
Drehscheibe Deutschland
Die Rolle des Transitlandes im Straßengüterverkehr ist Deutschland bereits gewohnt. Die Funktion als NATO-Drehscheibe bringt jedoch weitere Herausforderungen mit sich. Zivil-militärische Zusammenarbeit in der Logistik ist gefragt, Häfen, Bahnstrecken und Autobahnen werden zu Flaschenhälsen (und möglichen Angriffszielen), Staus, Baustellen, marode Trassen, bröckelnde Brücken und fehlende oder veraltete MLC-Schilder erschweren das Fortkommen.
Auch die Versorgung mit Betriebsstoffen, Proviant und mehr muss sichergestellt werden. Aber wie? „Im V-Fall steht die Bundeswehr ja an der Ostflanke – während hier die Verbündeten durchmarschieren und versorgt werden müssen“, gibt Oberstleutnant Kieron Kleinert zu bedenken. Er ist Pressestabsoffizier des Landeskommandos Baden-Württemberg, das die CSC-Leistungsschau ins Leben gerufen hat – als Teil des zweitägigen „Innovationsforums Integrierte Sicherheit“, das erstmals Kommunen, Blaulichtorganisationen, Industrie, Politik und Bundeswehr auf der Stuttgarter Messe zusammenbringt.
Die Rolle der Convoy Support Center
Die Antwort auf die Versorgungsfrage gibt der (geheime) Operationsplan Deutschland. Er wurde vor drei Jahren von der übergeordneten Dienststelle des Landeskommandos, dem Operativen Führungskommando der Bundeswehr in Berlin, ausgearbeitet.
Der Plan sieht vor, dass für die Fahrzeugkolonnen entlang wichtiger Transitrouten bei Bedarf leistungsfähige Convoy Support Center aus dem Boden gestampft werden. Und zwar in Zusammenarbeit mit zivilen Partnern, weil die Bundeswehr im Ernstfall mit sich selbst und der Ostflanke beschäftigt sein wird. „Bisher wurde die Bundeswehr im Katastrophenfall immer gerne angefordert. Jetzt fordern wir Hilfe ein“, bringt es Kleinert auf den Punkt.
Die drei CSC-Ebenen
Betankung, Verpflegung und Unterkunft für Ruhepausen sind die Kernaufgaben eines CSC. Für die Erbringung dieser Leistung sieht der Operationsplan drei Ebenen vor: 1.) Innerhalb von Bundeswehr-Liegenschaften, über einen Rahmenvertragspartner aus der freien Wirtschaft. 2.) In der Nähe von Bundeswehr-Liegenschaften, ebenfalls über einen Rahmenvertragspartner. 3.) Notfallmäßig im öffentlichen Raum, über die Landeskommandos, mit Partnern aus der Region.
Rheinmetall jetzt auch Infrastruktur-Dienstleister
Den vom Infrastrukturamt der Bundeswehr ausgeschriebenen Auftrag für die Ebenen 1 und 2 konnte Anfang 2025 die Rheinmetall Project Solutions GmbH für sich verbuchen. Der Rahmenvertrag im Wert von bis zu 260 Millionen Euro gilt zunächst für drei Jahre und kann bis Ende 2029 verlängert werden. Er deckt den Übungsbetrieb wie auch ausdrücklich den Verteidigungs- und Bündnisfall ab.
„Die modularen Leistungen umfassen Unterbringung, Sanitäranlagen, Vollverpflegung, gesundheitliche Versorgung, Waren des täglichen Bedarfs, Absicherung, Werkstattflächen, Entsorgung sowie Betankung und die Lieferung von Kraft- und Betriebsstoffen. Sowohl innerhalb militärischer Liegenschaften als auch außerhalb, beispielsweise auf Übungsplätzen oder logistisch geeigneten zivilen Freiflächen“, erläutert ein Rheinmetall-Sprecher.
Die in Frage kommenden Areale seien bereits erkundet und qualifiziert worden. Und das seinen Grund: Nur 48 Stunden nach dem offiziellen Abruf aus dem Rahmenvertrag muss die „Anfangsbefähigung“ eines CSC hergestellt sein. Ein einzelnes CSC ist für die 24-stündige Versorgung von bis zu 700 Personen und 340 Fahrzeugen ausgelegt. Die vertragliche Skalierbarkeit sieht laut Rheinmetall das zeitgleiche Errichten und Betreiben von bis zu vier vollumfänglich autarken sowie zehn weiteren, modularen CSC vor.
Das setzt Personal und Material in der Hinterhand voraus – und weitere, verlässliche Partner in der Lieferkette. „Zur Gewährleistung maximaler Versorgungssicherheit sind alle einzelnen Gewerke redundant mit mehreren qualifizierten Subunternehmern hinterlegt, um Ausfälle im Ernstfall effektiv auszuschließen“, betont der Rheinmetall-Sprecher.








