Otto Group setzt auf Roboter-KI in der Logistik

Otto Group treibt KI in der Logistik voran
Roboter mit Nvidia KI im Warehouse

Die Otto Group setzt gemeinsam mit Nvidia auf KI-gestützte Robotik. Ein neuer sogenannter Coordination Layer soll Effizienz, Skalierbarkeit und Peak-Management in der Logistik verbessern.

Die Otto  Group setzt auf die KI-Robotik von Nvidia
Foto: OTTO Group

Die Otto Group treibt die Automatisierung ihrer Logistik mit einem technologischen Großprojekt voran. Gemeinsam mit dem US-Chiphersteller Nvidia entwickelt der Handelskonzern einen sogenannten „Robotic Coordination Layer“, der künftig die Zusammenarbeit unterschiedlichster Robotersysteme in den Logistikzentren der Unternehmensgruppe steuern soll. Ziel ist es, Effizienz, Skalierbarkeit und Flexibilität in der Intralogistik deutlich zu erhöhen und Robotik erstmals standortübergreifend intelligent zu koordinieren.

Virtuelle Trainingsumgebung für reale Logistikprozesse

Kern des Projekts ist eine Software-basierte Koordinationsschicht, die auf Nvidia Omniverse und der Simulationsplattform Isaac Sim aufsetzt. In digitalen Zwillingen der Logistikzentren können Roboterflotten virtuell trainiert, getestet und optimiert werden, bevor sie im realen Betrieb eingesetzt werden. Damit will die Otto Group neue Robotiklösungen schneller integrieren und bestehende Systeme effizienter nutzen. Als erster Pilotstandort dient das Logistikzentrum von Hermes Fulfilment im ostwestfälischen Löhne. Dort hat der IT-Dienstleister Reply bereits einen digitalen Zwilling der Anlage erstellt. In einem nächsten Schritt entwickelt die Otto Group IT-Tochter One.O den Kern des Coordination Layers sowie die Governance-Strukturen für den konzernweiten Rollout.

Einheitliche Steuerung statt isolierter Robotiklösungen

Bislang arbeiten viele Roboterlösungen in Logistikzentren als Insellösungen. Der neue Robotic Coordination Layer soll diese Trennung aufheben. Unterschiedliche Robotertypen, etwa autonome mobile Roboter, stationäre Systeme oder Fördertechnik, werden über eine gemeinsame digitale Ebene miteinander vernetzt. Bewegungen, Aufgabenverteilungen und Prioritäten lassen sich zentral steuern und in Echtzeit anpassen. „Mit Nvidia und Reply heben wir die intelligente Automatisierung nun auf die nächste Stufe“, erklärt Kay Schiebur, Konzernvorstand Services der Otto Group. Die technische Basis ermögliche es, Robotiklösungen schneller zu skalieren und besser an schwankende Volumina anzupassen, insbesondere in Spitzenzeiten.

KI als Hebel für Peak-Management und Effizienz

Ein zentrales Einsatzfeld der neuen Plattform ist das Spitzenlastmanagement. Mithilfe der Simulation können unterschiedliche Szenarien durchgespielt werden: Wie viele Roboter werden bei welchem Auftragsvolumen benötigt? Wo entstehen Engpässe? Wie lassen sich Personal- und Robotereinsatz optimal kombinieren? Die Simulationen laufen auf einer Cloud-Infrastruktur bei Google Cloud, unterstützt durch Nvidia RTX Pro 6000 GPUs. Ergänzt wird das System durch Schnittstellen zum Warehouse-Management-System sowie zum Flottenmanagement. So entsteht ein virtuelles Leitstandmodell, das operative Entscheidungen datenbasiert unterstützt.

Schritt in Richtung vollständig digitales Lager

Langfristig verfolgt die Otto Group das Ziel eines vollständig digitalisierten Lagerökosystems. Neben Robotik sollen auch klassische Automatisierungstechnik, Sensorik und Steuerungssysteme über den Coordination Layer eingebunden werden – von Sortieranlagen bis zur Tor- und Flächensteuerung. Die initiale Entwicklungsphase ist mit einem Investitionsvolumen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich hinterlegt. Nach dem Pilotbetrieb in Löhne soll die Lösung schrittweise auf weitere Logistikstandorte der Otto Group ausgerollt werden. Mit dem Projekt positioniert sich die Otto Group als einer der technologischen Vorreiter für KI-gestützte Intralogistik in Europa und setzt zugleich auf einen Ansatz, bei dem Simulation, Automatisierung und menschliche Steuerung eng verzahnt bleiben.