Die Übernahme der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) ist noch nicht ganz abgeschlossen. Doch schon jetzt wird deutlich, welche Dimension das Rüstungsgeschäft bei Deutz erreichen soll. FFG soll bereits im kommenden Jahr mehr als eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschaften, bei einer Marge von über 20 Prozent. Die Aktionäre haben dem Milliarden-Deal nun nahezu einstimmig zugestimmt.
Motorenhersteller Deutz wird zum Rüstungskonzern
Aus dem Motorenhersteller Deutz wird zunehmend ein Rüstungskonzern – und offenbar schneller als bislang gedacht. Nachdem das Kölner Unternehmen Anfang Juli die Übernahme der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft angekündigt hatte, haben die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung jetzt eine wichtige Voraussetzung für den Deal geschaffen. Mit 99,7 Prozent stimmten sie der dafür vorgesehenen Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage zu. Auch das Bundeskartellamt hat die Übernahme inzwischen freigegeben. Das Closing wird allerdings erst für Ende 2026 bis Anfang 2027 erwartet. Viel interessanter als der formelle Schritt ist jedoch, welche wirtschaftliche Bedeutung FFG künftig innerhalb des Deutz-Konzerns bekommen soll.
FFG soll 2027 mehr als eine Milliarde Euro umsetzen
Deutz erwartet, dass die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft bereits im kommenden Jahr einen Umsatz von deutlich mehr als einer Milliarde Euro erwirtschaftet. Die Marge soll bei über 20 Prozent liegen. Zum Vergleich: 2025 kam FFG noch auf rund 760 Millionen Euro Umsatz. Seit 2023 sei das Unternehmen nach Angaben von Deutz um durchschnittlich rund 50 Prozent pro Jahr gewachsen. Der aktuelle Auftragsbestand beläuft sich auf mehr als 1,9 Milliarden Euro. Damit bekommt das Defense-Geschäft für Deutz eine ganz andere Größenordnung. Der gesamte Deutz-Konzern erzielte 2025 einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro. FFG allein könnte demnach bereits 2027 mehr als halb so viel Umsatz erwirtschaften wie Deutz zuletzt als Gesamtkonzern.
Defense wird zur tragenden Säule von Deutz
Deutz spricht inzwischen selbst davon, dass das „hochprofitable Defense-Geschäft“ zu einer tragenden Säule des Konzerns werden soll. FFG soll dabei den Kern des Verteidigungsgeschäfts bilden. Damit setzt sich der Strategiewechsel fort, über den eurotransport.de bereits bei der Bekanntgabe der FFG-Übernahme berichtet hatte. Deutz will sich vom klassischen Motorenhersteller zu einem breiter aufgestellten Industrieunternehmen entwickeln. Neben Antrieben gehören dazu zunehmend Energieversorgung und Verteidigung. „Mit FFG wird Deutz zu einem zentralen Akteur im Verteidigungsbereich“, sagt Vorstandschef Sebastian Schulte. Die Übernahme sei ein Meilenstein auf dem Weg zu einem Industrieunternehmen mit Lösungen für Energie, Mobilität und Verteidigung sowie einem starken Servicegeschäft.
Vom Motorenbauer zum Anbieter militärischer Systeme
Mit FFG bekommt Deutz dafür erheblich mehr als einen weiteren Zulieferbetrieb. Die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft beschäftigt mehr als 1.100 Menschen an neun Standorten und produziert, wartet und modernisiert militärische Rad- und Kettenfahrzeuge. Zum Portfolio gehören unter anderem Berge- und Schützenpanzer, Mannschaftstransporter und weitere Spezialfahrzeuge. FFG ist zudem ein wichtiger Partner der Bundeswehr für Wartung und Instandhaltung, beliefert Streitkräfte in mehr als 15 Ländern und ist Fertigungspartner multinationaler NATO-Rüstungsprogramme. Für Deutz bedeutet die Übernahme deshalb einen erheblichen Sprung entlang der Wertschöpfungskette. Der Konzern liefert nicht mehr nur Komponenten und Antriebstechnik für militärische Anwendungen, sondern bekommt mit FFG einen etablierten Hersteller kompletter Militärfahrzeuge. Parallel baut Deutz seine Aktivitäten bei unbemannten Systemen aus. Gemeinsam mit ARX Robotics bereitet das Unternehmen, wie bereits berichtet, die Serienproduktion des autonomen Bodensystems Gereon im Deutz-Werk Ulm vor.
