Cyberangriffe werden für kleine und mittelständische Transport- und Logistikunternehmen zu einem wachsenden Risiko. Eine Befragung des Steinbeis-Transferzentrums Internationales Transportwesen und dem Logistik-IT-Dienstleister Inventry zeigt: Viele Betriebe haben Sicherheitsmaßnahmen eingeführt, müssen ihre IT-Sicherheit aber weiter professionalisieren. Der Grund ist einfach. Je digitaler Lieferketten werden, desto angreifbarer werden Transportdaten, Kundeninformationen, Routenpläne und operative Systeme. Für Logistikunternehmen kann ein IT-Ausfall schnell bedeuten, dass Transporte stehen bleiben, Sendungsdaten nicht verfügbar sind oder Kundenprozesse ins Stocken geraten.
Cyberrisiken treffen auch den Mittelstand
Die befragten kleinen und mittelständischen Unternehmen bewerten IT-Sicherheit zwar als wichtig, sehen aber offenbar noch Nachholbedarf. Cyberangriffe wurden auf einer Skala von 1 bis 6 mit dem Wert 4 eingeordnet. Das zeigt: Angriffe sind kein theoretisches Risiko mehr, sondern gehören bereits zur Realität vieler Betriebe. Gerade KMU stehen dabei vor einem Problem. Sie müssen dieselben digitalen Risiken bewältigen wie große Logistikkonzerne, verfügen aber oft über weniger Personal, weniger Budget und weniger spezialisierte IT-Ressourcen.
Sendungsdaten und Routenpläne im Fokus
Besonders sensibel sind in der Logistik die Daten, die direkt mit dem Tagesgeschäft verbunden sind. Dazu zählen Sendungsinformationen, Kundendaten, Routenpläne, Lagerdaten und Zugriffsdaten auf Transport- und Dispositionssysteme. Viele Unternehmen setzen bereits auf Passwörter, Zugriffskontrollen, Backups, Sicherheitsrichtlinien und Logging-Systeme. Solche Maßnahmen helfen, Angriffe zu erkennen, Daten zu schützen und IT-Systeme nach Störungen wiederherzustellen. Doch einzelne Schutzmaßnahmen reichen langfristig nicht aus.
Beschäftigte bleiben ein Risikofaktor
Ein wichtiger Punkt der Untersuchung betrifft den Menschen. Schulungen und Sensibilisierung gelten als entscheidend, weil viele Sicherheitsvorfälle nicht nur technische Ursachen haben. Unachtsamkeit, fehlendes Problembewusstsein, Unzufriedenheit oder hohe Fluktuation können Risiken erhöhen. Für Logistikunternehmen bedeutet das: IT-Sicherheit darf nicht allein Aufgabe der IT-Abteilung sein. Fahrer, Disponenten, Lagerteams und Verwaltung müssen einbezogen werden.
NIS2 erhöht den Druck
Zusätzliche Bedeutung bekommt das Thema durch regulatorische Anforderungen wie die NIS2-Richtlinie (Network and Information Security) und die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung). Logistikunternehmen müssen künftig noch stärker nachweisen, dass sie Risiken erkennen, Sicherheitsmaßnahmen umsetzen und Notfallprozesse beherrschen. Das Steinbeis-Transferzentrum empfiehlt deshalb formale IT-Managementsysteme, regelmäßige Risikoanalysen, verbindliche Kontrollen und klare Notfallprozesse.
Fazit: Warum Nichtstun teuer werden kann
Für kleine und mittelständische Logistiker ist IT-Sicherheit längst ein Wettbewerbsfaktor. Wer bei Cybersecurity spart, riskiert Ausfälle, Datenverluste, Imageschäden und Probleme mit Kunden oder Behörden. Die wichtigste Botschaft der Untersuchung lautet deshalb: KMU müssen nicht alles auf einmal lösen. Aber sie sollten strukturiert nachrüsten – mit Risikoanalysen, Schulungen, Backups, klaren Verantwortlichkeiten und moderner Sicherheitstechnik. Denn in der digitalen Logistik gilt: Wer seine IT nicht schützt, gefährdet am Ende auch seine Lieferkette.
In Kürze: die Key Facts
- Thema: IT-Sicherheit in Transport und Logistik
- Quelle: Steinbeis-Transferzentrum Internationales Transportwesen und Inventry
- Fokus: kleine und mittelständische Transport- und Logistikunternehmen
- Befragte Unternehmen: 13
- Bedrohungslage: Cyberangriffe mit Wert 4 auf einer Skala von 1 bis 6
- Sensible Daten: Sendungsdaten, Kundeninformationen, Routenpläne
- Vorhandene Maßnahmen: Zugriffskontrollen, Passwörter, Logging, Backups, Notfallkonzepte
- Wichtiges Risiko: menschliche Faktoren wie Unachtsamkeit, Fluktuation und fehlende Sensibilisierung
- Empfohlene Maßnahmen: IT-Managementsysteme, Risikoanalysen, Schulungen, Notfallprozesse
- Relevante Regulierung: NIS2 und DSGVO
- Kernaussage: Kleine und mittelständische Logistiker müssen ihre IT-Sicherheit systematisch ausbauen





