Steigende Verteidigungsausgaben sorgen nicht nur für neue Aufträge in der Rüstungsindustrie. Auch der Markt für Logistikimmobilien dürfte erheblich wachsen. Eine Analyse von Garbe Industrial zeigt, welche Regionen Europas besonders vom Ausbau militärischer Lieferketten profitieren könnten – und welche deutschen Standorte ganz vorne liegen.
Was die Logistikstandorte mitbringen müssen
Die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik verändert zunehmend auch die Logistikbranche. Nach einer Untersuchung von Garbe Industrial werden insbesondere Standorte mit leistungsfähigen Seehäfen, Schienenverbindungen und Autobahnkorridoren künftig stärker nachgefragt. Besonders gute Voraussetzungen sehen die Autoren des Whitepapers in den Benelux-Staaten. In Deutschland zählen vor allem Karlsruhe/Mannheim, Duisburg, Hamburg und Hannover zu den aussichtsreichsten Regionen für verteidigungsrelevante Logistikimmobilien.
Militärlogistik rückt stärker in den Fokus
Laut Garbe Industrial unterscheidet sich die Nachfrage nach Logistikflächen für militärische Zwecke deutlich von klassischen Industrie- oder Handelsimmobilien.
Entscheidend seien vor allem:
- leistungsfähige Seehäfen,
- multimodale Verkehrsanbindungen,
- schnelle Autobahnverbindungen,
- Anbindung an das transeuropäische Verkehrsnetz (TEN-V),
- resiliente Infrastruktur und
- effiziente grenzüberschreitende Prozesse.
Für die Bewertung entwickelte Garbe den sogenannten Defence Logistics Affinity Score (Defence LOFIN), der Gemeinden hinsichtlich ihrer Eignung für militärische Logistik analysiert. Grundlage sind fünf infrastrukturelle und logistische Kriterien.
Rotterdam bleibt Europas wichtigster Militärlogistik-Standort
Im europäischen Vergleich schneiden die großen Seehäfen der Benelux-Staaten am besten ab. Das Ranking führt Rotterdam mit der Höchstwertung von 7,0 Punkten an. Es folgen Antwerpen und Amsterdam mit jeweils 6,7 Punkten. Unter den deutschen Standorten erreichen Karlsruhe/Mannheim, Duisburg und Hamburg jeweils einen LOFIN-Wert von 6,6 Punkten, Hannover kommt auf 6,4 Punkte.
Nur wenige Regionen erfüllen alle Anforderungen
Die Studie zeigt zugleich, wie exklusiv diese Standorte sind. Lediglich sechs Prozent der untersuchten Landfläche in 25 europäischen Ländern erreichen einen Defence-LOFIN-Wert von mehr als fünf Punkten. Während in Belgien und den Niederlanden rund zwei Drittel der Landesfläche diese Schwelle überschreiten, liegt Deutschland bei 22 Prozent und Italien bei 11 Prozent. Damit gehören sie zu den wenigen großen europäischen Logistikmärkten mit zweistelligen Anteilen.
Milliardeninvestitionen könnten Flächenbedarf massiv erhöhen
Nach Berechnungen von Garbe Industrial steigt das europäische Beschaffungsvolumen für Verteidigungsgüter bis 2030 voraussichtlich auf 704 Milliarden Euro. Daraus ergibt sich ein zusätzlicher Bedarf von 37 bis 75 Millionen Quadratmetern Industrie- und Logistikfläche. Für den institutionellen Immobilienmarkt könnten davon 7,5 bis 14,9 Millionen Quadratmeter relevant werden.
Einordnung für Logistikunternehmen
Die Studie verdeutlicht, dass militärische Mobilität zunehmend zum Standortfaktor für Logistikimmobilien wird. Regionen mit leistungsfähigen Häfen, Schienenknoten und Autobahnachsen könnten künftig nicht nur von Verteidigungsinvestitionen profitieren, sondern auch zusätzliche Nachfrage aus Industrie und Transportwirtschaft anziehen. Für Projektentwickler, Logistikdienstleister und Investoren dürfte die Qualität der Infrastruktur damit noch stärker über zukünftige Standortentscheidungen bestimmen.
In Kürze: die Key Facts
Unternehmen: Garbe Industrial
Thema: Whitepaper zu Militärlogistik und Logistikimmobilien
Ergebnis:
- Benelux-Staaten profitieren besonders
- Nordwestdeutschland bietet sehr gute Voraussetzungen
Top-Standorte Europa:
- Rotterdam
- Antwerpen
- Amsterdam
Top-Standorte Deutschland:
- Karlsruhe/Mannheim
- Duisburg
- Hamburg
- Hannover
Analysemodell: Defence Logistics Affinity Score (LOFIN)
Potenzieller zusätzlicher Flächenbedarf bis 2030:
37–75 Mio. m² Industrie- und Logistikflächen
Institutioneller Markt:7,5–14,9 Mio. m² Nachfragepotenzial
Quelle: Whitepaper von Garbe Industrial