Deutz könnte Ziele für 2030 deutlich früher erreichen
Die Dimension der FFG-Übernahme wirkt sich auch auf die bisherigen Konzernziele aus. Bislang hatte sich Deutz für 2030 einen Umsatz von vier Milliarden Euro und eine Marge von zehn Prozent vorgenommen. Nach Einschätzung des Unternehmens könnte die FFG-Übernahme dazu führen, dass diese Ziele nun „deutlich früher“ erreicht werden. Gerade die erwartete Profitabilität von FFG ist dabei bemerkenswert. Eine Marge von mehr als 20 Prozent würde deutlich über dem langfristigen Margenziel des Gesamtkonzerns liegen. Defense soll Deutz damit nicht nur größer machen, sondern auch die Ertragsstruktur des Unternehmens verändern.
FFG-Eigentümer werden zu Deutz-Ankeraktionären
Die Transaktion verändert allerdings nicht nur das Geschäft von Deutz, sondern auch dessen Eigentümerstruktur. Der Kaufpreis für FFG beträgt rund 1,6 Milliarden Euro. Ein Teil davon soll, wie bereits bei Bekanntgabe der Übernahme angekündigt, über neu ausgegebene Deutz-Aktien finanziert werden. Nach Abschluss der Transaktion soll deshalb die jetzt genehmigte Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage erfolgen. Die bisherigen FFG-Eigentümerfamilien können dadurch mit bis zu 29,9 Prozent an Deutz beteiligt werden und zum neuen Ankeraktionär des Kölner Konzerns aufsteigen. Aufsichtsratschef Dietmar Voggenreiter spricht vom „größten Zukauf in der bisherigen Unternehmensgeschichte“. Mit der Zustimmung der Aktionäre sei nun der Weg dafür bereitet.
FFG-Übernahme ist noch nicht abgeschlossen
Trotz des klaren Votums der Hauptversammlung ist die Übernahme allerdings noch nicht endgültig vollzogen. Zwar liegt die Freigabe des Bundeskartellamts bereits vor. Deutz verweist jedoch auf weitere noch ausstehende Genehmigungen. Deshalb rechnet das Unternehmen mit dem Closing erst zwischen Ende 2026 und Anfang 2027. Erst anschließend soll die Kapitalerhöhung umgesetzt werden. An der strategischen Richtung lässt Deutz dagegen kaum noch Zweifel.
In Kürze: die Key Facts
- Unternehmen: Deutz
- Übernahmeziel: FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft
- Kaufpreis: rund 1,6 Milliarden Euro
- Zustimmung Hauptversammlung: 99,7 Prozent
- Kartellfreigabe: Bundeskartellamt hat zugestimmt
- FFG-Umsatz 2025: rund 760 Millionen Euro
- FFG-Umsatzziel 2027: deutlich mehr als eine Milliarde Euro
- Erwartete FFG-Marge 2027: mehr als 20 Prozent
- FFG-Auftragsbestand: mehr als 1,9 Milliarden Euro
- Beschäftigte: mehr als 1.100 an neun Standorten
- Geschäft: militärische Rad- und Kettenfahrzeuge, Modernisierung und Instandhaltung
- Kunden: unter anderem Bundeswehr und Streitkräfte in mehr als 15 Ländern
- Closing: voraussichtlich Ende 2026 bis Anfang 2027
- Neue Eigentümerstruktur: bisherige FFG-Eigentümerfamilien sollen bis zu 29,9 Prozent an Deutz halten
- Deutz-Ziel: vier Milliarden Euro Umsatz und zehn Prozent Marge sollen deutlich früher als 2030 erreicht werden
- Strategische Bedeutung: FFG soll den Kern des Defense-Geschäfts bilden; Verteidigung wird zur tragenden Konzernsäule








