Die Fahrzeuglogistik steht vor einem Wendepunkt und der hat wenig mit Wachstum zu tun. Zwar werden in den kommenden Jahren mehr Fahrzeuge transportiert, doch die eigentliche Herausforderung liegt woanders: Die Systeme dahinter werden immer komplexer und viele Unternehmen kommen kaum noch hinterher. Das hat Inform, der Software-Experte für logistische Prozesse, mithilfe einer aktuellen Umfrage herausgefunden.
Wachstum ist nicht mehr das Problem – sondern die Komplexität
Auf den ersten Blick klingt die Entwicklung positiv: 79 Prozent der Branchenexperten rechnen damit, dass die Transportvolumina in den nächsten fünf Jahren weiter steigen. Doch hinter dieser Zahl verbirgt sich ein grundlegender Wandel. Denn während die Mengen wachsen, explodiert gleichzeitig die operative Komplexität. Netzwerke werden dichter, Anforderungen steigen, Prozesse werden unübersichtlicher. Für viele Unternehmen bedeutet das: Planung wird zur Dauerbaustelle.
Kosten explodieren – Effizienz wird zur Überlebensfrage
Der größte Druck kommt dabei von der Kostenseite. 84 Prozent der Befragten nennen steigende Kosten als zentrale Herausforderung. Gleichzeitig wächst der Zwang zur Effizienz, bei gleichzeitig schwankenden Volumina und immer engeren Zeitfenstern. Das Ergebnis ist ein Spannungsfeld, das viele Unternehmen kaum noch beherrschen: mehr Fahrzeuge, aber weniger Planungssicherheit. Gerade in der Fahrzeuglogistik, in der viele Akteure zusammenarbeiten müssen, von OEMs über Spediteure bis hin zu Häfen und Händlern, verstärkt sich dieses Problem zusätzlich.
Transparenz fehlt – und damit die Grundlage für Entscheidungen
Ein zentrales Problem: fehlende Transparenz. In vielen Netzwerken wissen Unternehmen nicht genau, wann Fahrzeuge ankommen, welche Kapazitäten verfügbar sind oder wo sich Transporte aktuell befinden. Die Zahlen sind deutlich: 76 Prozent sehen Defizite bei Lieferzeiten und Ankunftsprognosen, 68 Prozent kritisieren fehlende Kapazitätstransparenz und 66 Prozent fehlt der Überblick über den Transportstatus. Das führt dazu, dass Entscheidungen häufig reaktiv statt vorausschauend getroffen werden, ein klarer Wettbewerbsnachteil.
KI soll helfen – doch die Basis fehlt oft noch
Die Hoffnung liegt auf neuen Technologien. 94 Prozent der Befragten erwarten, dass Künstliche Intelligenz die Fahrzeuglogistik massiv verändern wird. Doch der Realitätsschock folgt sofort: Viele Unternehmen kämpfen noch mit grundlegenden Problemen wie fragmentierten Daten, fehlender Systemintegration und unzureichender IT-Infrastruktur. Die Folge: KI bleibt oft ein Versprechen statt ein echter Hebel.
Warum die Branche vor einem strukturellen Problem steht
Die Studie zeigt klar: Die Fahrzeuglogistik verändert sich nicht nur kurzfristig, sondern strukturell. Die Herausforderung ist nicht mehr, Transporte zu organisieren, sondern komplexe Netzwerke zu steuern. Und genau hier entscheidet sich künftig der Erfolg. Unternehmen, die ihre Daten nicht in echte Entscheidungsintelligenz übersetzen können, geraten ins Hintertreffen.
Fazit: Die eigentliche Krise ist unsichtbar
Mehr Fahrzeuge, mehr Bewegung, mehr Geschäft und trotzdem wächst der Druck. Die Fahrzeuglogistik steht nicht vor einem Mengenproblem, sondern vor einer Steuerungskrise. Oder anders gesagt: Nicht das Wachstum bringt die Branche an ihre Grenzen, sondern die fehlende Kontrolle darüber.






